Politik Lokal: Klimakonferenz im Bonner Hotel Maritim und das Geschehen darum herum.

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Über ein Jahrzehnt ist es nun her, dass die meisten Staaten der Erde der UN-Rahmenkonvention zum Klimawandel (UNFCCC) beitraten. Eine Reduzierung der globalen Erwärmung und gemeinsame Maßnahmen gegen die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels waren das Ziel. Das viel zitierte Kyoto-Protokoll ist ein Zusatzabkommen zur Konvention in dem erstmals völkerrechtlich verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen festgelegt wurden. Diese Zielwerte gelten allerdings nur noch für zwei Jahre.
Und genau darum geht es augenblicklich in Bonn. Direkt am Rheinufer, in klimatisierten Räumlichkeiten wird getagt. Ob im Saal Beethoven, Haydn oder Schumann, überall im Hotel Maritim beraten und feilschen Klimaexperten aus 182 Staaten und schmieden Pläne zur Rettung des Planeten. Die einen wollen es möglichst schnell schaffen, die anderen möchten sich lieber etwas Zeit lassen. Was aber alle wollen: verhindern, dass die heimische Wirtschaft Schaden davon trägt. Schwierige Voraussetzungen für die Formulierung eines gemeinsamen Ziels.
Dieser Umstand wurde den Staatenlenkern im letzten Jahr mit aller Härte vor Augen geführt. Der Klimagipfel von Kopenhagen – trotz persönlicher Machtwörter von Merkel, Obama und Konsorten – scheiterte. Wiedermal wurde deutlich, dass noch mehr und immer mehr Gesprächsbedarf besteht. Um ein nochmaliges Scheitern der Gespräche Ende 2010 zu verhindern – diesmal trifft man sich in Mexiko – wurde eine Zwischenkonferenz im Rheinland eingeschoben.
Vom 31. Mai bis zum 11. Juni haben die mit der UNFCCC befassten Komitees und Sub-Komitees Zeit Vorlegen zu erarbeiten, die die Staatschefs dann nur noch abnicken müssen. Und so treten die „Contact group on Annex I Parties‘ emission reductions“ oder die „Contact group on legal matters” zusammen. Daneben gibt es Meetings der verschiedensten Beobachter: Vertretungen von Landwirtschaftsorganisationen, der Industrie, von Gewerkschaften und auch Frauenrechtsgruppen besprechen die Fortschritte der Konferenz und die Wirkungen für ihre Lobbygruppe.
Von all dem bekommt der durchschnittliche Bonner eher wenig mit. Dass wieder etwas Wichtiges vorgeht in ihrer „UN- und Kongressstadt“, dürfte vielen Bürgern in den letzten Tagen klar geworden sein. Denn in den Straßen der Stadt waren vielfach Klimaaktivisten unterwegs. Mit einer „Fahrraddemo“ am Donnerstag oder einer großen Kundgebung vieler verschiedener Gruppierungen am Samstag machten sie auf ihre Anliegen aufmerksam. Das Ende des Handels mit Emissionen, die Abschaltung der Atomkraftwerke und die Umstellung auf erneuerbare Energien.
Von selbst gebastelten Großpuppen angeführt und lautstark trommelnd zogen sie durch die Bonner Innenstadt. Der Verkehr wurde durch die knapp tausend Teilnehmer der samstäglichen Demonstration zeitweise lahmgelegt, besonders Bahnen und Busse kamen am Nachmittag kaum irgendwo durch. Später am Tag wurde gar noch eine Tankstelle an der Kölnstraße besetzt und auch dem aktuellsten aller Umweltthemen Rechnung getragen: „Total = Aral = Shell = BP - Bohrlöcher zumachen!“ steht auf dem entrollten Transparent. Die Polizei, in solchen Fällen meist schnell mit dem Befahl zum Räumen ausgestattet, hielt sich an diesem Tag zurück. Ein leitender Beamter ließ sich mit dem Satz „Man kann ja nicht bestreiten, dass diese Menschen inhaltlich Recht haben“ zitieren.
Bleibt zu hoffen, dass die Demonstranten auch im Inneren des Hotels Maritim gehört wurden und eine anspornende Wirkung entfalten.