|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
Am Rande der BIMUN „Green Conference“ sprach campus-web mit dem Schirmherrn der Bonner UN-Simulation. cw: Herr Prof. Weizsäcker, Sie sind Träger des deutschen Umweltpreises, gelten als einer der renommiertesten Klimaforscher in der Welt, beschäftigen sich seit vielen Jahren mit nachhaltiger Entwicklung. Warum engagieren Sie sich für den Klimaschutz?“ Prof Weizsäcker: Ich finde es wichtig. Es ist für die Generation meiner Enkel wichtig, ich finde es wissenschaftlich faszinierend, ich treffe die richtigen Leute dabei. Gab es für Sie ein einschneidendes persönliches Erlebnis, ein Schlüsselerlebnis, dass Sie gesagt haben, jetzt richte ich mich danach aus, jetzt gehe ich direkt in Richtung Klimaforschung? Ich bin ja Klimaforscher gewesen. Aber als mir der damalige Ministerpräsident Johannes Rau anbot, ein neues Institut in Wuppertal zu gründen, mit dem Titel „Umwelt, Klima, Energie“ habe ich ja gesagt. Sie sind nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Politiker und saßen im Bundestag. Haben Sie für sich einen Weg gefunden die Dinge so zu verändern, wie sie das gerne hätten? Haben Sie wirklich Dinge bewegt? In zwei Legislaturperioden kann man nicht wirklich bewegen. Wenn ich das gewollt hätte, hätte ich Politiker als Beruf wählen müssen und hätte viel, viel früher anfangen müssen; ich war beinahe 60, als ich in den Bundestag kam. Trotzdem habe ich sehr viel gelernt und kann heute über die internationale und nationale Politik mit sehr viel mehr Erfahrung sprechen. Das nützt mir heute auch als Leiter des „International Panel for Sustainability Resource Management“, welches von Achim Steiner von der UNO- Umweltorganisation eingerichtet worden ist. Ich bin da der Leiter und da ist es sehr wichtig, politische Erfahrung zu haben.“ Und was motiviert Sie jeden Tag? Es gibt ja auch Rückschläge; was ist es, das Sie vielleicht auch von innen her motiviert, sich so stark für die Umwelt einzusetzen? Ich bedarf keiner spezifischen Motivation. Ich freue mich immer, wenn ich morgens aufstehe, dass es wichtiges zu tun gibt. Aber genauso gerne spiele ich mit Enkeln und erfreue mich am Leben. Sie haben ja auch für die UN gearbeitet. Glauben Sie, dass die UN die Chance hat, die Welt ein bisschen zu verbessern? Oder ist es eher so, dass sich die Vereinten Nationen vielleicht überlebt haben? Vielleicht hat sie der Name „Vereinten Nationen“ ein Stück weit überlebt. Die sind ja begründet worden zu einer Zeit, als wirklich die Nationen das Zentrum des Geschehens waren. Das ist heute überhaupt nicht mehr der Fall. Heute sind die Nationen zur Seite gedrängt worden von den internationalen Märkten. Heute brauchen wir eine Art von Weltregieren, nicht unbedingt eine Weltregierung. Ob das immer über die Nationen laufen muss oder über übernationale Institutionen wie die EU oder so etwas wie Greenpeace oder Amnesty International - NGO’s, die trotzdem international organisiert sind -, das ist eine andere Frage. Ob die Vereinten Nationen oder das Weltregieren von New York oder Genf aus oder woher auch immer, das wird immer wichtiger, um die öffentlichen Anliegen, denen die Staaten verpflichtet sind, gegenüber der Privatwirtschaft durchzusetzen. Dazu brauchen sie auch Muskeln. Sie sind Schirmherr der diesjährigen BIMUN/SINUB Konferenz. Warum haben Sie zugesagt, was bedeutet das für sie? Ich identifiziere mich voll mit der Mission der Verneinten Nationen und finde es großartig, dass von der Universität Bonn aus - jetzt von diesem UNO-Standort Bonn - diese BIMUN Konferenzen jedes Jahr veranstaltet werden. Dass man sich in früher Lebenszeit mit diesen Fragen beschäftigt, indem man es simuliert. Indem man sich in die Rolle eines Generalsekretärs, eines Abteilungsleiters, eines Nationenvertreters usw. hineinversetzt. Indem man das alles macht, lernt mal wahrscheinlich viel mehr, als wenn man nur Bücher liest. Ist das Ihre erste Erfahrung mit einer Simulationskonferenz hier oder waren Sie schon auf anderen? Ich war schon auf verschiedenen Simulationskonferenzen. Ich habe auch schon selber gelegentlich simulieren dürfen und habe jemand anderen gespielt. Das ist immer sehr interessant, man lernt sehr viel dabei. Die diesjährige Konferenz steht unter dem Leitthema „Green Solutions, Inspiring Global Government“ Was verbinden Sie damit? Achim Steiner hat in seinem Videogrußwort sehr deutlich von der „Green Economy Initiative“ gesprochen. Das heißt, wenn die Welt noch einmal aus der Wirtschaftsflaute in eine Wirtschaftsblüte hineingehen will, dann muss es eine grüne Blüte sein. Denn für ein totales Expandieren von Bergwerken oder vom Roden der Wälder usw. ist überhaupt kein Platz. Es muss sehr viel effizienter und eleganter werden. Das nennt man heute Grün. Zum Thema Grün: Der Klimagipfel in Kopenhagen steht vor der Tür. Glauben Sie an einen Erfolg? Immerhin haben die USA überraschender Weise doch noch eingelenkt und sind zu Zugeständnisse bereit. Ja, natürlich. Der Klimagipfel ist dringend nötig. Er wird mit einem sehr unbefriedigenden Ergebnis enden; das ist jetzt schon klar. Man muss die großen Entwicklungsländer mit aufs Boot kriegen. Die Europäer gehen erfreulich voran; die Amerikaner machen ein Stück weit mit, auch Australien und Japaner machen auch mit. Man wird lernen müssen, dass man noch viel sehr viel weiter gehen muss. Erstens sich in der Hilfe an die Entwicklungsländer an den Klimawandel anzupassen. Zweitens darin, neue Technologien zu entwickeln, die sehr viel weniger CO2 produzieren. Drittens die politischen Strukturen einzurichten, dass das, was technisch möglich ist, auch profitabel wird. Und wie bewerten Sie die deutsche Klimapolitik? Frau Merkel reist einerseits in die Arktis, auf der anderen Seite verteidigt sie die Autolobby und hält an der Atomkraft fest. Politik muss in der Demokratie zumindest immer mit Kompromissen arbeiten, gar keine Frage. Ich unterstelle Frau Dr. Merkel, dass sie weiterhin sehr an einem guten Klimaschutz interessiert ist – ich unterstelle es auch dem Umweltminister Röttgen. Trotzdem: Jedes Land muss auch dafür sorgen, dass es Arbeitsplätze behält oder weiterentwickeln kann. Deswegen sage ich: Die eigentliche Aufgabe wird sein, Beschäftigung, Wohlstand mit Klima- und Umweltschutz zusammenzubringen. Das ist der Hauptgesichtspunkt, unter dem ich das Buch „Faktor 5 geschrieben habe.
|