Ich wei gar nicht mehr, wann ich das erste Mal einen Matcha Latte getrunken habe. Es ist tatschlich gar nicht so lange her. Vielleicht vier oder fnf Jahre. Der erste Latte war auch nicht hei, sondern Iced. Es muss also im Sommer gewesen sein. Nach Verlassen des Coffee Shops sind wir runter an den Rhein gegangen und das Ufer Richtung Zoobrcke entlang geschlendert. Den ersten richtigen, heien Matcha habe ich kurz danach serviert bekommen. brigens immer mit Sojamilch. Mein Krper und Laktose tragen seit frhester Kindheit einen uerst unangenehmen Kampf in meinen Bauch aus, wenn sie dort aufeinandertreffen.

Warum ich dieses Getrnk so liebe? Das hat mehr mit Erinnerungen zu tun, als mit allem anderen. Natrlich geniee ich es, wenn die samtigweiche, hellgrne Flssigkeit durch die Speiserhre in meinen Bauch luft und es dort wohlig warm wird. Der Geschmack ist nicht beschreibbar. Mir hat mal jemand gesagt, es schmecke wie eine Mischung aus grnem Tee und Lebertran. Da ich aber noch nie Lebertran probiert habe, kann ich das nicht beurteilen. Aber es hrt sich ekelig an, deswegen habe ich beschlossen, dass dieser Mensch ein Banause ist. Matcha Latte ist wegen der Milch dickflssiger als grner Tee mit einem Hauch von Vanille und Fernweh. Der Geschmack ist erdig, ein bisschen pudrig und seidig. Manchmal stelle ich mir zwei Geishas vor, wie sie vor einer Pagode zusammensitzen, wissend lcheln und dampfenden Matcha trinken. So wie ich mir diese Geishas vorstelle, so ist auch dieser Tee wohlwollend, weise und warmherzig.

Doch, wie gesagt, mehr noch als der Geschmack, sind es die Erinnerungen, die dieses Getrnke fr mich zu etwas Besonderem machen. Meinen letzten Matcha Latte habe ich vor ein paar Wochen getrunken, als meine Badminton-Doppelpartnerin aus der High School recht spontan in Kln war und wir uns nach einer Ewigkeit wiedergesehen haben. Oder da ist die Erinnerung an einen trnenreichen Spaziergang wieder am Rhein entlang, nur diesmal auf der anderen Seite, immer an den Poller Wiesen entlang. Ein Seelentrster in meiner Hand, der andere mit einem offenen Ohr an meiner Seite. Dann ist da der Morgen letztes Jahr im Mai, als ich bei einer lieben Freundin in Bremen war und sie mir zum Frhstck auf ihrem sonnendurchfluteten Balkon einen Matcha serviert hat. Eine leichte Brise in der Luft, Sonnenstrahlen auf der Haut, Vogelgezwitscher und ein Muntermacher ganz nach meinem Geschmack es war einfach herrlich.

Aber den wohl besten Matcha Latte habe ich in Berlin getrunken. In Kreuzberg war es. In einem kleinen, wuseligen Laden, der sich auf vegane Donuts spezialisiert hat. Es war ein regnerischer Oktobernachmittag. Ich habe an der groen Fensterfront mit Blick auf einen Kanal gesessen, meine Nase in mein Buch gesteckt, einen Chocolate-Peanutbutter-Fudge-Donut gegessen und Matcha getrunken. Trotz des Trubels im Shop habe ich mich geborgen gefhlt. Eine Stunde der Ruhe, eine kleine Auszeit in der Hektik des Alltags. Wenn ich das nchste Mal in Berlin bin, besuche ich Brammibal's auf jeden Fall wieder. Eine Erinnerung jagt die nchste, alle auergewhnlich und einzigartig auf ihre eigene Art und Weise. Das Einzige, was sie gemeinsam haben, ist ein Matcha Latte in meiner Hand.

Ihr habt noch nie einen Matcha Latte getrunken? Dann probiert ihn doch mal. Am besten mit Sojamilch, viel Schaum und einem schnen Spaziergang am Rhein entlang mit einem eurer Lieblingsmenschen.

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