Der Andrang auf die Pltze im Festsaal der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universitt ist erwartungsgem gro. Ebenso vorhersehbar wie das starke Interesse am heutigen Vortrag ist die Zusammensetzung des Publikums. Einerseits finden sich im Publikum Studenten der Politischen Wissenschaft und der Juristerei sowie auch der fr Veranstaltungen dieser Art bliche und nicht zu verachtende Anteil universell interessierter Rentner. Doch weil es sich beim Gast des heutigen Abends um einen nicht unumstritten Hauptakteur im aktuellen politischen Geschehen handelt, sind auch dessen Gegner in hoher Zahl erschienen.

Der Hauptredner der Veranstaltung ist Wolfgang Schuble, Innenminister der Regierung Merkel und liebstes Feindbild des linkspolitischen Spektrums der Bundesrepublik. So berrascht es nicht, dass bereits im Treppenhaus des Universitts-Hauptgebudes Flyer mit dem Stasi 2.0-Motiv verteilt werden und im Vorraum des Festsaals ein provisorischer Infostand Der Linkspartei aufgebaut ist. Im Verlauf der Veranstaltung wurde aus dieser Ecke auch immer wieder versucht den Vortrag zu stren, was aber eigentlich nur zu bsen Blicken der umstehenden Zuhrer fhrte und bald aufgegeben wurde. Thema des Abends war auch nicht die Rolle des Ministers Schuble bei der Schaffung neuer Sicherheitsstandarts fr die westliche Welt, sondern seine Erfahrungen mit dem nun 60 Jahre alten Grundgesetz als Rahmen fr den Einigungsprozess in den Jahren 1989/90. Schon unter Bundeskanzler Helmut Kohl war Schuble seit dem Jahre 1989 Minister des Innern gewesen und somit in vorderster Front an der Schaffung des Einigungsvertrags beteiligt.

Nach der Begrung des Gastes durch den Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultt Prof. Christian Hillgruber setzte Schuble zu einem gut 50 Minuten langen Vortrag an. In dessen Verlauf setzte er den Zuhrern pointiert die Rolle des Grundgesetzes fr die nun auch schon fast 20 Jahre bestehende Einheit Deutschlands auseinander. Schuble schaffte es geschickt inhaltlich schwerere Kost mit unterhaltsamen Anekdtchen zu verbinden und eine durchaus unterhaltsame Vorstellung abzuliefern. So fiel es auch den berzhlig erschienen Leuten nicht schwer an den Tren des Saals auszuharren und ohne Sicht auf den Referenten selbst, dessen Worten zu folgen.

Natrlich war der Vortrag Schubles, dem Anlass und dem Jubilumsjahr entsprechend, in erster Linie eine Lobeshymne auf das Grundgesetz als Verfassung Deutschlands. Er hob dabei den eigentlich interimistischen Charakter des Grundgesetzes als Glcksfall hervor. Durch die schwierigen Umstnde seiner Entstehung in der Nachkriegszeit war und ist es stets darauf angelegt Halt zu geben in fragilen Situationen und hat Raum gelassen fr geschichtliche Entwicklungen. Trotz dieser Flexibilitt sei es aber immer eine der wenigen Bastionen geblieben, die ber die gesamten 40 Jahre der Teilung Deutschlands am Willen zur Wiedervereinigung festgehalten haben. Denn, so Schuble auch als in den 60er und 70er Jahren Zweifel an der Umsetzbarkeit oder gar Notwendigkeit einer Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschland aufkamen, blieb der Artikel 23 alter Fassung bestehen. Dieser von Schuble hervorgehobene Artikel regelte bis 1990 den mglichen Beitritt anderer Teile Deutschlands zum Grundgesetz.

Der Innenminister war stets ein Vertreter der Wiedervereinigung nach Artikel 23 und ist es auch bis heute geblieben. Die Regelung im Artikel 146, nach dem das gesamte deutsche Volk in freier Entscheidung eine neue Verfassung beschliee, hielt er nie fr praktikabel, oder wie er es in Bonn formulierte: Da wrden wir heut noch dran sitzen. Mit dieser oder hnlichen Aussagen, bei denen er verstrkt in das ihm eigene schwbelnde Idiom verfiel, zog er weite Teile der Anwesenden auf seine Seite und war sich auch nicht zu schade ein eigenes, vielzitierte Bonmot zu wiederholen. Denn im Verlauf des Einigungsprozesses hatte er verlauten lassen, dass es ihm doch wurscht sei, ob die Wiedervereinigung auf nationaler oder europischer Basis stattfindet er htte damals jede genommen die er kriegen konnte.

Mit einigen von ihm mit erarbeiteten Feinheiten der legislativen Wiedervereinigung wrzte Schuble seinen persnlichen berblick der deutschen Einheit und erntete am Ende seiner Ausfhrungen auch anerkennenden Applaus. Auch fr einige Fragen aus dem Publikum stand er noch zur Verfgung. Hierbei waren sich die Veranstalter der umstrittenen Persnlichkeit ihres Gastes durchaus bewusst und so wurde vor Beginn der Diskussion noch einmal darauf hingewiesen doch bitte nur Beitrge zum Thema des Abends leisten. So war auch fr einen letzten kleinen Aufreger in der Ecke der Opposition gesorgt.

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