|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
Südafrika – ein Land, das in zwei Monaten das erste Mal Schauplatz und Austragungsort für die Fußballweltmeisterschaft sein wird, aber auch ein Land mit einer beklemmenden Historie. Die Apartheid gilt offiziell seit 20 Jahren als beendet und doch sind die Narben dieser Rassentrennung längst nicht verheilt. Ein friedliches und gleichberechtigtes gemeinsames Leben der weißen und schwarzen Bevölkerung scheint immer noch eine Illusion zu sein. Der südafrikanische Literatur- Nobelpreisträger John Marie Coetzee hat in seinem Roman Schande die Geschichte seines Landes treffend niedergeschrieben. Die Verfilmung des erfolgreichen Weltbestsellers gewährt bewegende Einblicke in persönliche Abgründe und politische Machtverhältnisse einer zerrissenen Gesellschaft. Kapstadt, Südafrika: Hier leben weiße Männer in Machtpositionen, die sie hemmungslos ausnutzen. Andere Weiße leben nicht weit davon in großer Gefahr. Beide Seiten lernt David Lurie (John Malkovich) kennen. Der gebildete Literaturprofessor arbeitet an der Universität Kapstadt und ist Vertreter der früheren weißen Oberschicht. Er ist der feinsinnige und sensible Professor, aber auch triebhafter Verführer, der gerne und subtil die Vorteile der Abhängigkeitsverhältnisse innerhalb der Universität für sich nutzt. Der mehrfach geschiedene 52-jährige zeigt offen seine Vorliebe für junge dunkelhäutige Frauen und so ist es kein Wunder, dass ihn seine Studentin Melanie Isaacs (Antoinette Engel) fasziniert. Aus Angst vor schlechteren Noten lässt sie sich auf eine Affäre ein, in der Hoffnung, Lurie würde bald das Interesse an ihr verlieren. Doch der Professor scheint von seiner jungen Studentin völlig besessen. Doch Lurie geht zu weit. Die Affäre kommt ans Licht und er wird vor eine Untersuchungskommission zitiert. Ohne jegliche Reue und hochmütig entzieht er sich einer Entschuldigung und legt seinen Posten nieder. Er besucht seine Tochter Lucy (Jessica Haines), die abgeschieden auf einer kleinen Farm lebt. Schnell merkt Lurie, dass die Realität hier eine andere ist. Weiße leben in ständiger Angst vor Überfallen, insbesondere Frauen. Und dann geschieht das Befürchtete, die vermeintliche Idylle verwandelt sich in einen Albtraum: Lucy und ihr Vater werden von drei Farbigen überfallen. Während er, mit Benzin übergossen und in die Toilette des Hauses eingeschlossen wird, wird seine Tochter mehrfach brutal vergewaltigt. Lucys Reaktion ist für Lurie völlig unverständlich – sie weigert sich, den Überfall und die Vergewaltigung bei der Polizei anzuzeigen. Doch es kommt noch tragischer – Lucy ist schwanger und will nicht abtreiben. Ihre radikale Entscheidung, das Kind zu behalten und sich von Petrus, ihrem farbigen Nachbarn, dessen Cousin einer der Täter war, beschützen zu lassen, stürzt sie und ihren Vater in einen Konflikt... Schande (Disgrace), AUS/Südafrika 2008 Verleih: Alamode Film (Alive) Genre: Drama Filmlaufzeit: 114 Minuten Regie: Steve Jacobs Darsteller: John Malkovich, Jessica Haines, Eriq Ebouaney, Antoinette Engel, Fiona Press, Scott Cooper, Monroe Reimers, Charles Tertiens DVD-VÖ: 26. März 2010 Ein Film zwischen Läuterung und Rache, der ohne Theatralik und Schuldzuweisungen eine nachhaltige Wirkung erzeugt. Schande stellt das frühere Machtgefühl der Weißen gegenüber den vermeintlich schwächeren Schwarzen auf den Prüfstein und präsentiert die Täter auf beiden Seiten. Der noch unbekannte australische Regisseur Steve Jacobs erzeugt durch ein Spiel aus Schärfe und Unschärfe und der Perspektive eine gewisse Intimität. Schonungslos blickt er in das Seelenleben seiner Charaktere. John Malkovich spielt den facettenreichen Literaturprofessor Lurie. Er verkörpert den klugen Intellektuellen, der offen seine Arroganz zur Schau stellt und sich auch mit seinen dunklen Seiten akzeptiert, nahezu perfekt in Gestik und Mimik. Besonders überzeugend stellt Jessica Haines die Metamorphose der Lucy dar. Die lebensfrohe Tochter Luries wird nach dem Vorfall zu einer gebrochenen Frau, die sich mit der Demütigung arrangiert. Sie scheint alle Verbrechen der Apartheid mit ihrem Verhalten sühnen zu wollen. Diese Verwandlung meistert Jessica Haines beachtlich. Die DVD-Specials sind viel versprechend – 56 Minuten lang kann der Zuschauer einen Blick hinter die Kulissen werfen und in Interviews mit den Hauptdarstellern erfahren, wie diese die Aussage des Films verstehen und wie die Arbeit am Set war. Fazit: Schande zeigt das Zusammenspiel von persönlichen Schicksalsschlägen und den sozialen Folgen der Apartheid vor einer wunderschönen und doch bedrohlichen Kulisse. Ein sensibler Film mit komplexen Charakteren, unterdrückten Emotionen und erotischen Beziehungen mit langem Nachwirkeffekt. Ganz großes Kino und ein Film, wie man ihn sich wünscht. Zum DVD-Start von Schande verlost campus-web 3 DVDs. Hier gehts zum Gewinnspiel.
|