Das Jahr neigt sich dem Ende zu und da wird es Zeit, zurückzublicken. Während Fernsehshows und Printmedien dem großen "Gesamtpaket" aus Gesellschaft, Politik, Medien und dem bunten Treiben der Promis widmen, konzentriert sich einer auf das, was wirklich zählt: Die Politik. Im Superwahljahr, das von Frau Merkel bereits als ein Jahr voller Entbehrungen angekündigt wurde, war wieder einiges los und so holte Kabarettist Urban Priol vergangenen Donnerstag in der Bonner Beethovenhalle zu seinem alljährlichen Rundumschlag gegen Kanzlerin & Co. aus.

Die Bahn macht noch immer dieselben Fehler, lächelt aber dabei. Frau Merkel macht noch immer nichts, lächelt auch und hat einen neuen Partner: Guido Westerwelle. Die selbsternannte "Fackel der Freiheit", die Priol sich auch brennend vorstellen könnte. Aber so stellt sich der Deutsche eben die Revolution vor, erst die FDP wählen, und dann wills keiner gewesen sein. Nicht nur die neue Spitzenriege hat in diesem Jahr für Schlagzeilen gesorgt. Deutschlands beliebtester Politiker bietet reichlich Angriffsfläche für die kabarettistischen Seitenhiebe Priols, der beim Gedanken an Guttenberg – den Mann mit den vielen Vornamen, die Priol alle auswendig gelernt hat – zu einer Runde Hopsasa über die Bühne inspiriert.

Banken – Bildung – Opel. So könnte man die Themen des Jahres kurz und knapp zusammenfassen. Priol wundert sich gut drei Stunden lang über das Verhalten der Deutschen in der Krise und wie viel aufsehen Ulla Schmidt samt Dienstwagen erregen konnte. Als wäre nichts Schlimmeres passiert. Soll man das nun besonnen oder bescheuert finden?

Urban Priol hat seine Hausaufgaben wieder bestens gemacht und demonstriert beeindruckend umfangreiche Kenntnisse der deutschen Politiklandschaft, die er mit ironischen Spitzen und beinahe irrwitzigen Zukunftsvisionen garniert und dabei die Fingerchen immer schön in offene Wunden hält. Ob Untergang der SPD oder die Traumhochzeit von Merkel und Westerwelle, die mittlerweile doch eher was von Zwangsehe hat, Priol ahnt nicht Gutes. Was soll man schon erwarten bei einer Regierung, die aus längst "tot geglaubten der Kohl-Ära" und Lederschlips tragenden Jungpolitikern besteht, die wie ein "Comeback der Yuppies aus den 80ern" aussehen?

So bleibt es wenigstens spannend und auch 2010 wird wohl wieder ein Jahr, dass das Herz des Kabarettisten höher schlagen lässt und so für reichlich Spaß und Unterhaltung beim Publikum sorgt.

Urban Priol ist diese Woche in mehreren Städten mit seinem Jahresrückblick zu sehen. Alle Termine gibt es hier.

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