Sie schaffte es zum zweiten Mal auf Platz fnf der Grnen Landesliste fr NRW. So wird Katja Drner aller Wahrscheinlichkeit nach ab September eine zweite Amtsperiode im Bundestag antreten. Campus-web-Redakteur Ansgar Skoda traf die 37-jhrige ehemalige Magisterstudentin der Uni Bonn in ihrem Bonner Wahlkreisbro. Mit der Politikerin spricht er unter anderem ber ihr ungewhnliches Wahlkampfplakat, die Mglichkeit einer Koalition mit den Linken, Vorwrfe politischer Gegner und Krzungen bei Frderprogrammen fr Akademiker.

campus-web: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, im Wahlkampf ein so ungewhnliches Wahlplakat einzusetzen, auf dem eine ganze Menschenansammlung comichaft skizziert wird?

Katja Drner: Ein Kopfplakat mit meinem Gesicht und einem Slogan wre mir zu langweilig gewesen, denn das machen immer alle. Das Plakat sollte auffallen und die Leute sollen darber auch durchaus kritisch reden und darber stolpern. Ich bekomme viel positives und auch durchaus negatives Feedback zu dem Plakat. Mir war wichtig, dass ich mit diesem Plakat eine Botschaft transportiere, die lautet klar, ich bin die Kandidatin, deshalb stehe ich auch im Vordergrund mit der Fahne, aber Politik wird nicht von einer Person gemacht. Ich bin nicht die Einzelkmpferin in Berlin, sondern ich vertrete die Grnen aus Bonn. Ich vertrete die Bonnerinnen und Bonner in Berlin. Deshalb habe ich zum einen meine grnen KollegInnen aus dem Stadtrat, aus dem Kreisvorstand, Funktionstrger bei den Grnen und auch bei der grnen Jugend gefragt, ob sie mit abgebildet werden wollen. Unser Landtagsabgeordneter Rolf Beu und Eike Block, der im Landesvorstand ist, sind auf dem Plakat mit drauf. Es sind auch ganz viele Grnen-Mitglieder abgebildet, die keine Funktion haben, sondern die es einfach mal cool fanden, auch auf dem Wahlplakat zu sein. Es ging mir darum, das grne Team in Bonn darzustellen.

Aber diese Personen sind kaum erkennbar. Und dann gibt es da ja noch eine Katze und einen Barcode?


Die Katze ist auch einfach ein bisschen witzig und ironisch gemeint. Es gab die Kritik, dass das Ganze ein bisschen marxistisch-leninistisch aussehe Diese Vorstellung wollten wir auch mit einem Augenzwinkern bedienen. Wir haben gewisse knstlerische Verfremdungseffekte mit darauf genommen und dazu gehrt die Katze. Dazu gehren auch die Strahlen im Hintergrund, die keine klassisch sozialistischen Strahlen sind, sondern unsere Sonnenblume, wenn man nher darauf guckt. Der Barcode fhrt auf meine Homepage, wenn Leute sich eingehender informieren wollen gibt es dort auch einen Film zum Plakat. Also insgesamt ist es ein knstlerisches Plakat geworden mit sehr viel coolen Details. Ich glaube, es hat unserem Kreisverband Spa gemacht, dieses Plakat zu entwerfen. Ansonsten sollte man Plakate auch nicht so berbewerten.

Geklebt wird auf Ihre Wahlplakate mitunter der Aufkleber Die Grnen Hartz VI-Einfhrung, Zustimmung zum Kosovo-Einsatz der NATO, Liberalisierung der Finanzmrkte (Hedge-Fonds) u.a. Ich lass mich doch nicht verarschen! Was sagen Sie dazu?

Man freut sich nie, wenn Plakate durch Aufkleber, Inschriften und hnliches optisch nicht unbedingt verbessert werden. Mit inhaltlicher Kritik muss man sich natrlich auseinandersetzen. Gerade im Bereich der Finanzmarktregulierung haben die Grnen in der zweiten grnen Legislaturperiode auch Fehler gemacht und an bestimmten Stellen die Weichen mit falsch gestellt. Das muss man selbstkritisch analysieren. Ich denke, meine Partei hat in den letzten Jahren der Opposition viel dafr getan neu zu bewerten, was in der Zeit der Regierungsperiode gut war und was Dinge sind, wo wir unsere Ziele nicht haben weiter verfolgen knnen oder wo sich Sachverhalte in die falsche Richtung hin entwickelt haben. Gerade im Bereich der Sozialpolitik vertreten wir heute an bestimmten Stellen andere Positionen, nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen, die wir mit Reformen gemacht haben, beispielsweise in punkto Mini-Jobs. Was man damals als Chance mit den Mini-Jobs verbunden hat, ist so nicht eingetreten. Minijobs haben sich dahingehend entwickelt, dass sie ausgenutzt werden. Sie werden zu Armutsfallen insbesondere fr Frauen. Das war sicher nicht die Intention, die wir damals mit Mini-Jobs verbunden haben. Deshalb muss man heute sagen, so wollen wir das nicht. Wir wollen die Mini-Jobs deutlich einschrnken. Es ist schade, wenn solche Aufkleber auf die Plakate geklebt werden. Dann kann man sich mit den Menschen, die das machen, letztendlich inhaltlich nicht auseinandersetzen, sondern sieht nur die Aufkleber. Ich fnde es besser, wenn die Leute mal zu einer unserer Mitgliederversammlungen kmen oder zu einer unserer Wahlkampfveranstaltungen und mit mir oder unseren Spitzenkandidaten Jrgen Trittin und Katrin Gring-Eckhardt, die hier in Bonn waren, darber diskutieren, was schlecht gelaufen ist und was man heute besser machen knnte und wrde. So eine Diskussion findet natrlich nicht statt, wenn man einfach einen Aufkleber auf ein Plakat pappt.

Die Linken bieten in Bonn eine Hartz VI-Beratung an. Warum tun die Grnen dies nicht?

Wir machen nicht explizit ein ffentliches Angebot dafr. Wir machen aber auch Beratung, insbesondere auf der Ebene der Ratsfraktion. Bei Problemen mit der ARGE, aber auch wenn es um den Kitabereich oder den Schulbereich geht wenden sich sehr viele Brger an uns mit ganz konkreten Problemen und da beraten wir auch. Ich mache auch eine Brgersprechstunde. Jeder Brger und jede Brgerin, die mit mir ber ihre persnlichen Belange sprechen und einen Termin haben mchte, bekommt bei mir auch einen Termin.

Das seit 2006 erfolgreiche Angebot "Akademiker qualifizieren sich fr den Arbeitsmarkt" (AQUA) der in Bonn ansssigen Otto-Benecke-Stiftung wird diesen Monat durch das Bundesministerium fr Bildung und Forschung beendet. Welche Alternativangebote fr langzeitarbeitslose Hochschulabsolventen gibt es?

Man darf ein solches Programm nicht einfach ersatzlos auslaufen lassen, weil es fr diese besondere Zielgruppe sehr gut zugeschnitte Angebote bietet. Ich fnde es grundstzlich falsch, wenn die Expertise, die man sich in den letzten Jahren mit dem AQUA-Programm angeeignet hat, verloren ginge. Die Frage fllt in den Zustndigkeitsbereich von Arfst Wagner, meinem Kollegen aus dem Bildungsausschuss. Wir sind uns einig, dass es keinen Sinn macht dieses Programm nicht weiter zu finanzieren. Insofern ist es gut, dass er sich da hinter klemmt. Die Entscheidung der Streichung scheint jedoch schon getroffen worden zu sein. Es ist hufig ein Problem, dass wir Parlamentarier relativ spt darber informiert werden, wenn beispielsweise gute Frderprogramme nicht weitergefhrt werden. Leider informieren uns auch die Trger und die Stiftungen hufig nicht frhzeitig. Dann kann man als Parlamentarierin oder Parlamentarier hufig nichts mehr tun. Wenn man hingegen frhzeitig davon erfhrt, kann ber das Parlament entsprechender Druck gemacht und darauf hingewiesen werden, was bestimmte Programme auch an positiver Wirkung erzielt haben. Bevor man jetzt Alternativangebote neu konstruiert, sollte man die Angebote die man hat, weiter frdern. Auf der anderen Seite geht es bei der Krzung natrlich auch darum fr Akademikerinnen und Akademiker mit Migrationshintergrund besondere Angebote zu schaffen, aber das sollte man in die bestehenden Angebote einbinden. Da sollte bei bestimmten Angeboten eine Spezifik fr Akademiker mit Migrationshintergrund integriert werden. Es soll jetzt mit Mitteln aus dem europischen Strukturfonds (ESF) ein neues Programm aufgelegt werden. Da mssen wir im Bundestag im Auge behalten, welche Schwerpunkte gesetzt werden.

Wrden die Grnen mit den Linken eine rot-rot-grne Koalition eingehen?

Wir haben in vielen Bereichen breite inhaltliche bereinstimmungen mit den Linken, mit der SPD natrlich am meisten. Ich bin selber auch Mitglied im Institut Solidarische Moderne, das eine Art Denkfabrik fr Rot-Rot-Grne Perspektiven ist. So wie ich die Linke jetzt und auch die Fraktion der Linken im Bundestag in den letzten Jahren wahrgenommen habe, ist mein Eindruck, dass das eigentlich zwei Parteien sind. Diese sind dermaen damit beschftigt, sich untereinander zu bekriegen, dass ich nicht wsste, wie man da ein verlssliches Bndnis hinbekommen sollte. Da bin ich selber ausgesprochen skeptisch und wrde davon ausgehen, dass das nicht gelingt. Wenn man eine Regierungsmehrheit zusammenstellen mchte, dann muss man natrlich Fraktionen haben, die in ihrer Gnze oder zumindest in ihrer breiten Mehrheit hinter den Kompromissen stehen, die man in Koalitionsverhandlungen aushandelt und das halte ich bei den Linken fr nicht gegeben.

Die Linken werfen unter anderem auch den Grnen vor, dass sie in Fragen der Klima-Politik und erneuerbaren Energien mit Lobby-Organisationen zusammenarbeiten wrden. Machen die Grnen Zugestndnisse an die groen Energiekonzerne?

Das halte ich fr ganz groen Humbug. Welche Lobby-Gruppen im Klima-Bereich sollen uns angeblich untersttzen? Wir Grnen werden gerade von den groen Energiekonzernen in unseren Forderungen fr die Energiewende nicht untersttzt, weil es uns darum geht, die Erneuerbaren massiv auszubauen und weil wir eine Energiewende in Brgerhand wollen. Das entspricht natrlich nicht den Interessen der groen Energiekonzerne. Und das bekommen wir selbstverstndlich zu spren. Die groen Energiekonzerne untersttzen die CDU, die FDP und auch die SPD, die ja weiter auf Kohlekraftwerke setzt. Ich wrde uns zu denen zhlen, die mchtig Gegenwind haben von den groen Lobbys, insbesondere im Bereich der Energiepolitik.

Machen sich die Grnen mit dafr stark, dass das Gesetz fr Rentenanwartschaften fr Kinder vor 1992 pro Kind sich auf eine dreijhrige Kindererziehungszeit und somit auf drei Rentenpunkte auf dem Rentenkonto summiert, oder werden diese geburtenstarken Jahrgnge weiterhin benachteiligt? Wird Angela Merkel hier ihr Versprechen einer Mtterrente nach den Wahlen umsetzen?

Die Stichtagregelung mit 1992 ist ungerecht, weil es die Mtter mit Blick auf die Rente unterschiedlich behandelt, je nachdem wann sie ihre Kinder geboren haben. Da gibt es keinen rational nachvollziehbaren Grund fr. Es ist auf alle Flle wichtig, die Mtter in der Rente besserzustellen. Das untersttzen wir. Als Alternative zum Vorschlag einer Mtterrente von der CDU pldiere ich fr unser Modell der Garantierente. Denn viele Frauen, die ihre Kinder vor 1992 geboren haben, wren durch die Anpassung mit den zustzlichen Rentenpunkten immer noch auf einem Niveau unterhalb der Grundsicherung und noch unter der derzeitigen Grenze fr die Mindestrente. Unsere Garantierente besagt hingegen, dass jeder und jede, die 35 Jahre berufsttig war - und dazu zhlt eben die Erziehung von Kindern, Pflege von Angehrigen und Zeiten von Arbeitslosigkeit - mindestens 850 Euro Garantierente bekommen soll. Damit wre einer groen Gruppe von Mttern, die heute benachteiligt sind, mehr geholfen als durch eine Angleichung der Punktezahl. Ich bin zudem sehr skeptisch dahingehend, ob Merkel ihr Versprechen der Mtterrente einlst, weil die CDU das 2009 genauso schon als Versprechen in ihr Wahlprogramm aufgenommen hatte und nach der Wahl davon keine Rede mehr war.

Frau Drner, vielen Dank fr das Gesprch!

Lest auf einem Blog von Ansgar Skoda einen zweiten Teil des Interviews. Hier verrt Katja Drner mehr ber ihre Einschtzung zu neuen Rechtsansprchen in der Tagespflege, zur Strkung so genannter Frauenberufe, zur Quotierung und zu Bundestagspraktika bei den Grnen fr Studierende.

Weitere Interviews mit Katja Drner auf campus-web.

Aktuelles und Vita zu Katja Drner.

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