Im Oktober 1967 gestartet begeistert "XY" nunmehr seit fast 50 Jahren Zuschauer aller Altersklassen. Meine erste Sendung als Zuschauer der Fahndungsreihe war die Juniausgabe 1997 - die viertletzte von TV- Legende Eduard Zimmermann. "Ede" , wie ihn seine Fans liebevoll nennen, war mir jedoch schon vorher vertraut durch die Prventionsreihe "Vorsicht, Falle", ebenfalls ein Dauerbrenner im ZDF, der von 1964 bis 2001 ber die Bildschirme flimmerte. Jeder Freitag an dem "XY" lief, war ein fast schon heiliger Freitag. Der Tag war schon gerettet allein durch die Tatsache, dass am Abend "XY" kam. Da die Qualitt und Spannung der Sendung nach Zimmermanns Abschied zunchst etwas nachlie, habe ich mir ber einen anderen Fan aus Dnemark alte Folgen auf Videokassette berspielen lassen. Im Internet waren diese damals noch nicht zu finden.

Doch was macht die Faszination von "Aktenzeichen" aus? Eine Sendung, die zwlf Mal im Jahr 90 Minuten lang durchschnittlich 5 bis 6 Mio. Zuschauer in ihren Bann zieht? Diese Frage habe ich mir auch hufig gestellt und es fallen mir eine ganze Reihe von Grnden ein, weshalb fr mich jede "XY"-Sendung absolutes Pflichtprogramm ist. Zentrales Element des Magazins sind fr jeden Fan der Reihe die nachgestellten, tatschlich so geschehenen Filmflle. Zunchst wird in diesen ca. 10 Minuten langen Einspielfilmen der Alltag eines Opfers dargestellt. Untermalt wird das Ganze neben dem Einsatz von Spannungsmusik durch Sprechertexte aus dem Off gesprochen von Michael Brennicke, die bei "XY"-Fans absoluten Kultstatus besitzen. "Was nun geschah, lsst sich nur noch lckenhaft rekonstruieren" oder "Sein Verhalten drfte in der etablierten Gesellschaft auf Vorbehalte stoen" sind Formulierungen im typischen "XY"- Jargon. Mit einem guten Freund zusammen habe ich mir an einigen Abenden Dank youtube alte Folgen ansehen knnen. Wir mussten bei diesen altbackenen Formulierungen und Umschreibungen hufig schmunzeln. Es haben sich daraus auch einige Insider entwickelt, ber die aber wohl nur eingeweihte Fans lachen knnen.

Natrlich ist "XY" keine Unterhaltungssendung, sondern hat eine sehr ernste Intention. Im Vordergrund steht neben der Aufklrung von Verbrechen und Straftaten auch der Prventionsgedanke. "Wie verhalte ich mich richtig in lebensbedrohlichen Situationen" oder "Wie schtze ich mich besser vor Einbruch und Betrug" oder "Wie senke ich das Risiko Opfer einer Vergewaltigung zu werden" ist ebenfalls Teil der Mission, die "XY" verfolgt.

Die filmische Rekonstruktion des Tathergangs und die kompakte Darstellung des Lebens der Opfer dienen neben der Erzeugung von Spannung auch dem Zweck, dass der Zuschauer Empathie und Mitgefhl mit dem Opfer hat. Der Tag des Verbrechens wird gewhnlich in allen Einzelheiten rekonstruiert und je nher die Tatzeit rckt desto strker wird das Kribbeln und manchmal auch Schauer der einem ber den Rcken luft. Beides die Spannung und die Erzeugung von Empathie mit den Opfern trgt dazu bei, dass durch "XY" eine Aufklrungsquote um die 40 Prozent der prsentierten Flle vorzuweisen ist.

Vieles hat sich in den vergangenen 50 Jahren Existenz der Kultsendung gewandelt. Das Studio ist mehrfach modernisiert und umgebaut worden, die Aufnahmestudios in sterreich und der Schweiz sind leider Vergangenheit. Nach dem Abschied von Urgestein Eduard Zimmermann (2009 verstorben) im Jahr 1997 folgte zunchst der bei mir und vielen anderen "XY"-Fans eher weniger beliebte Butz Peters.

Seit 2002 fhrt Rudi Cerne souvern, engagiert und sympathisch durch das lteste Fernsehmagazin Deutschlands und hat somit nun fast die Hlfte der Wegstrecke des unerreichbaren Erfinders absolviert. Aufklrungs- und Einschaltquote stimmen - und das Verbrechen wird leider auch in Zukunft Teil der gesellschaftlichen Realitt bleiben. Von daher wird der ZDF-Dauerbrenner so schnell nicht erlschen und ich ein begeisterter Fan von "XY" bleiben.



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