Campus-Web Bewertung: 1/5
   
Eigentlich ist Lucky Luke – der Mann, der schneller zieht als sein Schatten – ja Kult. Mit markigen Sprüchen zieht er in den berühmten Comics gegen die immer wiederkehrenden Daltons zu Felde oder schlichtet zwischen Indianern und Weißen. „Schön, damit kenne ich mich aus“, dachte sich wahrscheinlich Terence Hill, dessen Karriere Anfang der neunziger Jahre langsam bergab ging, da die erfolgreichen Filme mit Bud Spencer schon etwas zurücklagen. Eine lustige Serie mit Spaghetti-Western-Hintergrund sollte ja wohl kein Problem für jemanden sein, der in den siebziger und achtziger Jahren nicht viel anderes gemacht hatte.

Tatsächlich unterscheidet sich die Serie nicht grundlegend von früheren Streifen wie „Vier Fäuste für ein Halleluja“ oder „Mein Name ist Nobody“. Es ist allerdings alles etwas braver und sauberer, die Sprüche nicht ganz so pfiffig wie früher. Und genau da liegt das Problem. Es ist schon gewagt genug, die Comic-Vorlage in eine Fassung zu pressen, in der Luke nur viel quatscht, in der ersten halben Stunde aber nicht ein einziges Mal seinen Colt zieht. Wenn dann noch die Dialoge klingen, als ob sie im Halbschlaf hingekritzelt und auf einen vor zwanzig Jahren modernen Humor zugeschnitten worden wären, kann man sich vielleicht ungefähr vorstellen, warum nach acht Folgen Schluss mit lustig war. Das Flair der Vorlage erreichen sie noch nicht einmal ansatzweise, dazu war Hill, der neben der Hauptrolle auch den Regiestuhl besetzte, viel zu sehr auf eine bestimmte Rolle festgelegt.

Auch handlungsmäßig bietet die Serie wenig. Alle Folgen spielen in Daisy Town, in der Luke sesshaft geworden ist und als Sheriff für Recht und Ordnung einsteht. Doch natürlich bleibt es niemals ruhig. Schon in der ersten Folge, „Ein explosives Geschäft“, hetzt ein Mister Josephs Siedler und Cowboys gegeneinander auf und verkauft an beide Parteien Sprengstoff. Diese zwielichtige Gestalt ist niemand anderes als Joe Dalton, der mit seinen Brüdern freie Fahrt für weitere Gemeinheiten hat, als Luke zusammen mit einem Mädchen in einer alten Mine eingeschlossen ist. Die Story ist dabei so vorhersehbar, dass man das Gehirn ohne Probleme ausschalten kann – und am besten den Fernseher gleich mit.

Etwas amüsanter ist dagegen die zweite Folge, „Ein Trunk von besonderer Güte“. Darin verkauft eine Zigeunerin einen geheimnisvollen Liebestrank, den die Barbesitzerin Lotta eigentlich an Lucky Luke ausprobieren will. Aber es geht alles schief: Joe Dalton verliebt sich in die Zigeunerin, sein Bruder Jack in Lotta und Averill in das Pferd Jolly Jumper. Da sind Verwirrungen vorprogrammiert. Dumm nur, dass so eine Liebesverwirrung kein wirklich neues Motiv ist und schon in zahlreichen anderen Serien eine bessere Umsetzung gefunden hat. Aber immerhin ein kleiner Fortschritt im Vergleich zum ersten Teil.

Wer also bei dem Gedanken an alte Terence-Hill-Komödien nostalgisch aufseufzt, kann sich vielleicht an die Lucky-Luke-Serie heranwagen. Allerdings ist Vorsicht geboten: es fehlen jene Prügeleien, die die frühen Filme des Duos Spencer/Hill ausmachten. Also nicht enttäuscht sein. Grundsätzlich gibt die angebliche „Kultserie“ einfach zu wenig her, um ihren Kauf wirklich lohnenswert zu machen. Nicht-Fans sollten nur dann zugreifen, wenn sie keinen Schlaf bekommen – denn der kommt dabei schneller, als Lucky Luke schießt.

Lucky Luke - die Serie,Italien 1990-92
Veröffentlichung: 27.03.2008
Genre: Western-Serie
Verleih: EMS
Laufzeit: 102 min
Darsteller: Terence Hill, Ron Carey, Nancy Morgan
Regie: Terence Hill

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