Es mag am kalten Wetter liegen, an mangelnder Werbung oder aber an der allgemeinen Politikverdrossenheit im deutschen Volk. Der Publikumszuspruch der „Elefantenrunde“ im Vorfeld der Gremienwahlen und der Wahl des 31. Studierendenparlament der Universität Bonn war jedenfalls eher gering. Fast ausschließlich Mitglieder der Hochschulgruppen deren Spitzenvertreter hinter den Mikrofonen postiert waren, fanden sich am Abend des 12. Januar in der Mensa an der Nassestraße ein. Dabei war die Podiumsdiskussion doch als Auftakt für die heiße Phase des Wahlkampfs auf dem Campus der Hochschule gedacht. Bei den Anwesenden musste allerdings kaum Wahlkampf betrieben werden. Allzu offensichtlich war die Grüppchenbildung innerhalb des Auditoriums und der deutliche Zuspruch für Einlassungen der Kandidaten aus den jeweiligen Ecken.

Da sich in diesem Jahr nur sechs Gruppierungen dem Votum stellen und der Vertreter der Re(h)-Partei aus Gesundheitsgründen absagen musste, befanden sich nur die Sprecher des RCDS und der Jusos-HSG sowie von LUST, ULF und Die Linke.SDS auf der Bühne. Moderiert wurde die traditionsreiche Veranstaltung durch Johannes Seiler vom General-Anzeiger Bonn. In einleitenden Worten erklärte er den Ablauf des Abends – zwei Minuten Redezeit für die Kandidaten um das Programm ihrer Partei zusammenzufassen, mit anschließender Themendiskussion unter Publikumsbeteiligung.

Während Hendrick Walter, Spitzenkandidat der Jusos seine zwei Minuten vor allem dazu nutzte, die herrschenden Verhältnisse in und um den Bonner AStA zu verteidigen, äußerten die anderen Sprecher durch die Bank Kritik am Zustand des Studierendenausschusses. Diese fiel teils vehement (RCDS), teils eher zurückhaltend aus. Überraschend für alle Beteiligten war, dass sogar Gregor Weckbecker von der LUST zugab, dass Veränderungen Not täten. Weitere Themen, die in der Vorstellungsrunde angesprochen wurden, waren der Klassiker Studiengebühren, die Resultate des Bologna-Prozesses oder auch die Repressionen, die von allen Seiten auf der Studierendenschaft lasten (speziell vertreten durch Christian Hoffmeister, Die Linke.SDS).

Beherrschendes Thema des Abends sollte aber der Zustand des AStA bleiben, wobei der Vertreter vom Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), Wolfgang Schoop, eindeutig das Heft des Handelns an sich riss. Klar, denn er und seine Parti befinden sich seit Jahren in der SP-Opposition und haben die aktuellen Zustände nicht mit zu verantworten. Die Forderung der konservativen Studierenden nach einem serviceorientierten AStA wiederholte er mehrfach, genau wie sein Mantra von den mangelhaften Leistungen, die Bonner Studierende von einer mit einer Millionen Euro budgetierten Einrichtung momentan erhalten. Unterstützt wurde er hierbei von seinem Nebensitzer Robert Reiche, der die Unabhängige Liste der Fachschaften (ULF) vertrat und seinen Kopf bei jedem Redebeitrag Schoops in eine stetige Nickbewegung versetzte.

Im Gegensatz zu ULF und RCDS, wollen die linksorientierten Hochschulgruppen den AStA nicht als reinen Servicebetrieb verstanden wissen. Mit etwas ungelenken Worten stand Juso-Mann Walter für das politische Sendungsbewusstsein der verfassten Studierendenschaft ein. In diesem Punkt standen ihm auch die beiden Herren von der Linken und der Liste Undogmatischer StudentInnen (LUST) zur Seite. Es war jedoch keiner von ihnen fähig, überzeugend darzustellen, warum mit dem Geld, das dem AStA unbestreitbar zur Verfügung steht, keine überzeugendere Leistung erbracht werden. Eine Tatsache, die vom Fraktionsvorsitzenden des RCDS unter dem Gejohle seiner Anhänger immer und immer wieder vorgebracht wurde.

Bei den meisten anderen Themen des Abends waren sich die Deligierten relativ einig. Lediglich beim leidigen Thema Studiengebühren nimmt der RCDS nach wie vor die Sonderposition ein, da diese von den Christdemokraten nicht rundweg abgelehnt werden. Darüber hinaus sorgte nur noch das NRW-Ticket für einen kleinen Eklat, wobei es nicht um die Sache an sich ging, sondern darum, wer es denn nun im letzten Jahr verbockt habe, dass die Bonner Studierenden wohl noch ein Weilchen darauf warten werden müssen. Eine klare Koalitionsaussage wollte sich fast keiner der Anwesenden abringen lassen. Einzig die Bande zwischen RCDS und ULF scheinen relativ eng geknüpft zu sein und auch der Kuschelkurs, den die beiden Sprecher auf dem Podium fuhren, spricht eine deutliche Sprache.

Alles in allem also wenig neues in diesem Jahr. AStA = ineffizient, Studiengebühren = böse, mehr Mitbestimmung der Studierenden = wünschenswert. Einzig der RCDS-Abgesandte Schoop konnte mit etwas Agitation für Stimmung sorgen, was er aber auch der lautstarken Unterstützung seiner gut gefönten Fans aus dem Zuschauerraum zu verdanken hatte. Der Rest der Redner wirkte, außer in der direkten Konfrontation untereinander, zumeist teilnahmslos. Kein Wunder also, dass nur so wenige aus dem noch zu überzeugenden Wahlvolk anwesend waren. Aber vielleicht haben sie ja zu Hause gebannt der Liveübertragung im Campus Radio gelauscht.


Die Wahlen zum Studierendenparlament und der akademischen Gremien der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität finden vom 19. - 22. Januar statt. Wahlberechtigt ist jeder im Wintersemester 2008/2009 an der Universität eingeschriebene Student.

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