Kaum ist der Verteidigungsminister abgetreten, schon geistert ein neues Gespenst durch die Medienlandschaft: Der unheimliche Schatten, den eine mögliche Wiederkehr des „Barons“ bereits jetzt wirft. Die einen fürchten und die anderen wünschen, dass die Abgabe des Ministeramts nur ein vorübergehender Abschied gewesen sein könnte. Und dass wir zu Guttenberg in ein paar Jahren wieder auf einem anderen Posten in der Politik begrüßen werden. Wie einen randalierenden Party-Gast, den man gerade aus der Vordertür herauskomplimentiert hat. Und der, wenn man zu seinen Partygästen zurückkehrt, bereits wieder fröhlich rauchend unter diesen weilt. Diesmal durch die Hintertür gekommen.

Nach der Rücktritt-Debatte folgt nun also die Rückkehr-Debatte. Und die Frage: Darf der Mann das? Ich finde: Ja, er darf. Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Ich war von Anfang an Teil der „Pro-Rücktritt-Fraktion“. Seit ich meine Magisterarbeit im letzten Semester geschrieben habe, weiß ich, dass die Sache mit den Fußnoten nicht nur eine mühevolle, sondern vor allem eine nervenaufreibende und beschissene Kleinstarbeit ist. Genau genommen sind die Fußnoten der Grund, warum für mich das Anstreben einer wissenschaftlichen Karriere definitiv nicht in Frage kommt. Fußnoten sind – und das kann man mögen oder hassen - die Essenz einer wissenschaftlichen Arbeit und das, was sie beispielsweise vom journalistischen Arbeiten unterscheidet. Die Plagiatsvorwürfe sind also mitnichten eine Bagatelle und zu Guttenbergs Rücktritt war erstens verspätet und zweitens richtig.

Trotzdem finde ich, dass es keinen Grund gibt, aufgrund dessen Herrn zu Guttenberg eine Rückkehr in die Politik verboten werden könnte oder sollte. Wir leben in einer demokratischen Gesellschaft und diese folgt einer einfachen Regel: Das Volk entscheidet. Und sollte Herr zu Guttenberg in einigen Jahren auf die Idee kommen, gerne Ministerpräsident von Bayern, Europaabgeordneter oder Bundeskanzler werden zu wollen, dann sollen die Wähler darüber entscheiden, ob auch sie das wollen oder nicht. Bei der Wahl hat jeder Einzelne die Möglichkeit zu entscheiden, ob er sich von jemandem regieren lassen möchte, der in seiner Vergangenheit viele Menschen aus egoistischen Motiven getäuscht hat.

Und sollte Frau Merkel oder ein anderer künftiger Kanzler zu Guttenberg in Zukunft für welches Amt auch immer in Erwägung ziehen, so muss sie oder er sich eben überlegen, wie das bei der Mehrheit der Bürger ankommt. Und ob seine Ernennung dementsprechend im Hinblick auf das eigene Ansehen eine gute Idee ist oder nicht. Kurzum: Zu Guttenberg soll gerne einen zweiten Anlauf in der Politik versuchen. Meine Unterstützung und Stimme wird er dabei jedoch mit Sicherheit nicht bekommen.

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