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Aufhören, wenn’s am schönsten ist – keine einfache Sache. Als Gerhard Schröder 2005 seine Amtszeit als Bundeskanzler beendete, geschah dies zwar nach sinkenden Umfragewerten durch eine vorzeitige Abwahl; die Umstände hierfür hatte er jedoch selber forciert, und dementsprechend wünschte er sich für seine Abschiedszeremonie eine Darbietung von Frank Sinatras „My Way“ – vielleicht wollte der „Medienkanzler“ noch schnell selbst sein letztes mediales Bild prägen. Medienkanzler war sein Amtsvorgänger nicht, dafür aber der „Ewige Kanzler“: Mit 16 Jahren an der Spitze der Regierung und vier kompletten Amtszeiten (von 1982 bis 1998) hält Helmut Kohl einen Rekord unter den bisherigen Bundeskanzlern der Bundesrepublik Deutschland. Und im Nachhinein betrachtet findet man ganz leicht diesen Punkt, an dem’s am schönsten war: Schließlich trägt Helmut Kohl nicht umsonst den Ehrentitel „Kanzler der Einheit“. Nach Bemühungen hinsichtlich des „Europas ohne Schlagbäume“ und der Vorbereitung der Euro-Währungsreform fiel dem sechsten deutschen Regierungschef die Wiedervereinigung von Ost- und West-Deutschland fast über Nacht in den Schoß. Das wichtige Ziel, das nach der Teilung des Landes in BRD und DDR formuliert worden war, war plötzlich erreicht, und ein Platz in den Geschichtsbüchern endgültig gesichert. Nach der Einheit fing die richtige Arbeit jedoch erst an, und das Projekt „Aufbau Ost“ verlief bei weitem nicht so glatt, wie Kohl es vorhergesagt hatte. „Blühende Landschaften“, so die viel zitierte Vision, stellten sich innerhalb der nächsten Jahre nicht ein. Natürlich wäre es ein noch viel schönerer Eintrag in die Geschichtsbücher geworden, wenn es zum Happy End der Trennungsphase auch noch das Happy End der Wiedervereinigung gegeben hätte. So musste Helmut Kohl jedoch auf eine fünfte Amtszeit verzichten und den „Aufbau Ost“ in die Hände seiner Nachfolger legen. Im Anschluss konzentrierte sich der mediale Fokus schließlich auf das Schlagwort „Schwarzgeldaffäre“. Vom Oldie zum Klassiker Hatte das Land eventuell genug vom „Ewigen Kanzler“? Tatsächlich wurde die mediale Figur Kohls noch in den Achtzigern geprägt und hat sich nach dem Höhepunkt der Wiedervereinigung kaum verändert. Schon früh schuf Hans Traxler im Satire-Magazin „Titanic“ Kohls Karikatur als Birne, und auch wenn der Kanzler für solche Späße zunächst gar nicht zu haben war, übernahm die CDU das Bild noch vor der Wende für ihre eigenen Kampagnen. Auch der pfälzische Akzent wurde zum unverwechselbaren Merkmal einer politischen Ära. Vielleicht liegt der anschließende Erfolg des Konzepts „Medienkanzler“ darin begründet, dass die Medien einen neuen Kanzler wollten – einen, der auf sie zu ging, mit ihnen spielte und vor allem eine neue Show bot. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint es dann aber auch völlig plausibel, dass Helmut Kohl zum 80. Geburtstag wieder große Aufmerksamkeit auf sich zieht. Nicht nur, dass die Deutsche Einheit gerade erst durch eine runde Jubel-Zahl zum Medienereignis geworden war und die Protagonisten wieder frisch im Gedächtnis sind – genau wie die Song-Auswahl eines Format-Radios beruft der politische Boulevard sich auf „die Hits der 80er, 90er und das Beste von heute“. Was aber keineswegs Helmut Kohls Leistung schmälern soll, sich den Platz im Pantheon der Geschichtsmacher gesichert zu haben. Für alle, die sich nicht mehr so gut erinnern: Eine Auswahl bewegter Bilder.
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