Auch Diktatoren brauchen Vorbilder. Während der gescheiterte Kunstmaler Adolf Hitler noch in Münchener Bierlokalen agitierte, wurde Benito Mussolini im Oktober 1922 nach dem erfolgreichen Marsch auf Rom Italiens neuer Regierungschef. Schon früh bewunderte Hitler, dessen Schreibtisch eine Bronzebüste Mussolinis zierte, den Duce und sah in ihm ein Vorbild für seine eigenen Pläne. So war es nicht verwunderlich, das Hilters erste Auslandsreise nach der Machtergreifung im Frühjahr 1933 nach Italien führte, wo er den Duce in Venedig traf. Auf größere Gegenliebe stieß Hitlers Verehrung nicht, vielmehr sah Mussolini in ihm einen Rivalen, der als gebürtiger Österreicher sein Vaterland „heim ins Reich“ holen wollte und fürchtete um die Souveränität des nördlichen Nachbarlandes Italiens.

In den nächsten Jahren jedoch verband beide Diktatoren jedoch eine Art Schicksalsgemeinschaft und das Gegenseitige Vertrauen wuchs. Das Deutsche Reich half Italien im Abessinienkrieg, während im Gegenzug Mussolinis Proteste nach dem Anschluss Österreichs verhältnismäßig leise waren. 1937 besuchte Mussolini Berlin, wo ihn ein triumphaler Empfang bereitet wurde. Als Höhepunkt seiner Auslandsreise sprach er hier vor zehntausenden jubelnden Deutschen. Besonders beeindruckt war der Duce vom Stechschritt der Wehrmacht, der ihn sogleich exportierte und in Italien als „basso romano“ einführte. Ihre enger werdende Zusammenarbeit zeigte sich nicht zuletzt bei der Unterstützung Francos im blutigen Angriff auf das spanische Guernica in grausamer Wirklichkeit. In den Folgejahren überflügelte Hitler sein großes Vorbild, und so wurde Mussolini Stück für Stück zum Vasall seines einstigen Bewunderers. Fast scheint es, als wirkte Hitler wie eine Droge auf den Duce, von der er sich nicht lossagen konnte und sie somit gemeinsam dem Untergang entgegen marschierten. Nach einem viele Parallelen aufweisenden Aufstieg als Diktatoren und einer wachsenden Freundschaft und Bewunderung, waren sie auch im Niedergang verbunden. Verluste an der Front, Bombardierung der Heimatstädte und ein wachsender Realitätsverlust lies leide zusehends auch körperlich verfallen.

Nach der Absetzung Mussolinis und seiner Gefangennahme, ließ Hitler Mussolini befreien und ihm gelang die Flucht im Fieseler Storch ins Deutsche Reich von wo aus er eine zweite Regentschaft Mussolinis zu etablieren versuchte. Am Schicksalstag des 20. Juli sahen sich die beiden mörderischen Diktatoren das letzte Mal. Damals soll Hitler gesagt haben, dass Mussolini sein bester und vielleicht einziger Freund auf der Welt sei. Im Frühjahr 1944 wird Mussolini schließlich gefangen genommen und hingerichtet. Zwei Tage später begehen Hitler und Eva Braun Selbstmord.

Die aus zahlreichen Originalbildern und heutigen Aufnahmen zusammengeschnittene Dokumentation gibt einen tiefen Einblick in die wechselseitige Beziehung der beiden Diktatoren und kraftvolle Bilder geben einen Eindruck der Stärke und der Verführungskraft Hitlers und Mussolinis gegenüber den jubelnden Massen. Zusätzlich zeigt die Dokumentation bedenkliche und verstörende Bilder aus dem heutigen Italien, klärt auf, was beispielsweise aus den jeweiligen Geburtshäusern wurde und wie unterschiedlich man mit den toten Diktatoren verfuhr. Als Bonus der neunzigminütigen Doku ist dem recht edel wirkenden Pappschuber eine weitere DVD über das berühmte Nazi-Seebad Prora beigefügt. Auch diese aberwitzige Planung der Nationalsozialisten hatte ein bekanntes Vorbild, die „Opera Nazionale Dopolovoro“ Benito Mussolinis.

Artikel drucken