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Die Gelegenheit der gemeinsamen Kabinettsitzung der Landesregierungen Nordrhein-Westfalens und Bayerns in Essen nutzte der Kölner Stadtanzeiger, um zwei politische Schwergewichte auf einen Streich nach Köln zu locken. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und sein Amtskollege Horst Seehofer aus dem Freistaat trafen im studio DuMont auf die Wählerschaft. „Leser fragen – Politiker antworten“ ist Motto des Tages und so sollten die beiden Landesfürsten mit dem kölschen Publikum über Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik diskutieren. Kontroverses zum Einstieg Doch zur Begrüßung mussten sich beide mit ihren jeweils aktuellen Skandalen beschäftigen. Die „Rent-a-Rüttgers“-Debatte sollte wohl schnell vom Tisch und so war es Moderator und KSTA-Chefredakteur Peter Pauls [?], der Rüttgers mit dem Thema konfrontierte. Die Unlust, sich wiederholt mit dem Thema der Sponsoringpraxis seiner Landespartei auseinandersetzen zu müssen, war ihm anzumerken. Es folgten dennoch exakte Ausführungen über den Vorgang der Vermietung von Werbestandplätzen auf Parteitagen. Was, wie Rüttgers anmerkte, „übrigens ja auch die Grünen“ täten. Obwohl ja nichts vorgefallen sei, was strafrechtlich relevant wäre, sah er doch die Notwendigkeit, sich abermals in aller Deutlichkeit vom Verhalten verschiedener Mitarbeiter zu distanzieren. Hier griff erstmals auch der „Sidekick“ aus der Münchner Staatskanzlei ein. Auf die Frage, ob ihm ähnliches passieren könnte, antwortete er mit einem lapidaren „Ja“. Als sich das Rumoren im Publikum ob dieser ehrlichen Antwort gelegt hatte, begann aber auch Seehofer zu relativieren. Denn wie „beim Jürgen“ ging es auch in seinem Fall ja nicht um eigene Fehler, sondern um den Vertrauensbruch eines engen Mitarbeiters: Kurz zuvor hatte er seinen Büroleiter feuern müssen, als bekannt wurde, dass dieser unbefugt in Computer eingedrungen war. Steuern, Kopfpauschale, kölscher Klüngel So hatten beide Ministerpräsidenten die Gelegenheit bekommen, vor den anwesenden Kölnern ihre Hände in Unschuld zu waschen und man konnte die Sachthemen angehen. Da man die meinungsfreudigen Regenten der beiden größten Bundesländer zu Gast hatte, war die Bandbreite der Themen sehr breit. Von lokalen Themen, wie dem Pfusch beim U-Bahn-Bau und dem nächtlichen Fluglärm in Köln, über die Bildungspolitik (Rüttgers) hin zur Kopfpauschale (Seehofer) und der Möglichkeit von Steuererleichterungen (beide). Während es Rüttgers zu Beginn vorzog konkrete Fragen mit ausschweifenden Vorträgen zu kontern, ohne eine Antwort zu geben, traute sich Seehofer, so fernab der Heimat, etwas direktere Worte zu. Er erntete einige Lacher, als er, angesprochen auf die Berliner Koalitionsstreitigkeiten, versicherte, dass er auch in Zukunft seine Standpunkte vertreten werde – auch und besonders „gegenüber meinem Freund Guido“. Nach und nach zog der CSU-Vorsitzende seinen zaudernden Duz-Freund mit und beim Thema der Finanzmarktregulierung agierten beide endlich auf einer Höhe. Rüttgers und Seehofer übertrafen sich gegenseitig im Abfeuern populistischer Buzzwords: „Fairness, Anstand, Verantwortung“ oder „keine Wertschöpfung ohne Wertschätzung“. Kombiniert mit der „Wir-haben-es-doch-immer-schon-gesagt“-Attitüde der Landeväter sorgten sie für viel Zustimmung im Publikum. Der Höhepunkt ist erreicht, als der NRW-Ministerpräsident in großer Erregung feststellt, dass es ja wohl nicht angehe, dass die Steuerzahler im Saal „für die Fehler der Spekulanten aufkommen und die schon wieder neue Boni ausrechnen“. Wo bitte geht es hier zum Allgemeinplatz?! Schiedlich friedlich Nachdem auf diese Weise ein Draht zum Publikum hergestellt war, konnten beide relativ ungestört von Unmutsbekundungen aus dem Publikum weitermachen und sich noch etwas mehr aus der Deckung wagen. Hatte Rüttgers anfänglich versucht eine Berliner Einigung, dass nun das Tempo der Entscheidungen erhöht werden müsse, als Erfolg zu verkaufen, machte er gegen Ende der Veranstaltung deutlich wie wütend er sei, dass allerorten behauptet werde, die Bundesregierung verschleppe Entscheidungen bis nach der Landtagswahl im Mai – auch auf seinen Wunsch hin. Das Gegenteil sei der Fall, denn Stillstand schade dem Land, und so habe er in Berlin mehrfach klargestellt: „Hört doch auf alles nach NRW zu schieben.“ So ging eine Veranstaltung, die viel Potential zur Kontroverse geboten hätte, relativ friedlich zu Ende. Das zum größten Teil aus Senioren bestehende Publikum war befriedigt. Der Gast aus Bayern durfte einige Sympathiepunkte verbuchen und der gebürtige Kölner Rüttgers erwehrte sich bei seinem Heimspiel souverän souverän aller Angriffe. Er entete dann auch kaum noch Widerspruch, als er endgültig in den Wahlkampf überleitete und feststellte, dass die letzten fünf Jahre doch super gewesen seien.
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