Freitagabend, 19Uhr. Der Podiumssaal der "Nasse-Mensa" ist kaum gefüllt. Auf einer langen Tischbank stehen zehn Mikrofone, hinter denen die acht Kandidaten der einzelnen Hochschulgruppen sitzen – zusammen mit zwei Moderatoren. Das Thema ist klar: es geht um die Wahlen zum Studierenden-Parlament (SP) 2006. Von links außen bis nach rechts – es ist ein lustiges Farbenspiel: Gelb und Schwarz, Dunkelrot und weniger Dunkelrot, Rosa und Hellgrün. Besonders hervorstechende Farbtupfer sind die "Weiße-Westen-Träger" der Fachschaften und die braun-karrierten Vertreter der "Tintenfischherrenrasse". Jeder darf mal was sagen, auch ohne sich zu melden.

Die Runde gleicht eher einem schlechten Theaterspiel, als einem mäßigen Kanzlerduell. Das Ganze kommt mir bekannt vor. Wo habe ich das schon einmal gesehen? Ach ja, mir fällt es wieder ein: Im Kindergarten! Diese sollen übrigens für den RCDS als gutes Beispiel im Umgang mit den Studiengebühren dienen.

Studiengebühren, Uni-Card, Veruntreuung von AStA-Geldern, das allgemeinpolitische Mandat – all das steht im Raum. Doch mühen sich die acht Studenten eher damit ab, die ganze Bandbreite des ideologischen Alphabets, als ihre sogenannten Programme zu verpacken, so dass keine wirklich neuen Vorstöße erkennbar sind. "Studiengebühren sind unsozial; wir sind dagegen!", das wussten die Bonner Studierenden auch schon vor einem Jahr und daher ist es kaum verwunderlich, dass die Wahlbeteiligung seit Ewigkeiten die 20 Prozentmarke nicht mehr durchbrochen hat.

Zur allgemeinen Erheiterung führte nur die Hochschulgruppe der Tintenfischherrenrasse bei, die sich selber natürlich nicht als Spaßpartei sieht: "Wir sind für die Schließung der Mensen, für Studiengebühren und für uni-weite Schnapsautomaten."

Aber es wurde auch debattiert; so sah sich der AStA-Vorsitzende Thomas Möws in die Enge getrieben, als es um die drastisch gesunken finanziellen Rücklagen des AStA ging. Gelder-Veruntreuung und Misswirtschaft waren die Vorwürfe. Hier hatte der AStA versagt. Klärungsbedarf besteht immer noch. Eine Uni-Card soll auch endlich eingeführt werden; so, wie das schon unlängst an anderen Hochschulen der Fall ist. Eine einzelne Karte für Mensa, Kopiergeräte und Studentenausweis. Eine sinnvolle Idee, zu der jedoch der Vertreter der weniger dunkelroten Hochschulgruppe sein Bedenken äußert – wegen des Datenschutzes. Es könnte ja der Tischnachbar herausfinden, wie viele Pommes Frites ich vorgestern gegessen habe. Womöglich forscht dann auch bald der Dozent, ob all seine Vorlagen gewissenhaft kopiert wurden.

Man kann nur hoffen, dass dieses SP niemals ein allgemein-politisches Mandat erhält. Sonst würde noch weniger getan und mehr Zeit darauf verschwendet werden, sich wie die großen Vorbilder im Deutschen Bundestag aufzublähen und über Iran, Guantanamo oder EU-Haushalt zu diskutieren.

Einziger Lichtblick war die Vertreterin der Unabhängigen Hochschulgruppe, die für die Fachschaften der Universität Bonn eintritt. Nur sie war um studentische Probleme bemüht und schien die Lage begriffen zu haben: Es geht nur um den Studierenden und die Uni! Denn schließlich soll mich im SP und AStA jemand von der Uni für die Uni vertreten. Wer könnte das besser tun, als die Fachschaften selbst, wo doch dort der Mangel herrscht. Da kann politisches Interesse und Couleur einfach nichts bewirken. Ziel ist die Verbesserung der Uni. Dort müssen sich alle Studenten zusammenschließen. Das gilt es zu verbessern!

Zwar würden sich die Geister dann immer noch an der Frage der Studiengebühren scheiden. Doch gibt es wenigstens nur Ja oder Nein. Zwei Interessenvertreter würden da schon reichen, um alle 30.000 Bonner Studenten zu vertreten. Die SP-Sitzungen könnten kleiner, weniger elefantös und effektiver gestaltet werden.

Bis das aber begriffen wird, klimpern auf den kommenden SP-Sitzungen weiterhin die Bierflaschen.
Kein Wunder, dass kein Studi mehr wählen geht. Wozu auch? Wer glaubt denn schon daran, dass dieses SP noch etwas anderes als Partys bewirken kann.

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