campus-web Bewertung: 4/5
   
 

Papas Musik
   
 

Das TamTam der Angst
   
Es sind acht sehr verschiedene französische Thriller, die Arte hier auf eine Box gepackt hat. Je knapp 60 Minuten unterschiedlichster Arten von Spannung und schwarzem Humor werden dem Zuschauer dargeboten. Das Themenfeld ist breit gestreut, die Geschichten auch. Aber allen Thrillern ist eines gemein: Es ist das Streben, die Suche nach etwas: Nach Glück, Geld, Erfolg, Veränderungen. Es anders zu machen, etwas zu erreichen. Jeder der Protagonisten verfolgt ein Ziel, hat eine Hoffnung, die leitet. Und mit jeder Minute schwant dem Zuschauer Böses. Mit Ausnahme von „Schönheit muss sterben“ durchzieht alle Folgen etwas düsteres, die Szenerie ist bewusst dunkel und kalt gehalten.

Inhalt:

Die Serie startet mit „Nächste Ausfahrt Mord“, und nach wenigen Minuten sitzt man ob der Überdrehtheit staunend im Sessel. Es geht um Erfolg im Beruf, um den Erhalt einer heilen Welt. Aus einem Autounfall wird Mord, und dieser zieht weitere nach sich. Das Tempo steigert sich im Verlauf der skurrilen 60 Minuten sogar noch, und man weiß nicht ob man lachen oder weinen soll.

Auch „Schießen sie auf den Weinhändler“ eröffnet mit einer Szene, die sich ins Gedächtnis einprägt. Der Weinhändler hat das schlechte Essen seiner Frau satt. Er entledigt sich ihrer. Und heuert eine Teenagerin an, die selbst aus hartem Eisen gegossen ist und ein dunkles Geheimnis hat. Sie soll für den Gourmet kochen, und zwar nach seinen Wünschen. Es entwickelt sich ein stilles Duell zwischen dem Choleriker und der Frau mit den kalten Augen. Mit blutigem Ausgang.

Der Hauptdarseller aus „Papas Musik“ ist ein Verlierer. Hochverschuldet und tablettenabhängig verlegt er die Musik von abgehalfterten Künstlern. Als sein Sohn Jules zu Besuch kommt, entdecken sie ein gemeinsames Interesse: Die Musik. Der Vater erkennt das Talent seines Sohnes. Und er weiß: Das ist wahrscheinlich seine letzte Chance, finanziell die Kurve zu kriegen. Er springt ins kalte Wasser und nimmt das Album auf. Es ist die Geschichte von Hoffnung. Der Vater hat den Durchbruch immer vor Augen, hetzt hinter der Erlösung her, verfolgt von den Problemen der Vergangenheit. Dies mitanzusehen, lässt den Zuschauer mehrfach fast verzweifeln. Doch auch den Sohn verfolgt ein dunkler Schatten. Bis Hoffnung und Vergangenheit kollidieren.

In „Nur DJs gibt man den Gnadenschuss“ geht es um die Radiomoderatorin Christa. Sie gibt Gefängnisinsassen eine Stimme. Einer davon ist der IT-Spezialist Manu. Um aus dem Gefängnis herauszukommen, um seinen Sohn wiederzusehen, lässt er sich auf ein dunkles Spiel ein. Und der Schlüssel dazu ist Christa, die selbst auf der Suche nach etwas anderem ist. Sie verliebt sich in Manu. Und der muss sich entscheiden, doch da ist es schon zu spät.
Serie in Schwarz - Suite Noire (8 Thriller Collection)
(Suite Noire), Frankreich 2008
Verleih: edel Germany GmbH
Genre: Thriller-Serie
Gesamtlaufzeit: 488 Minuten (4er-DVD-Box)
Regie: Laurent Bouhnik, Emmanuelle Bercot,
Patrick Grandperret, Orso Miret, Guillaume Nicloux
Darsteller: Manuel Blanc, Jackie Berroyer,
Karole Rocher
DVD im Handel erhältlich

„Das TamTam der Angst“: Ein bisschen mehr Geld möchte er haben. Seit 20 Jahren arbeitet er als Zeichner für seinen Chef, und seitdem hat er keine Gehaltserhöhung erhalten. Tausend Franc mehr. Denn er und seine Frau können nicht mal mehr die Stromrechnung bezahlen. Doch der Verleger bügelt den Vorschlag ab. Stattdessen gibt er ihm einen neuen Auftrag. Er soll das „TamTam der Angst“ illustrieren. Es ist der Beginn eines Abstiegs in eine mystische Welt voll afrikanischer Zauberei, gepaart mit Intrigen, bösen Zungen und sexuellen Vorlieben. Und Rache.

Das „TamTam der Angst“ ist ein Juwel der Serie. Ein verträumter Künstler, von Geldproblemen geplagt, der plötzlich die finanzielle Sorglosigkeit vor Augen hat. Seine Frau, an den Rollstuhl gefesselt, kühl, am Ende. Sie hat die Schnauze voll, am Ende zu sein. Sie hat Angst vor der Zukunft. Der Verleger, alt, knausrig, geplagt von Ausschlag und Ekzemen. Der Künstler findet einen wertvollen Schemel und schwärmt von dem plötzlichen möglichen Geldsegen. Ihre Antwort: „Ich geh ins Bett“. Er schwärmt von dem baldigen Geld, seine Frau sorgt sich um die nächsten zwei Wochen ohne Strom, Gas und Telefon. Doch dieses Streben nach baldigem Glück endet in einer Ausnutzung. Es ist ein sehenswerter Mix. Das Zusammenspiel verschiedener Faktoren funktioniert. Es entwickelt sich eine Intrige, die kaum köstlicher und famoser sein kann, und geht über in eine Rache, die kaum böser und zynischer ausfallen konnte.

„Schönheit muss sterben“ ist mit Abstand der abgedrehteste Beitrag. Die Geschichte ist auf Messers Schneide gespielt. Der junge Detektiv Corbucci, gerade neu im Geschäft, stolpert in eine atemberaubende Räuberpistole um den Wahn nach Jugend und Schönheit. Es geht um Korruption, Ärzte, Politiker und Polizisten. Corbuccis Vorgehen ist dabei mehr als nur ungewöhnlich. Es ist einfach dreist. Und so ist es auch kein Wunder, dass er sich einige Feinde schafft.

„Die Stadt beisst“ ist durchzogen von Kälte. Es geht um eine kongolesische Zwangsprostituierte. Die illegale Einwanderin will raus, möchte Kunstmalerin werden. Als sie das Geld fast zusammen hat, wird es ihr gestohlen und die Mitbewohnerin ermordet. Sie sinnt auf Rache. Insgesamt eines der schwächeren Filme, auch wenn die Szenerie tief bedrückt.

Die "Serie in Schwarz" ist eine gelungene Hommage an die schwarze Serie der 40er Jahre. Die Mischung ist stimmig, die einzelnen Filme überraschen mit immer wieder neuen Thriller-Elementen - für Genre-Fans eine willkommene Abwechslung.

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