Als Krieger in Rom gefürchtet, als wild und unzivilisiert beschrieben; Germanenstämme machten es Rom nicht leicht seinen Herrschaftsbereich jenseits der Rheinlinie auszudehnen und der Weltmacht vom Tiber mit Germanien eine neue Provinz einzuverleiben. Woran haben die Germanen geglaubt und was fürchtete sie? Waren die Römer nur grausame Okkupanten oder auch willkommene Handelspartner für die Stämme des Nordens? Die vierteilige Dokumentation, produziert von Gruppe 5 Filmproduktion und zahlreichen ARD-Anstalten unter Federführung des WDR, HR und MDR versucht unter anderem diesen Fragen nachzugehen und ein umfassendes Portrait der Germanen zu zeichnen. Die Spurensuche gestaltete sich hierbei als schwierig; nur wenige Fundstücke haben bis heute überdauern können und von damaligen Gebäuden findet man allenfalls Fundamentreste. Viel aufschlussreicher sind hier die Schilderungen römischer Schriftsteller und Chronisten, allen voran Tarcitus, der zahlreiche Berichte aus dem „Land der Barbaren“ zusammengetragen hat, die sich bis heute erhalten haben.

Faszinierende Computersimulationen lassen das römische Köln um Christi Geburt wieder auferstehen und zeigen eine belebte Stadt, die Rom unter anderem für die mit ihnen verbündeten Ubier bauen lies. Auch andere archäologische Fundstätten, wie beispielsweise Haltern, oder der im heutigen Rhein-Dill Kreis liegende römische Handelsplatz von Waldgirmes werden durch mit Liebe zum Detail programmierte Computersimulationen wieder zum Leben erweckt und machen die durch Grabungen freigelegten Überreste in ihrer rekonstruierten ursprünglichen Gestalt viel leichter vorstellbar. Anhand der Funde von Waldgirmes wird deutlich, wie viel Mühe Rom aufwendete, jenseits des Rheins die neue Römische Provinz "Germanien" zu gründen. Auch in die mühevolle Arbeit der Archäologen bekommt man einen guten Einblick. Spezifische Erdverfärbungen deuten auf Holzfundamente hin und mit Hilfe der Dendrochronologie kann das Alter von hölzernen Fundstücke bestimmt werden. Durch datierte Vergleichsmuster ist es Dendrochronologen möglich das exakte Jahr der Schlagung und Verbauung der Hölzer in detektivischer Kleinarbeit herauszufinden. So konnte der befestigte Marktplatz in Mittelhessen beeindruckend präzise auf das Jahr vier vor Christus datiert werden.

Köln war in der Antike die größte Stadt nördlich der Alpen und obwohl augenscheinlich nicht mehr allzu viel auf die Römer hindeutet, ist Kölns Untergrund von Überresten der einst 40.000 Einwohner nur so gespickt. Colonia Claudia Ara Agrippinensium, unter welchem Namen die Stadt damals gegründet wurde, hatte als „Klein Rom“ noch eine weitere Besonderheit. Sie war die einzige Kolonie des gesamten Imperiums die nach einer Frau – Agrippina - benannt wurde. Da es kaum erhaltene germanische Quellen dieser Zeit gibt, stützt sich auch die vorliegende Dokumentation vorwiegend auf römische Aufzeichnungen. Diese werden mitunter recht aufwändig szenisch aufbereitet und von Schauspielern umgesetzt. So kann man beispielsweise erleben, wie Arminius als Kindergeisel der vom Imperium unterworfenen Cherusker zur Erziehung und Ausbildung an den Tiber gebracht wird und rund zwanzig Jahre später nach Germanien zurückkehrt und feststellen muss, dass die Römer unter Varus Angst und Schrecken in in deiner ehemaligen Heimat verbreiten. Arminius wechselt das Lager und setzt den Kampf seines Vaters gegen die Römer fort und es gelingt ihm vormals verfeindete Stämme zu einem gemeinsamen Bündnis zusammenzuschließen, um sich gemeinsam von der Knute Roms befreien zu können. Als Varusschlacht ist die vernichtende Zerschlagung dreier römischer Legionen in die Geschichte eingegangen und vom Politiker und Schriftsteller Tarcitus genau dokumentiert worden. Auch das Leben eines in römische Gefangenschaft geratenen Germanen, der als Gladiator in Amphitheatern die Masse belustigen sollte wurde hier nachgestellt, ebenso wie der „kleine Grenzverkehr“ am Limes, an dem damals ein reger Handel zwischen Germanen und römischen Siedlern und Soldaten stattfand. Die letzte Folge der Dokumentation beschreibt die Christianisierung germanischer Stämme, die Völkerwanderung und das Ende des römischen Imperiums im dritten Jahrhundert.

Die Dokumentation „Die Germanen. Meilensteine der Frühgeschichte Europas“ belichtet eine Epoche, die zu Unrecht heute nur noch wenig beachtet wird. Mit den Germanen als Bindeglied zwischen Antike und Mittelalter, wurde damals ein zentrales Fundament für unser heutiges christlich abendländisch geprägtes Europa gelegt. Die Dokumentation gibt einen guten Überblick der Entwicklung von ersten Schlachten mit dem römischen Imperium bis zum fränkischen Großreich Karls des Großen. Durch aufwendige szenische Darstellungen, Animationen und Interviews mit Wissenschaftlern und Archäologen ist eine fundierte und sehr sehenswerte Dokumentation entstanden die wohl anschaulich wie selten zuvor ein Bild unserer Vorfahren zeichnet.

Die Dokumentation besteht aus vier Episoden à 50 Minuten.


Dokumentation: „Die Germanen. Meilensteine der Frühgeschichte Europas“

1. Teil: Barbaren gegen Rom
2. Teil: Die Varusschlacht
3. Teil: Entscheidung am Limes
4. Teil: Im Zeichen des Kreuzes

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