Kommentar: Ministerpräsident Rüttgers und die Vermarktung seiner Person.

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Verona mit dem „Blubb“, der Telefonauskunft und Shampoo. Thommy mit den frohmachenden Gelatineprodukten und dem Weltmarktführer im Zustellen von Briefen und Paketen. Es gibt Leute, die können (oder konnten) einfach alles verkaufen. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers scheint einer von ihnen zu sein. Wie sonst ist es erklärbar, dass es Firmen gibt, die sich ein Gespräch mit ihm, oder seine Stippvisite am Messestand vier- bis fünfstellige Beträge kosten lassen?
Sponsoring in der Politik ist wahrlich keine Neuerung. Schon seit Jahren sind diverse „Premiumpartner“ auf den Parteitagen der großen Parteien vertreten. Sie stellen in der Lobby ihre Stände auf und werben um die Mitgliederschaft, die hier ihr Pausencanapé oder die Erbsensuppe verzehren. Dass die Partei aber ein paar Extra-Scheinchen dafür bekommt, dass Star der Veranstaltung, in Nordrhein-Westfalen also der Herr Ministerpräsident , sich persönlich mit den Sponsoren unterhält, das ist neu.
Er scheint wohl tatsächlich eine ganz besondere Ausstrahlung zu haben, der Herr Rüttgers. Schon im Wahlkampf zur Landtagswahl 2005 sollen verschiedene Auftritte dazu genutzt worden sein, persönliche Begegnungen mit ihm zu versilbern. Diese Zweitvermarktung muss recht ertragreich gewesen sein, denn auch nachdem die Wahl gewonnen war, setzte die CDU die Geschäftspraxis fort. Nun konnte man ja sogar einen Landesvater aufbieten. Rüttgers bestreitet je etwas von diesen Deals gewusst zu haben, die Schuld nimmt Henrik Wüst, der Generalsekretär der Landes-CDU auf sich und gibt seinen Posten ab.
Doch ob der Ministerpräsident von dieser offenbar seit Jahren praktizierten Methode der „Spendensammlung“ tatsächlich nie etwas wusste, darf bezweifelt werden. „Vordemokratische, feudalistische Sitten“ (Lobby Control) werden ihm vorgeworfen, Vorwürfe der illegalen Parteifinanzierung werden laut. Alles nicht so erwünscht, wenn der Wahlkampf langsam in die heiße Phase geht.
Seinen Namen hat sich Rüttgers als der Mann der kleinen Leute in der CDU gemacht. Ein Kämpfer für die Arbeiter und deren Interessen. Wie er ihnen nun bis zum Wahltag am 9. Mai glaubhaft vermitteln will, dass er nicht käuflich ist oder den Sponsoren hörig, wird eine der spannendsten Fragen der kommenden Wochen. Der Ministerpräsident ist also innerhalb weniger Tage zur „Werbeikone“ geworden, muss diesen Stempel aber ganz schnell wieder los werden. Denn hat man den endgültig aufgedrückt bekommen, ist es schwer, noch andere Jobs zu kriegen.
Autor: Christian Vey / Foto: Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen/Ralph Sondermann. / 23.02.2010 | Artikel drucken |