Aufwendig produziert, mit Szenen wie in einem guten Spielfilm, stellt eine neue Dokumentation der Arte-Edition den Siegeszug Napoleons in Mitteleuropa dar. Napoleon besiegte Österreich, zerschlug das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen und besetzte das einst so stolze Preußen. Deutsche Städte werden französisch, Aachen heißt Aix-la-Chapelle und aus Köln wird Cologne. Besonders das Rheinland wurde nachhaltig durch die französische Besatzung geprägt – mit Auswirkungen bis heute. Der "Code Napoleon", das erste Bürgerliche Gesetzbuch, schrieb die Gleichheit aller vor dem Gesetz fest und machte Verfassungsgeschichte. Unter dem Druck Frankreichs entstand der Rheinbund und Sachsen, Bayern und Württemberg wurden von Napoleon zu Königreichen erhoben.

Viele Szenen der Dokumentation spielen auch im Rheinland und demonstrieren, wie stark die napoleonischen Einflüsse das Leben der Menschen berührte und veränderte. Christliche Bräuche wurden verboten und der Kölner Dom als Gefängnis genutzt. In anderen Kirchen standen Pferde, man verwendete sie als Lagerhäuser und vieles fiel nach dem Ende der Kirchenherrschaft dem Vandalismus anheim. Doch auch segensreiche Neuerungen, wie die Einführung der Müllabfuhr erreichte die Menschen und es kam zu einer generellen Verbesserung des Gesundheitszustands der Menschen.

Napoleon träumte wie Cäsar und Karl der Größe vom Flächenreich, mit ihm als Herrscher an der Spitze. Dazu wollte sich der Korse sogar zum Kaiser krönen lassen, was bei den ehemaligen Territorialherren verständlicherweise auf wenig Gegenliebe stoß. Aber auch aus dem Volk gab es großen Widerstand gegen die Krönung. Beethoven beispielsweise kratzte die zuvor gegebene Widmung Napoleons wieder aus dem Notenblatt seiner neusten Sinfonie. So wurde aus der von Napoleon angestoßenen Freiheitsbewegung auch eine mächtige anti-napoleonische Befreiungsbewegung. Denn für viele Deutsche war Napoleon nicht eine Lichtgestalt, sondern ein grausamer Tyrann, der seine Herrschaft unbarmherzig durchsetzte.

Der Vierteiler „Napoleon und die Deutschen“ erzählt vor allem die Geschichte der Menschen und versucht auch sehr detailliert den damaligen Alltag der Bevölkerung zu rekonstruieren und darzustellen. So gibt die Doku beispielsweise Einblicke in das Leben des jungen Verlegers Dumont, der ständig mit strenger Zensur konfrontiert wird und stellt die Arbeit eines deutschen Spitzels im Dienste der französischen Geheimpolizei beispielhaft vor. Sie begleitet einen preußischen Landser beim Russlandfeldzug oder zeigt die Zerschlagung eines Schmugglerrings im Elsass nach der Etablierung der Kontinentalsperre, die England vom europäischen Handel abschneiden sollte. Dies macht die Dokumentation sehr vielseitig und spannend, da neben der großen, bekannten Geschichte so viele Nebenstränge und Details beleuchtet werden. Und dazu hatte die Produktion ausreichend Zeit, besteht sie doch aus vier Teilen a 50 Minuten. Gefilmt in HDTV-Qualität besticht die Dokumentation auch durch prächtige Aufnahmen und eine zukunftsweisende Liebe zum Detail.

Wie aufwändig die Produktion war, zeigt ein „Making of“, das als Bonusmaterial auf den DVDs enthalten ist. Hier kann man der Produktionsfirma beim Dreh über die Schulter gucken und kann ein kleines Gefühl dafür bekommen, wie viel Mensch und Material im Einsatz ist, um auch nur eine kleine Szene „in den Kasten“ zu bekommen.


Die Dokumentation besteht aus vier Teilen a 52 Minuten plus zwölf Minuten „Making of“.

Folgenübersicht:

Folge I: Der Revolutionär
Folge II: Der Eroberer
Folge III: Der Maßlose
Folge IV: Der Verlierer

Artikel drucken