Am 28.Mai 2008 wurde in Dublin der Sperrvertrag gegen die Nutzung von Streubomben unterzeichnet. Ein erfreuliches Ereignis ohne ernsthafte Folgen, da die Hauptproduzenten und Nutzer dieser menschenverachtenden Waffen ihre Unterschrift verweigerten.

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Der 12. Juni 2008 ist ein Tag wie jeder andere im krisengeschüttelten Libanon. Regierungstreue und Oppositionelle bekämpfen sich auf den Straßen und im Parlament, Syriens Präsident Assad kommentiert das Geschehen, der Besuch eines Vertreters der arabischen Liga wird angekündigt und die Welt diskutiert über Israels vermeintliches Gesprächsangebot. An einem solchen Tag wie jedem starb, unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, ein libanesischer Bauer auf seinem Feld. Getötet durch eine liegengebliebene Streubombe abgeworfen durch die Israelis, in der letzten ihrer zahlreichen Invasionen.
Schätzungsweise 4.000.000 Streubomben warfen die Flieger der sogenannten „Israel Defense Force“ im Jahr 2006 ab. Rund 1.500.000 davon detonierten nicht und liegen nun als hoch explosive Blindgänger in den fruchtbaren Tälern Südlibanons. Dass 30 Prozent der über 100 kleinen Bomben, die mit jedem Kanister abgeworfen werden, nicht detonieren ist allgemein bekannt. Bekannt ist auch, dass diese kleinen Bomben über Jahre hinweg ganze Landstriche in Mienenfelder verwandeln, da sie bei der kleinsten Berührung explodieren können. Die Hauptopfer dieser Bomben sind Zivilisten, in der Nachkriegszeit vor allem Kinder und Bauern. Erstere halten die kleinen Metallobjekte für Spielzeug, Letztere fallen ihnen bei ihrer täglichen Arbeit zum Opfer. Nicht selten sind die handtellergroßen Bomben mit einer Schlaufe an ihrem Ende versehen, um ihren Streuradius zu vergrößern, wodurch sie jedoch auch leicht in Bäumen und Sträuchern hängen bleiben und so eine tödliche Gefahr für die Landbevölkerung darstellen.
All dies ist bekannt. Und dennoch verweigerten die folgenden Staaten die Unterzeichnung des Streubomben-Sperrvertrags in Dublin: die Vereinigten Staaten, Russland, China, Israel, Indien und Pakistan.All dies sind Länder, welche sich überwiegend in asymmetrischen Kriegen befinden. Diese Kriege werden nicht gegen Armeen geführt, bei denen es gilt stehende Heere und Panzerbattalione zu vernichten, sondern gegen kleine mobile Einheiten, die sich im ganzen Land bewegen.
Besonders anschaulich war dies im Juli-Krieg 2006 zwischen Israel und der Hisbollah, bei dem von vorneherein bekannt war, dass sich die Hisbollah keiner offenen Auseinandersetzung mit einer der modernsten und schlagkräftigsten Armeen der Welt stellen können und deshalb das tun würden, was technisch und zahlenmäßig unterlegene Truppen immer tun: Guerrillakampf. Aus diesem Grund kam das Argument, dass Streubomben zum Schutz der eigenen Truppen unerlässlich seien, einer Legitimation der Kollektivbestrafung der libanesischen Bevölkerung gleich.
Streubomben treffen nicht nur Militante, sondern auch unbeteiligte Frauen, Männer und Kinder. Die Opferzahlen spiegeln genau diese Tatsache wieder: Unter den 1141 Getöteten befanden sich nur circa ein Drittel Hisbollahkämpfer, der Anteil der verletzten Militanten unter den 4409 Verletzten ist nicht bekannt. Sicher ist hingegen, dass sich nur wenige unter den knapp 1.000.000 Flüchtlingen befunden haben, von denen ca. 200.000 bis heute nicht in ihre Heimat zurück gekehrt sind, aus Angst, oder weil ihre Häuser bei den großflächigen Angriffen zerstört wurden. Seit dem Kriegsende 2006 erlitten weitere 269 Libanesen schwere Verwundungen oder starben durch die Explosion von liegengebliebenen Streubomben. Heute kam ein weiteres Opfer hinzu!
Sowohl das Internationale Komitee des Roten Kreuzes, als auch Amnesty International haben Israel mehrmals wegen des Gebrauchs von Streubomben über bewohntem Gebiet angeprangert. Diese Anschuldigungen haben zu einer Untersuchung seitens der Vereinten Nationen geführt, welche die Anschuldigungen bestätigten. Erst nach Bekanntwerden der Untersuchungsergebnisse nahm die israelische Regierung ihre Unschuldsbeteuerungen zurück und gab den Völkerrechtsbruch zu, berief sich jedoch auf juristische Spitzfindigkeiten. Diese Handlungsweise ist ein Hohn für die Bevölkerung des Libanons, welche blutiges Zeugnis für die Taten ablegt.
Aus diesem Grund muss Europa und auch Israels engster Verbündeter USA sein Verhältnis zum offensiven Verhalten der Israelis überdenken. Denn das krasse Missverhältnis zwischen notwendiger und legitimer Selbstverteidigung gegen militante Vereinigungen und einer Politik, der jedes Mittel recht ist, ist nur allzu offensichtlich.
Autor: Raphael Thelen, Foto: bedheaded (www.flickr.com) / 16.06.2008 | Artikel drucken |