Google Street View ist Klasse. Dies steht außer Frage, sodass eine Aufzählung der Vorteile müßig ist. In welcher Umgebung liegt die neue WG? Wie weit ist das Hotel wirklich vom Strand entfernt? Wie sieht die Kreuzung aus, an der ich abbiegen muss? Unzweifelhaft Vorteile, unzweifelhaft wird GoogleMaps hier sinnvoll ergänzt.

Der empfundene Einbruch in die Privatsphäre
Das Problem liegt auf einer anderen Ebene. Der Bürger erhält Mitteilung, dass eine nichtstaatliche kommerzielle Organisation die Fassade seiner Wohnung / seines Hauses fotografieren wird. Es bleiben vier Wochen, um Widerspruch einzulegen. Es ist die Umkehrung jeglicher Verhaltensregeln. Nicht Google fragt um die Daten an, sondern der Bürger muss ihnen hinterherlaufen. Erfasst sind sie da schon, nachträglich werden sie anonymisiert.

Die Straßen sind frei?
Rechtlich befindet sich Google auf der eher sicheren Seite. Weder greift das allgemeine Persönlichkeitsrecht klar, noch ist eines unserer Datenschutzgesetze wie das TMG eindeutig verletzt. Häuser sind keine persönlichkeitsbezogenen Daten, vielleicht der Blick ins Wohnzimmer. Aber auch den darf jeder wagen. Selbst der Blick über den Gartenzaun ist rechtlich erlaubt, denn Google bleibt auf der Straßenseite. Ob es jeder Mensch als richtig empfindet, ist eine andere Frage.
Jeder darf ein Haus fotografieren. Aber die massenhafte, kommerzielle Art ist das Problem. Es ist die massive Anhäufung und Verknüpfung der Daten. Zu Wohnungen gesellen sich Telefonnummern, Facebookaccounts, später vielleicht noch Lieblingshobbys.

Schon längst vorhanden – www.Sightwalk.de
Dass nun ein solcher Medienhype entsteht, ist allerdings eine andere Frage. Viele Abgeordnete wollen ihre Häuser verstecken lassen. Aber: Solche Dienste gibt es bereits. Bild.de pries vor einem Jahr den Sightwalk Dienst an. Auch die Stadt Köln bewirbt ihn Bereits heute sind unverpixelt Häuser aus der Straßenansicht deutlich zu erkennen. In Köln, Bonn, Stuttgart, Berlin und weiteren Städten fährt man virtuell – nicht begleitet von Medienrummel und -protesten. Wurde der Skandal jetzt nurhochgespielt, oder sind die Menschen zwei Jahre nach Beginn von Googles Kamerafahrten sensibilisiert?

Das Problem muss an dem Konzern selbst liegen, nicht an dem Vorgang an sich. Es ist die Frage, ob ein mächtiger Medienkonzern wie Google unsere Häuser fotografieren, sie mit anderen aggregierten Daten verbinden darf. Google hat keine AGB. Wir müssen widersprechen, statt zuzustimmen. Wir kommen ungefragt ins Netz. Aber: Wenn Sightwalk die Mensa fotografieren darf, dann muss es Google unter den selben Auflagen auch dürfen. Gleiches Recht sei dank.



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