Kommentar: Warum die Abschaffung der Wehrpflicht zum Eigentor wird

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Da ist sie nun: Die Berufsarmee. Statt Wehrpflicht, statt „Dienst am Volke“, ist die neue Armee auf dem Weg zum gewöhnlichen Arbeitgeber. Blieben viele früher nach dem Wehrdienst bei der Bundeswehr, weil ihnen die Kameradschaft und der „Haufen“ zusagten, so ist dieser Nachwuchsstrom nun verschlossen.
Stattdessen setzt sie sich dem Wettbewerb um Humanressourcen aus. Denn um die klügsten und bestausgebildetsten Köpfe müssen nun gewonnen werden. Das geht zum einen über Geld: IT-Techniker müssten beim Bund genauso viel bekommen wie in der freien Wirtschaft, sonst bleiben sie weg. Oder aber muss die Bundeswehr intensiv für sich werben. Dazu muss sie attraktiver werden, Perspektiven aufzeigen. Sie muss junge Menschen nach der Schule anwerben, sie ausbilden und nach den 12 Jahren weitervermitteln. Daran hapert es derzeit, und eine Umstrukturierung in diesem Sinne scheint noch nicht einmal geplant.
Europäische Ausländer anzuwerben, eine Fremdenlegion aufstellen zu wollen, zeigt wie verzweifelt die Armee ist – bevor auch die Reform nur einen Meter umgesetzt wurde. Und es zeigt, welch hohes Gut die Wehrpflicht doch war. Trotz ihrer Nutzlosigkeit im derzeitigen politischen Klima hat sie jungen Menschen einen Einblick gewährt: dass man auch bei der Bundeswehr arbeiten kann, und das ein Leben lang.
Autor: Sebastian Eckert / Bild: Leopard 2A5 (gemeinfrei) / 15.02.2011 | Artikel drucken |