In einer Zeit in der sich ein großer Teil des sozialen Lebens ins Internet verlagert hat, kommen die Parteien nicht umhin, Internetplattformen zu benutzen, um auf Wählerfang zu gehen. Hervorragend verwenden lassen sich dafür die webbasierten sozialen Netzwerke, in denen sich Massen an jungen potenziellen Wählern tummeln. Allerdings sind diese Massen in der Regel nicht primär an Ideologien interessiert, sondern an schick gestalteten Profilen. Und da es ja eigentlich gar nicht so schwer ist ein Profil einzurichten, hat sich „Die Linke“ im „studiVZ“ immatrikuliert und kündigt sich auf ihrem Avatar mit „Hier ist die Linke“ an.

In der Profilbeschreibung wartet die Partei mit wohl bekannten Ideen wie dem Mindestlohn und der Millionärssteuer auf. Falls sich jemand inhaltlich mit diesen Vorschlägen auseinander setzen möchte, kann er das. Denn das Wahlprogramm ist auf dem Profil verlinkt. Auch für eher praktisch veranlagte Menschen gibt es eine Verlinkung. Sie führt den User zu einer Registrierungsmöglichkeit als Wahlkampfhelfer oder Wahlkampfhelferin. Allerdings ist es schwer vorstellbar, dass über dieses Profil Horden an Hilfskräften geködert werden können. Denn die Seite der Linken finden an der Uni Bonn gerade mal 50 "studiVZ" User gut. In ganz Deutschland sind es 9849. Und das obwohl sich "Die Linke" im Jahr 2008 über einen sechs-prozentigen Zuwachs an neuen Mitgliedern freuen konnte.

Die Vermutung liegt nahe, dass dies an der aktuellen Tendenz vieler Deutscher Nutzer von virtuellen Netzwerken liegt, dem „studiVZ“ den Rücken zu kehren und sich im „Facebook“ anzumelden. Aber auch hier lässt sich nicht wirklich von Massen sprechen, die "Die Linke" durch ihr Profil mobilisiert hat. Es sind nur 1028 "Facebook" Nutzer als „Fans“ der Partei angezeigt.

Kein Wunder, denn im Verglich zur Seite im „studiVZ“ hat man sich hier nur sehr wenig Mühe mit der Profilgestaltung gemacht. Ein knapper Satz zur Geschichte der Linken, zwei Sätze zu ihrem Selbstverständnis, ein Fotoalbum mit Wahlkampfmaterial und ein Link zur Homepage. Mehr findet sich hier nicht an Selbstdarstellung. Menschen die an konkreten Inhalten interessiert sind, suchen vergebens.

Und das obwohl es der Linken sicherlich nicht schaden würde, dauerhaft auf möglichst vielen Internetplattformen mit fundierten Informationen über ihre Anliegen präsent zu sein. Nicht nur um Wahlkampfhelfer und Wahlkampfhelferinnen zu mobilisieren, sondern auch um die jungen Menschen überhaupt für die Partei und ihre Anliegen zu interessieren. Denn der Zuwachs an Mitgliedern im letzten Jahr ging nicht von den jungen Menschen aus. Nach wie vor ist es eher die Generation der über sechzig Jährigen, die mit 54 Prozent die stärkste Altersgruppe in der Partei bildet.

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