Die Swinging Sixties waren an sich ja ganz spannend; im Großen und Ganzen dürfte das Jahrzehnt in England aber ein wenig trocken verlaufen sein. Kein Wunder, dass auch die Fälle des Inspektor George Gently ziemlich sanft verlaufen. Gently, der die ruhige Würde eines Germanistik-Professors kurz vor dem Ruhestand auslebt, ist natürlich trotzdem ein bad boy. Genau wie sein jugendlicher Assistent John Bacchus denkt er zuerst ans Richtige, and Gerechte, und dann erst an seine Stellung in der Gesellschaft. Die würde es lieber totschweigen, wenn ein Fall von mehrfachem Kindesmissbrauch hochkocht. Nicht so Gently, der holt sich lieber mit der Brechstange seine erste Suspendierung ab. Und bricht dann die Tür auf.

Das klingt nun ein wenig dynamischer, als es auf DVD aussieht. Vielleicht geben die Romanvorlagen von Autor Alan Hunter den gemächlichen Ton ja vor. Vielleicht hat man hier aber auch ganz bewusst einen kriminalistischen Schonkaffee gebraut. Die Wendungen einer 90minütigen Folge sieht man jedenfalls schon meilenweit kommen, während Gently und Bacchus noch im Dunkeln tappen. In der Hälfte der Zeit hätte man das spannender zubereiten können. Kleiner Trost: Das liebevolle Spiel der beiden Hauptakteure ist sehr angenehm. Kleine Sticheleien sind das Schlimmste und das Schönste, was die Vater-Sohn-Beziehung der beiden durchmachen muss. Bacchus nimmt daneben noch einen Schüler unter seine Fittiche, der davon träumt, die "faschistoide" Polizei mit seinen Beatnik-Ideen zu unterwandern.

Verleih: Edel Motion
Genre: Krimi
Filmlaufzeit: 270 Minuten (3 DVDs)
Darsteller: Martin Shaw, Lee Ingleby
DVD-Start: 20.05.2011
Warme Momente in einer kühlen Welt. Auffallend, dass die drei Kriminalfälle auch immer sexuelle Komponenten in sich tragen (einmal Missbrauch, zweimal Vergewaltigung), waren die Sixties doch die Zeit, in der Sex plötzlich nicht mehr totgeschwiegen wurde. Eigentlich entsteht hier eine interessante Reibung dadurch, dass Gentlys Mühlen langsam mahlen: Kindesmissbrauch mag heute ständig wieder in die Nachrichten kommen, in den Sechzigern war ein solches Verbrechen dagegen praktisch unvorstellbar.

Überhaupt wird das vergangene Jahrzehnt angenehm inszeniert. Die Details stimmen, drängen sich aber nicht ständig auf. Dasselbe bei der Musik: Statt eines umfangreichen Soundtracks aus totgenudelten Klassiker-Klischees gibt's (deutlich günstigere) Swing-Einspielungen als Lückenfüller. "George Gently" hebt sich so angenehm vom Kollegen "Lewis" ab, dessen Serie scheinbar auch für ein geruhsameres Publikum gedreht wird, der aber lieber mit musikalischer Zuckerwatte einlullt.

"George Gently" ist definitiv kein Meilenstein der Krimi-Unterhaltung, seine Nische in den Sixties verteidigt er aber durch Liebenswürdigkeit. Fans können sich über schönen britischen Originalton auf den DVDs freuen, alle anderen sollten sich den sanften Unbestechlichen erst bei der nächsten Ausstrahlung im Fernsehen anschauen.

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