Zumindest in den Köpfen vieler Berliner.

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Berlin - in kaum einer Stadt ist die zeitgenössische Geschichte präsenter als in unserer Hauptstadt. Vor genau 20 Jahren fiel die Mauer. Nun, zumindest stehen die Steine nicht mehr, in den Köpfen der Menschen scheint sie jedoch noch immer zu existieren.
Besuch im Check Point Charlie Museum. Erschütternd wie die Menschen in möglichen und unmöglichen Positionen versucht haben den Osten zu verlassen. Auch am Mauermuseum, der Gedenkwand entlang der noch stehenden Reste, von Ungläubigkeit über Entsetzen ist alles an Gefühlen dabei, nur eins fehlt: Sehnsucht, diese Situation wieder herzustellen.
Wie konnte aus der großen Emotion und Freude, aus Verbundenheitsgefühl und Mitleid eine solche Ignoranz entstehen? Julia, 22 gebürtige Ostberlinerin: „Als die Wessis kamen war für uns kein Platz mehr, unsere Wohnungen wurden so teuer, dass wir ausziehen mussten. Meine Mutter, die direkt nach meiner Geburt wieder arbeiten gegangen war, wurde schief angeguckt. Ob ich mich vernachlässigt gefühlt hätte, wurde ich gefragt. Meine Antwort darauf lautete schlicht: Bei uns war das nun einmal so“. Thorsten, 27 aus Westberlin sagte mir direkt, dass er zwar in Ostberlin arbeiten würde, aber keinesfalls von „drüben“ sei. Die Unterscheidung sei ihm schon enorm wichtig.
Filmmuseum. Als bedeutendste Nachricht wird in einem elf-minütigen Bericht die Ansprache von Helmut Kohl zum Fall der Mauer gezeigt, danach Impressionen von Menschen die Ungläubig und taumelnd vor Glück die Grenzen überqueren. Grenzposten, die sich auf Leitern stehend über die Mauer die Hände reichen. Ich bin berührt, bei der alten Frau neben mir fließen gar die Tränen. Wir sehen uns an, ein gemeinsamer Moment des Berührtseins über die neue Einheit, Tränen der Rührung.- Denkste! Die Frau schnäuzt sich dreht sich zu ihrem Mann um und sagt: „Hans, warum mussten sie das Ding nur abreißen, was war es schön ohne die von drüben“.
Anscheinend waren Osten und Westen nicht ein geteiltes Deutschland, sondern zwei verschiedene Länder, denen eine gewisse Einigkeit bis heute nicht gelingen will. Vor meiner Abreise nach Berlin hatte ich mich noch mit meiner Freundin darüber unterhalten, dass wir mit unseren 25 Lenzen den Großteil des ganzen Ossi-Wessi Gehabes verpasst haben. Bei uns im Norden wurden keine Ossi- sondern höchstens Ostfriesen-Witze erzählt. Der Kommentar eines Arbeitskollegen dazu war ein trockenes „Mach dir nichts draus, du kommst ja auch aus dem Norden, da gibt es ja kein Ost und West“ - Erdkunde, setzen 6!