Rund 240 Aussteller informieren während der zweiwöchigen UN-Klimaschutzkonferenz in Bonn zum Thema "biologische Vielfalt".

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Was 1993 noch als europäische Zeichentrickserie unter dem Namen „Als die Tiere den Wald verließen“ im Fernsehen lief, ist heute traurige Wahrheit geworden. Nicht nur die Tiere aus dem Thalerwald müssen auf Grund von Naturvernichtung durch den Menschen ihren Lebensraum verlassen. Zum heutigen Zeitpunkt sind bereits 45 Prozent der Wälder der Erde verschwunden und mit ihnen erleidet die biologische Vielfalt drastische Verluste. 11.104 Pflanzen und 28.262 Tierarten sind bestandsgefährdet und in ihrer heutigen Erscheinungsform in einigen Jahren bis Jahrzehnten so wohlmöglich nicht mehr auf der Erde anzutreffen.
Am diesem Artensterben langfristig entgegen zu wirken behandelt die 9. UN-Klimaschutzkonferenz, die seit vergangenem Montag für zwei Wochen in Bonn stattfindet, den Verlust biologischer Vielfalt als eines der entscheidenden Themen dieses Zusammentreffens. Zielsetzung ist es erstens einen Fortschritt beim Zugang zu genetischen Ressourcen und dem gerechten Vorteilsausgleich (ABS-Regime) zu erreichen und sich zweitens auf eine bessere Finanzierung des globalen Schutzes der biologischen Vielfalt zu einigen. Nachdem bereits 4000 Delegierte bei der letzten Konferenz im Jahr 2006 in Brasilien teilnahmen, wurden in Bonn circa 6000 Teilnehmer erwartet. Darunter nicht nur Regierungsdelegationen, sondern auch Naturschutz-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen.
Wie Umweltminister Sigmar Gabriel betonte, reicht bloßes Engagement in der Politik jedoch nicht aus. Vielmehr bedarf es vor allem der Unterstützung aus der Bevölkerung. Daher informieren rund um die Klimaschutzkonferenz zahlreiche Umwelt- und Naturschutzverbände, Ministerien und Firmen auf der „Plaza der Vielfalt“ Besucher und Delegierte über die Möglichkeiten umweltverantwortlichen Handelns. „Es besteht ein hohes Interesse bei den Menschen. Noch nie war die Bevölkerung so aufgeklärt“, berichtet Marcel Gluschak, Mitarbeiter der Öffentlichkeitsabteilung des WWF, begeistert.
Eine riesige Zeltstadt erstreckt sich über den gesamten Robert-Schuman-Platz bis hin zum Maritim-Hotel. Der Menschenfluss, der sich über dieses Gelände schiebt, ist ein kunterbuntes Durcheinander Angehöriger unterschiedlichster Nationen. Passend zu dieser Vielfalt an Menschen ist auch die Vielfalt im Naturreich auf der Plaza verewigt. Ein riesiger, bunter Bilderteppich, gemalt von Bonner Schülern, schmückt vor dem Zelt der Bundesrepublik Deutschland den Boden. Er zeigt zahlreiche Pflanzen und Tiere die noch auf unserer Erde heimisch sind. Eine Tatsache, die sich bei zunehmender Klimaerwärmung und Artensterben in naher Zukunft ändern könnte.
Neben einem vielseitigen Informationsprogramm sind es besonders die unerwarteten und kreativen Ideen der Aussteller, die überzeugen und mitunter zum Schmunzeln anregen. So bietet Volkswagen die Möglichkeit, sich vor einer großen Fotowand ablichten und das Bild anschließend als Postkarte verschicken zu lassen. Dort steht man dann inmitten der Tiere und Lebensräume aus aller Welt, die von dem Unternehmen unterstützt werden. „Es ist schwierig, unser Anliegen zu kommunizieren, nämlich, dass Volkswagen als industrielles Unternehmen an seinen Standorten Schutz- und Renaturierungsprojekte fördert“, erklärt Armgard Jaenecke, eine Mitarbeiterin des Volkswagen Pavillons. Wie die meisten Aussteller ist man aber auch hier sehr zufrieden mit dem Verlauf der ersten Konferenzwoche. Während die Konferenzbesucher das Ausstellungsgelände und seine Informationsveranstaltungen regelmäßig besuchen, ist der Andrang aus der Bevölkerung jedoch noch eher gering. Dabei laden Ausstellungen zum Anfassen, Schmink- und Bastelaktionen sowie Gewinnspiele auch die jungen Besucher ein, sich näher mit dem Thema auseinander zu setzen.
Für die nächste Woche werden Minister aller vertretener Nationen erwartet, die ab Mittwoch nicht nur Entscheidungen sondern einen Durchbruch bringen sollen. Der Druck auf einen Erfolg dieser Konferenz ist besonders groß, da es sich um die letzte Konferenz vor 2010 handelt und bis dahin erste Entscheidungen umgesetzt werden sollen.
„Die Konferenz hat das Potential, die Atempause beim Artensterben langfristig zu gewährleisten“, erklärt Marcel Gluschak. Eine Prognose, die Hoffnung verspricht und die Eingriffe des Menschen in die Umwelt in Zukunft vielleicht verringert. Noch ist alles offen.