Am 27. September veränderte sich das Leben radikal für Katja Dörner. Von ihrer Partei, den Grünen, auf Platz fünf der Landesliste NRW gesetzt, zog sie in den Bundestag ein. campus-web traf die junge Abgeordnete in Bonn und sprach mit ihr über die ersten Wochen im neuen Amt, die Wohnungssuche in Berlin, die Pendelei zwischen Bundesstadt und –hauptstadt und vieles andere mehr.


campus-web: Frau Dörner, sie haben hier in Bonn studiert, danach lange Jahre hier gelebt. Gibt es etwas, dass sie bereits jetzt vermissen?

Katja Dörner: Ich merke das schon so ein bisschen. Gestern Abend bin ich im Zug nach Bonn gefahren, habe mich so richtig gefreut und so bei mir gedacht, „jetzt fahre ich wieder nach hause, nach Bonn“. Ich war zwar in den letzten Wochen noch relativ viel hier, aber was ich eben vermisse ist das tägliche Leben. Ich wohne in der Altstadt und wir sind dort relativ häufig ausgegangen. Das ist definitiv etwas, das ich vermisse – einfach mit meinen Freunden zu kickern, Fußball zu gucken oder auch einfach mal ein Bierchen zu trinken.

Zug fahren werden sie ja noch häufiger. Haben sie sich schon eine schicke BahnCard 100 zugelegt, oder wie werden sie die viele Pendelei bewältigen?

Dörner: Ich will natürlich versuchen, das so gut es geht mit der Bahn zu machen. Aber ich habe bereits jetzt die Erfahrung gemacht, dass man manchmal Termine so kurzfristig mitgeteilt bekommt, dass es gar nicht möglich ist, es mit dem Zug noch zu schaffen. Wenn es dann gar nicht mehr geht, muss ich eben auch mal fliegen, auch wenn das für mich als Grüne natürlich nur im äußersten Notfall in Frage kommt.

Sie haben zwar auch vorher schon Erfahrungen in der parlamentarischen Arbeit gemacht, wurden aber jetzt zum ersten Mal in den Bundestag gewählt. Ist es noch etwas Besonderes im mächtigsten Haus der deutschen Demokratie zu sitzen?

Dörner: Ich habe ja viele Wochen Wahlkampf gemacht und war doch sehr in dieser Aufgabe gefangen. Kurz vor der Wahl hat es aber noch einen Termin gegeben, wo alle Kandidaten von der Fraktionsführung eingeladen worden sind. Als ich dort hinfuhr und dann auf das Reichstagsgebäude zuging, ist mir erstmals richtig bewusst geworden, „da werde ich, aller Voraussicht nach, Abgeordnete sein“. Das hat mir dann doch einen Heidenrespekt eingeflößt. Es werden dort nun mal Gesetze beraten und beschlossen, die Auswirkungen auf jeden einzelnen Menschen in der Bundesrepublik haben, das ist eine große Verantwortung. Auf jeden Fall ist es nochmal etwas anderes als „nur“ in der Partei mitzuarbeiten, oder als Wissenschaftliche Referentin im Landtag.

Wie anstrengend haben sie denn die ersten Wochen nach der Wahl empfunden? War sie vor allem mit der parlamentarischen Arbeit beschäftigt, oder damit, überhaupt in Berlin einen Fuß auf die Erde zu bekommen?

Dörner: Das war schon von null auf hundertfünfzig. Man ist gewählt und es geht sofort los. Am Sonntag war die Wahl und am Montag habe ich bereits meine erste Fraktionssitzung in Berlin gehabt. Ich hatte keine Wohnung, musste die also suchen und einrichten. Ich musste ein Wahlkreisbüro in Bonn einrichten, was mir sehr wichtig war, und auch in Berlin richte ich jetzt ein Büro ein, stelle Mitarbeiterinnen ein und habe darum herum schon jede Menge Sitzungen im Parlament. Es ist also ordentlich Trubel und auch noch sehr chaotisch zur Zeit. Darüber hinaus habe ich jetzt schon gelernt, dass ein Sitzungstag, der von morgens um acht bis abends um elf geht, nicht die Ausnahme ist, sondern normal.

Zwischen Bonn und Berlin besteht ja ein besonderes Verhältnis und der geteilte Regierungssitz gerät immer wieder in die Kritik. Was für Reaktionen bekommt man denn in der Hauptstadt zu hören, wenn man sagt, man sei die Abgeordnete aus Bonn?

Dörner: Interessanterweise bin ich ja die erste Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Bonn überhaupt. Das können viele kaum glauben, wenn ich es erzähle. Darauf gibt es natürlich vor allem positive Reaktionen. Auf Ablehnung wegen meines Wahlkreises bin ich eigentlich nirgendwo gestoßen. Trotzdem war der Standort Bonn schon während der ersten Wochen ein Thema. Es gab viele Gespräche, da ja in der Diskussion war, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung abzuschaffen, was für Bonn, als Hauptsitz des BMZ, sehr negativ gewesen wäre. Auch die Frage was aus der BAFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) wird, hat mich beschäftigt. Auch da geht es ja um einige tausend Arbeitsplätze. Meine erste inhaltliche Aktivität als MdB drehte sich also direkt um den Wahlkreis.


Im zweiten Teil des Gesprächs erzählt Katja Dörner wie sie an ihre Berliner Wohnung kam und was sie von den neuen „Bonner“ Ministern hält. [mehr]


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