Ein gefährlich guckender Löwe, wiehernde Zebras, auf dem Baum nebenan reißt ein Jaguar gerade eine Gazelle. Alltag in der afrikanischen Savanne, und mittendrin der amtierende Bundesumweltminister. Im Rahmen der neu gegründeten Reihe „Umweltpolitische Rede“ hatte der Bonner Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber den Minister Sigmar Gabriel in die Savannenlandschaft des Museums Alexander Koenig eingeladen, um zwischen ausgestopften Wildtieren Grundsätzliches über Umweltpolitik darzulegen.

Der ungewöhnliche Ort trägt offensichtlich zur Beliebtheit der Veranstaltung bei. Schon weit vor Veranstaltungsbeginn sind alle Plätze in der Halle des Museums besetzt, hauptsächlich von Rentnern, aber auch Schülern und Studenten. Der Minister verspätet sich um eine Viertelstunde, ist dafür aber umso charmanter, als er, soeben vor das Mikrofon getreten, bemerkt, dass seine Referentin noch seine Rede hat.

Eine Dreiviertelstunde redet Gabriel, und er redet gut. Lange Zeit galt er als Lachnummer, in Niedersachsen wurde er bei der ersten Gelegenheit als Ministerpräsident abgewählt, später schlug er sich SPD-intern als „Popbeauftragter“ durch und lebte von Fototerminen mit Hochkarätern wie den Scorpions. Man weiß nicht ganz genau, wie er im Laufe der Koalitionsverhandlungen 2005 an den Posten des Umweltministers kam und was ihn dafür qualifizierte. Aber, um mal bei einer der völlig abgedroschenen Phrasen zu bleiben: Er hatte keine Chance, und er hat sie genutzt. Er redet frei und überzeugend, er hinterlässt den Eindruck, einen stimmigen und kohärenten Plan zu haben und gleichzeitig das Selbstbewusstsein, diesen offensiv zu verteidigen und auch gegen die in der Politik immer vorhandenen Bedenkenträger durchzusetzen.

Gabriel verteidigt den Atomausstieg, er fordert bessere Wärmedämmung von Privat- wie Regierungsgebäuden und betont die Wichtigkeit des globalisierten Klimaschutzes gerade auch in Zeiten der Wirtschaftskrise – immerhin ist Deutschland im Bereich der Umwelttechnologie weltweit Spitze und fast zwei Millionen Menschen arbeiten hierzulande in dieser Branche.

Er beendet seine Ausführungen etwas früher, um sich noch Fragen der Zuhörer stellen zu können, die er geduldig beantwortet, selbst wenn sie, wie die des ehemaligen Botschafters von Aserbaidschan, absolut nichts mit dem Thema zu tun haben; auf die Frage, ob es wie in der Ukraine auch hier möglich sei, angesichts der Finanzkrise die Abgeordnetendiäten zu halbieren, antwortet Gabriel: „Für ihren Vorschlag gibt es in Deutschland sicher eine Mehrheit, aber meine Stimme bekommen sie nicht. Würden wir so Politik machen, gäbe es sicher mehr Dummköpfe im Bundestag als einige jetzt schon denken.“

Der Bundesumweltminister hat sich an diesem Vorabend sicher viele Freunde gemacht, auch wenn ihm wohl die meisten schon vor der Veranstaltung wohlgesonnen waren. Und die „Umweltpolitische Rede“ des sichtlich stolzen Organisators Ulrich Kelber durfte einen guten Start feiern. Der Erfolg der weiteren Auflagen wird sicher davon abhängen, ob weiterhin so namhafte und überzeugende Redner den Weg zwischen Raubkatzen und Elefanten finden.


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