Eines stand bereits zu Beginn fest: Die schwarz-rote Regierungskoalition in Berlin werde die vollen vier Jahre durchhalten. Wie das Team um Caja Thimm vom Institut für Kommunikationswissenschaft zu diesem Schluss gekommen war, blieb indes offen. Das eigentliche Untersuchungsobjekt war das Bild der heutigen Bundeskanzlerin in den Medien. Acht Studierende führten dazu im Rahmen eines Seminars Onlinebefragungen und Straßeninterviews unter Bonnern durch. Die Beobachtung einiger Tageszeitungen bildete der zweite Schwerpunkt des Projektes, das noch nicht abgeschlossen ist. Überwiegend wurden dabei Aufmacher des Berliner Blattes taz analysiert.

Der moderne Wahlkampf verfüge über vier Kennzeichen: Personalisierung, Medialisierung, Professionalisierung und Skandalisierung, so Professorin Thimm. Dabei spiele das sogenannte Negative Campaigning, die Verstärkung unterschwellig bereits vorhandener Zweifel an einer Person oder Partei, eine gewichtige Rolle. Dies wurde insbesondere anhand der Beurteilung des äußeren Erscheinungsbildes Angela Merkels deutlich.

Die Medienwissenschaftler beobachteten die Metamorphose Merkels von "Kohls Mädchen" mit "Prinz Eisenherz-Frisur" zur Kanzlerkandidatin mit gewinnendem Lächeln und neuem Outfit. Die im Straßeninterview befragten Personen bescheinigten der CDU-Vorsitzenden dennoch mehrheitlich geringe Attraktivität und Sympathie. Dagegen konnte sie in Sachen Tatkraft und Kompetenz punkten.

Die Kinderlosigkeit Merkels habe diese außerdem mit der Inszenierung des Verhältnisses zu ihrer Mutter auszugleichen versucht. Ausgesprochen selten habe ihr Ehemann, Chemieprofessor Joachim Sauer, im Rampenlicht gestanden. Ausnahme bildeten gemeinsame Opernbesuche in Bayreuth.

Auffällig laut Thimm war auch, dass das Frausein der Spitzenpolitikerin in den Augen männlicher Befragter keine Rolle spielte, weibliche Befragte aber darin durchaus einen Angriffspunkt für ihre Konkurrenten zu sehen glaubten.

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