Politik Lokal: Die Bonner Hochschulgruppen und der Bildungsstreik.

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Die Bildungssituation in Deutschland ist – da sind sich alle einig – nicht zufriedenstellend. Es fehlt an Geld, an Personal und an funktionierenden Ideen, wie das ganze geändert werden könnte. Bereits im Sommer dieses Jahres gingen einige hunderttausend Schüler und Studenten auf die Straße, um ihrem Unmut Luft zu machen. Gleiches soll auch nun wieder passieren, in der Hoffnung, dass sich diesmal etwas bewegen lässt.
Die aktuelle Situation in Österreich und die dort stattfindende öffentliche Diskussion über die Zustände im Bildungssystem könnten auch Anreiz sein, sich wieder zum Protest aufzuraffen. Denn es waren Demonstrationen und Besetzungen von Universitätsgebäuden durch Studierende, die Aufmerksamkeit erregten und den Stein ins Rollen brachten. In einigen deutschen Universitätsstädten zog man auch nach und noch zur Stunde sind diverse Hörsäle zwischen München und Hamburg besetzt.
Bonn ist nicht dabei. Schon die letzten Demonstrationen gegen die Einführung von Studiengebühren oder die Abschaffung von Lehrstühlen hatten sehr niedrige Teilnehmerzahlen. Eine Protestkultur scheint der Bonner Studierendenschaft kaum vorhanden. Sind die Hochschüler der Bundesstadt zu faul, einfach nur desillusioniert oder schlicht zu intelligent, um noch auf die Straße zu gehen? Auf der Suche nach Antworten stößt man unweigerlich auf Statements der Hochschulgruppen, die die Interessen der Studierenden im Studierendenparlament vertreten.
Bei den Jusos ist alles wie gehabt. Der Bildungsstreik findet vorbehaltlose Unterstützung der Hochschulgruppe der Jungsozialisten. Im bundesweiten Aktionstag sehen sie die Möglichkeit ihre Forderung nach freier Bildung und der Abschaffung des aus ihrer Sicht ungerechten Systems neu zu stellen, so die Meinung des Bundesvorstands. Auch die Juso-HSG der Universität Bonn hat angekündigt, ihre ideelle, wie personelle Unterstützung des Bildungsstreiks fortzusetzen und ruft zur Teilnahme an der Demonstration auf. An den Jusos selbst liegt es also nicht, dass in Bonn kaum jemand mitmachen möchte. Vielleicht eher daran, dass ihnen keiner zuhört.
Einen gänzlich anderen Standpunkt vertritt die Hochschulgruppe mit der aktuell stärksten Fraktion im Studierendenparlament. Der Ring Christlich Demokratischer Studenten glaubt nicht an den Sinn von Demonstrationen oder Hörsaalbesetzungen. Zwar sei sich auch der RCDS bewusst, dass es mit dem Bildungssystem nicht zum Besten stehe, doch sei es keine Lösung, andere Studierende davon abzuhalten die Universitätseinrichtungen zu nutzen. Vielmehr wolle man weiter den Dialog mit den Entscheidungsträgern in der Verwaltung suchen. Ein Standpunkt den wohl viele Studierende teilen, ist doch aus einigen „besetzten“ Unis zu hören, dass die schärfste Kritik an der Blockade von den eigenen Kommilitonen käme.
Zuletzt soll noch ein Blick auf die Liste undogmatischer StudentInnen geworfen werden. Zwar bezieht die Bonner LUST recht eindeutig Stellung gegen die aktuelle Situation in Schulen und Universitäten, auch hier sei man sich im Klaren, dass es Anlass zur Kritik gebe. Allerdings wird ansonsten vor allem der Forderungskatalog der Bildungsstreiker auseinander genommen und zu einer fundierten Auseinandersetzung mit dem Begriff der Bildung an sich aufgefordert. So sei das staatliche Bildungssystem in seiner Gesamtheit abzulehnen – der Kampf für eine „freiere“ oder schlicht „bessere“ Bildung innerhalb dieses Systems also eher sinnlos. Die LUST setzt sich gerne zwischen die Stühle, hinterfragt alles und jeden und nimmt nichts so hin, wie es dargeboten wird. Diesem Anspruch an sich selbst wird sie auch beim Thema Bildungsstreik gerecht. Der Schritt auf die Straße wird aber wohl erst nach ausführlichem Diskurs gewagt werden.
Man darf gespannt sein, welche Argumentation am ehesten zieht. Messen kann man es daran, ob die Mehrheit der fast 30.000 eingeschriebenen Studierenden auf der Straße gegen das System demonstriert, oder ob sie mit der Faust in der Tasche in zur Vorlesung stapft – denn zufrieden ist ja keiner.
Autor: Christian Vey / Foto: Bettina Stolze (pixelio.de) / 16.11.2009 | Artikel drucken |