Auf die Frage, was eigentlich "Mundstuhl" sei, reagieren die meisten Menschen mit Achselzucken. Offenbar machen sich nicht wirklich viele Gedanken über den Namen des hessischen Duos. Das kann sich jedoch schlagartig ändern, beispielsweise beim "Genuß" der Live-DVD "Höchststrafe Live".

Es braucht nicht einmal die Hälfte der Spielzeit, dann ist klar, was dieser mysteriöse "Mundstuhl" denn tatsächlich ist. Ja, so geschmacklos es auch sein mag: aber genau das ist gemeint. Und dieser Name ist im wahrsten Sinne Programm.

In ihrem Jubiläumsprogramm lassen die zwei Hessen bekannte Figuren wie Peggy und Sandy, Andi und natürlich Dragan und Alder auftreten. Als Rahmen sind es Lars und Ande selbst, die zu Beginn und am Ende Witze und Sketche im Arztkittel präsentieren. Zwischendurch gibt es Gesang von Thorben und Malte.
Mundstuhl:
Höchststrafe Live, D 2009

Verleih: Sony Music
Genre: Comedy
Darsteller: Ande Werner und Lars Niedereichholz
DVD-Laufzeit: ca. 85 min
DVD-VÖ: 13.11.2009

Das ist im Prinzip rund und stimmig. Trotzdem ist es anstrengend, allem zu folgen. Denn welche Figuren und Konstellationen das Programm auch bereithält, die Witze bleiben bestenfalls mäßig und sind abgedroschen. Und beständig drängt sich der Eindruck auf, daß Ande und Lars fehlendes Talent zur reifen Komik ausgleichen wollen durch möglichst viele Obszönitäten und primitive Lautmalereien, das alles in möglichst hoher Frequenz und Lautstärke. Und eben das ist ermüdend.

Zugegeben: dann und wann zündet ein Witz, dann und wann blitzt Kreativität auf. Dann und wann aber nur. In der Hauptsache werden jedoch flache Pointen durch lautes Schreien, kakophone Wortwiederholungen und überbetonte Vulgärvokabeln überspielt. Immerhin zeigt sich das Publikum im Haus der Springmaus ob so mancher Plattheit recht oft entzückt.

Hinzu kommt, daß sich die beiden nicht im Griff haben, denn sie bringen sich durch ihre eigene Darbietung auf der Bühne selbst zum Lachen. Anderenorts wären verpatzte Improvisationen vielleicht originell – wenn das Niveau aber ohnehin schon nicht mehr zu unterbieten ist, ist es einfach nur peinlich.

Nomen est omen: 85 Minuten Mundstuhl sind wirklich Höchststrafe. Und das auch noch Live. Herrje...


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