Da fehlt eigentlich nur der Rock n´ Roll, aber auch dafür sorgte die Familie Borgia. Natürlich ganz dem endenden 15. Jahrhundert angemessen: Ausschweifende und freizügige Feste mit viel Wein und leichten Mädchen, die auch gerne mal einen Kardinal oder Papst beglücken.

Der Film "Die Borgias" versetzt den Zuschauer mit eindrucksvollen Bildern ins Rom des ausgehenden 15. Jahrhunderts, in die Zeit der Familie Borgia. Als am 11. August 1492 Rodrigo Borgia den Stuhl Petri als Papst Alexander VI. bestieg, natürlich durch Amtskauf, versuchte er sogleich, die Macht und den Einfluss seiner Familie zustärken.
So wurde sein ältester Sohn Juan zum Capitain der Armee und der zweitgeborene Cesare zum Kardinal ernannt. Der jüngste Sohn wie auch die einzige Tochter Lucrezia wurden natürlich lukrativ verheiratet, damit weitere politische Bündnisse gefestigt werden konnten. Durch Familienpolitik und die sehr blutigen Durchsetzungsmethoden Alexanders VI. schaffte er sich natürlich viele Feinde. Nach Meinung vieler römischen Familien waren die Borgias Außenseiter und Fremdlinge, da sie aus einer spanischen Familie stammten, was den Unmut vieler Zeitgenossen begünstigte, die sich ihrerseits ebenso darin verstanden, Bündnisse einzugehen und somit gezielt gegen den Papst und die Borgia Stimmung zu machen. Dies geschah eingangs durch Gerüchte, recht bald allerdings auch durch blutige Attentate, denen unter anderem der älteste Sohn Alexanders VI. zum Opfer fiel. Diesen Verlust lässt die Familie natürlich nicht ungesühnt und setzt mit Hilfe des zweitgeborenen Sohnes Cesare zum Gegenschlag an.

Die aufwendige Produktion von Antonio Hernández ist ein für das spanische Fernsehen produzierter Mehrteiler, der nun zum Film mit Überlänge geschnitten wurde, was dem Gesamtwerk nicht gerade gut getan hat: Der Film ist viel zu lang! Das kann bei einem Historienfilm ja recht schnell passieren, doch es gibt noch weitere Minuspunkte. Die Schauspieler, mal abgesehen davon, dass sie durch die Bank weg alle unglaubwürdig spielen, sehen sich alle sehr ähnlich. Bei den vielen Gesichtern, Geliebten, Betthasen, Gegnern und Namen gerät man schnell durcheinander, auch wenn man sich in der Geschichte Roms auskennt. Außerdem ist noch zu bemängeln, dass sogar die Beschriftung der DVD- Hülle falsch ist. So wurde im Film meist auf historisch genaue Kostüme und Schauplätze geachtet, aber in der Beschreibung wurde sich einfach mal um ein Jahrhundert vertan. Da wundert man sich dann auch nicht mehr über die recht zusammenfassenden und knappen Untertitel.

Fazit ist, dass die eindrucksvollen Aufnahmen und Kostüme zwar die erste Stunde des Filmes retten, die Aufmerksamkeit aber leider nicht bis zum Ende halten können. Vielleicht ist es ein schöner Mehrteiler, den Film muss man nicht unbedingt sehen. Es sei denn, man erwartet gefühlte fünf Stunden Blut, Sex und Intrigen, davon hat der Film genügend im Repertoire!

Die Borgias (Los Borgia), Spanien 2006
Veröffentlichung: 27.03.2008
Genre: Historienfilm
Verleih: EMS
Laufzeit: 141 min
Darsteller: Paz Vega, Angela Molina, María Valverde
Regie: Antonio Hernández

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