4,75 m. So viel Platz haben Autofahrer, wenn sie über die neu eröffnete Kennedybrücke fahren wollen. Von den ehemals versprochenen zwei Spuren in jede Fahrtrichtung ist wenig geblieben. Ein Überholen ist damit nur mit Können und Willen von Überholer und zu Überholendem möglich. Selbst Berufskraftfahrer raten von solchen Versuchen ab.
Kommentar

Kollektives Kopfschütteln löst das Ergebnis der Bauarbeiten aus. Manchmal möchte man einfach vor die von Skandalen schwer gebeutelte Bonner Stadtverwaltung treten und laut fragen: „Was könnt ihr eigentlich noch?“ Brücke zu schmal, beim WCCB über den Tisch gezogen, das Gelände am Bonner Bogen europaweit ausgeschrieben, den Lokalpolitikern aber verschwiegen.

Der Zuschussgeber habe nur eine überbreite Fahrbahn ohne Markierungen gefördert, so die Stadt. Dass diese Lösung in der Praxis wenig tauglich ist, hebt nicht gerade das Bild der öffentlichen Hand unter den Stadtbürgern. Und es drängen sich zwei Fragen auf: Muss man immer die Lösung nehmen, die am billigsten, wenn auch unpraktischsten ist? Und warum scheint es, als ob die Verwaltung Realitäten solange vertuscht, verschweigt, bis Tatsachen geschaffen sind oder es sich nicht mehr verheimlichen lässt? Ob nun WCCB, das „Missverständnis“ am Bonner Bogen oder jetzt die Kennedybrücke – irgendwann jedenfalls sollte ein Umdenken einsetzen. Oder es gibt politisch eine Quittung.



Nach der Renovierung sind Fußgänger-, Straßenbahn- und Autowege strikt räumlich getrennt. Dies garantiert dem beschienten öffentlichen Nahverkehr in der Theorie freie Fahrt. Auch Rettungswagen können nun schneller die Rheinseiten wechseln. Zwar haben nun Fußgänger und Radfahrer je fünf Meter Platz. Dieser wird aber durch die Träger für die Bahnoberleitungen zusätzlich eingeschränkt. Für Autofahrer bildet die neue Lage aber ein Nadelöhr. Vor der Brücke besteht die zweispurige Ringstraße am Bertha von Suttnerplatz. Nach der Brücke teilt sich die eineinhalbe Fahrspur erneut in eine zweispurige Richtung Siegburg / Autobahn. Damit wird die Kennedybrücke für sie zu einem Nadelöhr. Vor der Renovierung teilten man sich noch mit den Straßenbahnen die Wege.


Die Stadt Bonn urteilt, es gäbe keine Regelung, ein- oder zweispurig zu fahren. Im Übrigen habe der Zuschussgeber nur eine überbreite Fahrbahn ohne Markierungen gefördert. 46 Millionen Euro hat die Sanierung der Brücke gekostet. Auf den vor Baubeginn veröffentlichten Plänen schien eine zweispurige Verkehrsführung noch machbar bzw. angedacht. Jetzt eine Linie einzuzeichnen, sei rechtlich nicht möglich, da es gegen die Vereinbarungen verstoßen würde.

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