|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
In weniger als 90 Tagen beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Viel Geld fließt in neue Stadien und die Infrastruktur des Landes. Dennoch profitieren die Menschen dort kaum von der WM. Das zeigte ein Vortrag mit dem Titel „Fußball WM 2010 in Südafrika – Wer profitiert?“ von der Bonner Hochschulgruppe Weitblick in Zusammenarbeit mit der Koordinationsstelle Südliches Afrika e.V am Freitagabend im Haus der Evangelischen Studierendengemeinde. „Wir müssen die Fifa herausfordern. Wir müssen Gesetzte brechen“, fordert Eddie Cottle am Ende seines Vortrags. Der Südafrikaner ist Koordinator der Kampagne Fair Games - Fair Play, die sich für die Bauarbeiter einsetzt, die an der notwendige Infrastruktur für die Weltmeisterschaft bauen. Also: Stadien, Flughäfen, Straßen. Denn von den laut Cottle rund drei Milliarden Euro, die die Regierung in die Infrastruktur investiert hat, haben die Arbeiter nicht viel. „70 Prozent von ihnen verdienen weniger als 250 Euro im Monat“, sagt Cottle. Das sei auch für südafrikanische Verhältnisse nicht genug zum Leben. Unterdessen machten die Baufirmen Riesengewinne. Cottle zufolge ist es für die Arbeiter aber schwer, sich gegen die schlechte Bezahlung zu wehren. Es gab bislang 26 landesweite Streiks, auch mit konkreten Ergebnissen, wie eine Lohnerhöhung um 12 Prozent und zwei Freikarten für ein WM-Spiel für jeden Arbeiter. „Die Arbeiter bekommen aber immer nur Dreimonatsverträge“, so Cottle, deswegen sei es für die Arbeitgeber einfach unliebsame und streikende Mitarbeiter loszuwerden. Eine Intervention bei der Fifa habe die Bedingungen zwar verbessert, aber mit dem Beginn der WM haben die rund eine Millionen südafrikanischen und ausländischen Arbeiter, die für den Bau der Stadien eingestellt wurden, ein ganz anderes Problem: die Fußballtempel sind fertig, ihre Arbeitskraft ist jetzt überflüssig und sie werden arbeitslos. Eddie Cottle hat auch keine Hoffnung, dass lokale Händler von den erwarteten Sport-Touristen profitieren werden. Als Gründe nannte er, dass durch die WM die normalen Touristen wegbleiben, und viele Besucher Essen und Fanartikel vor allem bei lizenzierten Partnern des Fußball-Weltverbands Fifa kaufen würden. Das sind hauptsächlich internationale Unternehmen wie McDonald’s und Coca Cola. Fifa schließt Straßenverkäufer aus Dieser Kritik schließt sich Nkosinathi Paul Jikeka von der Organisation street net an. Er setzt sich für die Belange von Straßenverkäufern ein. Der Straßenverkauf ist seinen Aussagen zufolge ein wichtiger Berufszweig in Südafrika. Vor allem sozial schwache schwarze Frauen, die Großfamilien ernähren müssen, hätten sich mit dem Verkauf von Essen, Getränken und auch Fanartikeln eine Grundlage geschaffen, um der Arbeitslosigkeit zu entfliehen. Bisher sei es üblich gewesen, dass Straßenverkäufer ihre Waren in und ums Fußballstadion verkaufen konnten. Das habe sich nun geändert. „Während der WM gibt es exclusion zones, in denen die Straßenverkäufer nichts verkaufen dürfen“, so Nkosinathi Paul Jikeka. Dazu zählten die Stadien mitsamt Außenbereich sowie Fanmeilen. „Die großen internationalen Unternehmen werden von der Fifa bevorzugt. Aber so gibt es keinen Einblick in die südafrikanische Kultur“. Statt des traditionell südafrikanischen Essens der Straßenverkäufer gebe es in den Stadien Essen und Fanartikel von offiziellen Fifa-Partnern. Nkosinathi Paul Jikeka zufolge bedeutet das für die Straßenverkäufer massive einbußen, zumal sie neuerdings von der Polizei belästigt und ihre Waren konfisziert würden. Von den erwarteten Touristen werden sie also kaum profitieren. Der Südafrikaner wies in seinem Vortrag auch auf die Probleme seines Landes hin. „Die Arbeitslosenquote liegt bei 40 Prozent, Medikamente für HIV-Kranke fehlen oder sind zu teuer, und die Schulen sind schlecht ausgestattet“. Die Folgen der Apartheid seien überall spürbar. „Die Regierung will aus Südafrika ein Erste-Welt-Land-Lookalike machen, aber wir sind ein Dritte-Welt-Land“. Dabei gebe es genügend Ressourcen, sie würden nur ungerecht verteilt. Ihm wäre es, ebenso wie Eddie Cottle, wesentlich lieber gewesen, wenn Südafrika nicht eine Milliarden Euro in eine WM gesteckt hätte, sondern das Geld in Maßnahmen für Straßenverkäufer, in die Bildung und in Medikamente investiert hätte. Einig sind sich die beiden Vortragenden aber auch darin, dass die WM in Südafrika ein großartiges Sportereignis sein wird. Eddie Cottle betont, dass die Fußballtouristen nichts von der Kriminalität und der Armut mitbekommen würden. Und Nkosinathi Paul Jikeka verspricht: „Ihr Deutschen könnt besser Fußball spielen, aber wir haben viel mehr Begeisterung dafür“.
|