Der WWF tritt bei der UN-Klimaschutzkonferenz gegen das Artensterben ein. An einen Erfolg der Konferenz glaubt man jedoch nicht mehr.

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Was macht wohl der Hund, des Menschen bester Freund und viel geliebtes Haustier, wenn er tagsüber von einem Postboten belästigt wird? Dieser Postbote erdreistet sich ungefragt und ungebeten in das Revier unseres Hundes einzudringen. Als wäre dem nicht schon genug, der Eindringling hinterlässt auch noch seine Spuren. Aber es wäre nicht unser Hund, würde er nicht gekonnt die Zähne fletschen, ein böses Knurren ertönen lassen und den Störenfried mit einem lauten Bellen in die Flucht schlagen. Schon hat man sich des Eindringlings entledigt und Friede ist im Revier eingekehrt.
Eine gute Taktik. Leider können sich auf diese Weise nicht alle Lebewesen unserer Erde helfen. Schon gar nicht auf der UN-Naturschutzkonferenz, die seit dem 19. Mai in Bonn stattfindet. Daher hat es sich der WWF auch dort zur Aufgabe gemacht, für die Interessen der bedrohten Tiere zu sprechen. Immerhin gehen die Eingriffe des Menschen in die Lebensräume der Tierwelt inzwischen weit über ein bloßes Austragen von Briefen hinaus. Schon lange können sich Tierarten wie Tiger, Luchs oder Fischotter nicht mehr selber vor den Menschen schützen, geschweige denn sie aus ihren Lebensräumen vertreiben.
Der WWF verfolgt als eines seiner obersten Ziele, die biologische Vielfalt der Erde zu bewahren. Daher ist die Organisation während der UN-Klimaschutzkonferenz mit einem besonders großen Team vor Ort: Sie stellen Experten für verschiedene Arbeitsrunden, zeigen aber auch mit einem Pavillon und zahlreichen Mitarbeitern Präsenz. Ihr Hauptaugenmerk liegt während der zweiwöchigen Konferenz auf den Delegierten, die Entscheidungen treffen sollen, um das Artensterben bis 2010 einzudämmen. Im Vorfeld hatte das WWF daher den „Living Planet Index 2008“ veröffentlicht, aus dem der Rückgang der Artenvielfalt in den vergangenen Jahren hervorgeht. Die Zahlen sind alarmierend: Von 1970 bis 2005 ist die Vielfalt unseres Planeten um 27 Prozent gesunken. Obwohl dieser Index eindeutig hervorhebt, dass inzwischen eine Atempause beim Artensterben eingesetzt hat, sieht das WWF das Ziel der UN-Klimaschutzkonferenz, den Rückgang der biologischen Vielfalt bis 2010 zu bremsen, als durchaus gefährdet.
Der WWF-Experte für internationale Biodiversitätspolitik Jörg Roos spricht sogar von einem möglichen „Rückschritt im Vergleich zu früheren Gipfeltreffen“. „Die Konferenz tritt auf der Stelle. So zum Beispiel beim Thema Ausweitung von Schutzgebieten“, kritisiert er. Das Engagement der teilnehmenden Staaten und konkrete finanzielle Zusagen seien bis dato mangelhaft. Seine letzte Hoffnung auf eine Kehrtwende im Verlauf der Konferenz setzt Roos daher in das Eintreffen des Minister-Segments, die am vergangenen Mittwoch nach Bonn kamen. Ein klares Signal der Kanzlerin, die bereits 40 Millionen Euro für Schutzgebiete in ärmeren Ländern zugesagt hatte, könnte weitere Staaten dazu bewegen, dem Beispiel zu folgen.
Bislang blieb dieses Signal aber aus. Am letzten Konferenztag spricht Astrid Wenger-Deilmann, Pressebeauftragte des WWF, von einer Konferenz, die auf der Kippe steht. „Uns läuft die Zeit davon. Und anstatt auf der Stelle zu stehen, sollten wir die Beine in die Hand nehmen.“ Nachdem einige wenige Erfolge in den vergangenen Tagen erzielt werden konnten, zeigt sich jetzt laut Astrid Deilmann, dass entscheidende Themen wie die Finanzierung von Schutzgebieten und der Umgang mit illegalem Holzeinschlag ungeklärt blieben. Immerhin beschlossen die Delegierten erstmals klare Kriterien zur Ausweisung von Schutzgebieten auf Hoher See, und 62 Staaten unterstützen eine neue WWF-Initiative, um die Zerstörung der Wälder bis 2020 zu stoppen. Dennoch ist das große Ziel allem Anschein nach weit entfernt. Zwar laufen die Verhandlungen noch die ganze Nacht und erst dann lässt sich ein endgültiges Urteil abgeben, aber schon jetzt rechnet das WWF mit einem enttäuschenden Ausgang der Konferenz.
Autor: Anchalee Rueland / Foto: © WWF / Christoph Kniel / 30.05.2008 | Artikel drucken |