Beschaulich lebt es sich in Bad Godesberg, einem der vier Stadtbezirke der Bundesstadt Bonn. Viele dicht überwucherte Alleen, altehrwürdige Gründerzeithäuser und eine Einwohnerschaft, die sich zu großen Teilen aus Studienräten und Beamten der Bundesbehörden zusammensetzt. Ja, hier lässt es sich aushalten. So oder so ähnlich dachte wohl auch ein gewisser Thaksin Shinawartra, der am 29. Dezember des letzten Jahres ins Ausländeramt der Stadt Bonn in der Oxfordstraße kam. Sein Anliegen: Eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr.

Da er einen festen Wohnsitz in eben Bad Godesberg sowie einen ganzen Batzen Geld vorweisen konnte, fragten die zuständigen Beamten nicht groß nach. Einen Schmarotzer, der nur die Leistungen des deutschen Sozialsystems kassieren wolle, stellte der in feinem Tuch gekleidete Herr aus Thailand gewiss nicht dar. Noch dazu wurde er bei seinem Gang aufs Amt von einigen wichtigen Persönlichkeiten begleitet. Unter anderem waren dies der ehemalige Chef der Bonner Kriminalpolizei und ein geheimnisvoller Mann, der sich durch die Blume als Angehöriger des BND zu erkennen gab. „Wahnsinn!“, müssen sich die Leute hinter den Schreibtischen gedacht haben, „da sind wir wohl in eine echte James-Bond-Story hineingeraten“. Jedenfalls drückten sie freimütig ihre Stempel auf die benötigten Dokumente und setzten dann ihre Fachsimpeleien über die richtigen Böller für die zwei Tage später stattfindende Sylvesterfeier am Rheinufer fort.

Bei dem feinen Herrn Thaksin allerdings handelte es sich um den ehemaligen Premierminister Thailands. Ein steinreicher Medienmogul, der irgendwann auf die fixe Idee verfiel, nun sein Land anführen zu müssen. Das machte er dann auch für einige Jahre ab 2001 und zog mit einer populistisch und nationalistisch geprägten Politik vor allem die arme Landbevölkerung auf seine Seite (Silvio, ick hör dir trapsen…). Doch im Jahr 2006 war es plötzlich vorbei mit aller Herrlichkeit, denn was viele schon lange vermuteten, wurde Wirklichkeit – der rechtschaffende Nationalist war gar nicht mehr so nationalistisch, wenn es um den eigenen Profit ging. Der Premierminister nutzte sein Amt, um das sowieso schon pralle Familienkonto weiter zu füllen. Die Bevölkerung wendete sich von ihrem Premier ab und im September 2006 putschte ihn das Militär aus dem Amt.

Vom Politstar zum reichsten Flüchtling der Welt.

Thaksin zog sich daraufhin ins englische Exil zurück und vertrieb sich die Zeit mit dem auf der Insel üblichen Oligarchen-Hobby – er kaufte den Fußballclub Manchester City. Zeitgleich wurden der stolz Clubbesitzer und seine Ehefrau allerdings in der Heimat wegen Korruption in diversen Fällen angeklagt, keine gute Voraussetzung um das angekündigte Comeback in der Politik Wirklichkeit werden zu lassen. Auch den Spaß am sportlichen Spielzeug verlor der Ex-Premier durch die Querelen im Heimatland bald und verkaufte es Ende 2008 (gewinnbringend) weiter in die Emirate. Danach verschwand der vorher so offen auftretende Exilant von der Bildfläche und die Gerüchte schossen ins Kraut: Auf verschiedenen Kontinenten und in Schurkenstaaten jeder Couleur wurde er vermutet. Doch nein, er war in Bonn, wer hätte das gedacht?

Die Stadt, die sich so gern ein internationales Flair bescheinigt und in der politischen Publizistik fast nur noch als Brutstätte islamistischer Terroristen stattfindet, hat also ein neues Skandälchen. Im Auswärtigen Amt raufte man sich die Haare als die Affäre ans Licht kam und setzte sofort alle Räder in Bewegung, um dem unliebsamen Einwohner die Aufenthaltsgenehmigung zu entziehen. So war Ende Mai dann wieder Schluss mit kühlem Kölsch in den gemütlichen Biergärten am Rheinufer oder den Besuchen im Schauspielhaus – Thaksin musste Bad Godesberg verlassen. Wo genau er sich inzwischen aufhält ist wieder mal nicht ganz klar, doch er soll einen Diplomatenpass der Regierung Nicaraguas sein eigen nennen.

Somit hat die Stadt Bonn einen wirklich berühmten Einwohner verloren, ohne je wirklich gemerkt zu haben, dass sie ihn hatte – schade eigentlich. Wer weiß was möglich gewesen wäre, hätte er sich dazu entschieden in den Boner SC zu investieren? Dem doch sehr beschaulichen Vorstadt Bad Godesberg jedenfalls, hätte er gar nicht schlecht zu Gesicht gestanden. Wie oft kommt es schon vor, dass man beim Brötchenholen einem gesuchten „Superschurken“ aus Fernost begegnet?

Wer wissen möchte wie Herr Thaksin denn nun aussieht, hier ist er:


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