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Die ganze Welt schaut auf Kopenhagen, denn dort treffen sich die Vertreter von 193 Staaten, um über ein neues Klimaabkommen zu beraten. Es geht darum, den Hebel umzulegen, die Menschheit auf gemeinsames Handeln einzuschwören und den Klimawandel einzudämmen. Es wird eine Herkulesaufgabe, denn es gilt zum Teil sehr gegensätzliche Interessen zu vereinbaren. Als belastend wirken sich auch die Spannungen zwischen den etablierten Industrieländern und den Schwellenländern, wie z.B. Brasilien aus. Viele Fragen beschäftigen nicht nur die Experten und Politiker: Welche Ziele sollen wir formulieren? Wie wird sich Barack Obama einbringen? Wie wird sich China verhalten? Die Uhr tickt erbarmungslos. campus-web sprach mit dem Bonner Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber, SPD, über seine Einschätzungen zum Thema. Herr Kelber, wie hoch schätzen sie die Chance ein, dass es in Kopenhagen zu einem verbindlichen Klimaabkommen kommen wird? Es wird nicht zu einem Abkommen kommen, definitiv nicht. Die Zeit reicht nicht mehr aus, all die Details, die ein Abkommen braucht, zu klären. Die Frage ist, kommt es zu einem verbindlichen Übereinkommen, d.h. wie viel wollen wir uns beteiligen und in welcher Form? Was muss berücksichtigt werden an möglichen CO² Senkungen? Da gibt es Chancen, dass das noch zustande kommt, das sind die wichtigsten Sachen. Die müssen dann innerhalb des nächsten halben Jahres in einen Vertrag übersetzt werden. Könnten Sie konkret sagen, was die wichtigsten Punkte sind, die Ihrer Meinung nach in diesem Vertrag stehen müssen? Die Gesamtmenge von CO², die noch emittiert werden kann, um z.B. das Ziel zu erreichen, nicht mehr als zwei Grad Erderwärmung zuzulassen. Wie viel Co² kann insgesamt noch emittiert werden, in welchem Zeitraum und durch wen, um dafür zu sorgen, dass die Erwärmung nicht zu stark wird. Wir haben dieses internationale Ziel, das ist sicherlich sehr ambitioniert, aber wir sollten versuchen sehr nah an diese zwei Grad zu kommen. Das ist der Dreh- und Angelpunkt. Für wie realistisch halten Sie es, dass man das überhaupt einhalten kann? Also die zwei Grad sind natürlich willkürlich gegriffen, wir verstehen nicht alle Teilaspekte von dem, was im Weltklima abläuft. Wann es für welche Ökosysteme welche Auswirkungen hat. Aber wenn wir über die zwei Grad Erwärmung kommen, wissen wir, dass es Kipppunkte geben wird. Technisch ist es machbar. Bezahlbar ist es auch. Leider reicht beides nicht aus, aus reiner Rationalität, weil nach wie vor Lobbyisten im Spiel sind, die ihr Geld mit denen verdienen, die das Klima schädigen. Deutschland hat das Kyoto-Protokoll gut umgesetzt. Die geforderten Prozentzahlen wurden erreicht. Wie beurteilen Sie die Rolle der Bundeskanzlerin Merkel auf der Klimakonferenz? Deutschland ist bisher ein glaubwürdiger Partner. Daran haben alle politischen Strömungen ihren Anteil. Wir haben einen höheren Konsens als in anderen Ländern. Auch Merkel in ihrer Zeit als Umweltministerin und Kanzlerin hat dazu wichtige Beiträge geliefert. Ein bisschen Sorgen machen mir im Augenblick, die Dinge, die vor der Kopenhagener Konferenz gelaufen sind. Etwas langfristiger zum Beispiel die Position Merkels zum Thema Auto und Ausnahmen für Industrie. Das ist in den Schwellenländern bemerkt worden, das haben die sich gemerkt. Dann Herr Niebel mit seiner Aussage, die technische Zusammenarbeit mit China und Indien zu beenden. Wir sagen also vor der Kopenhagener Konferenz wir beenden die technische Zusammenarbeit auch im Bereich Klimaschutz. Das ist ein ganz gefährliches Signal. Hier gehts weiter zum zweiten Teil.
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