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Jim Jarmusch hatte schon immer eine Vorliebe für stumme Helden. Wenig Worte, viele Bilder in langen Einstellungen, skurille Antihelden. In Limits of Control zelebriert Jarmusch die Philosophie von Bildern, reizt das Schweigen seiner Hauptfigur bis zum Äußersten aus und läßt den Zuschauer bis zum Schluss im Dunklen tappen. Der Mantel des Schweigens wird einfach nicht gelüftet. Ein Fremder, namenloser Mann (Isaach De Bankolé) trifft am Flughafen auf zwei verdächtig aussehende Männer, die ihn mit Instruktionen, einer Streichholzschachtel und philosophischen Weisheiten versorgen, bevor der Fremde mit einer dubiosen dunklen Tasche ein Flugzeug besteigt, scheinbar stundenlang durch Madrid gefahren wird, ein Hotel betritt, sich in ein Café setzt, andere Fremde trifft, die offenbar etwas mit seinem mysteriösen Auftrag zu tun haben. Während diese über Film, Bohemiens und Musikinstrumente philosophieren, um kurz nach ihrem Monolog wieder zu verschwinden, hüllt der Fremde sich in Schweigen. Dabei tauscht er immer wieder Streichholzschachteln in verschiedenen Farben, die kleine Zettel mit verschlüsselten Botschaften enthalten. Seine Tage gleichen einem Ritual: er meditiert, betet, verläßt das Hotel, trinkt zwei Espressi in zwei verschiedenen Tassen in einem Café, besucht Galerien und beobachtet. Die Kamera folgt seinen Augen, nahezu ununterbrochen. Sie entdeckt Skurilles, Rätselhaftes, Geheimnisvolles - zeigt sie dem Zuschauer ohne hinter die Fassade zu blicken, ohne nach einer Erklärung zu suchen. The Limits of Control USA/Spanien 2009 Verleih: Universum Film Genre: Thriller Filmlaufzeit: 116 min Regie: Jim Jarmusch Darsteller: Isaach De Bankolé, Gael Garcia Bernal, John Hurt, Tilda Swinton, Bill Murray DVD-VÖ: 11.12.2009 Stilisitisch ist Limits of Control durchaus beeindruckend. Schnörkellos und absolut puristisch verweigert Jarmusch sich jeglichen Konventionen des Unterhaltungskinos und treibt so den Zuschauer wohl eher an die Grenzen der Geduld als an die Grenzen der Kontrolle, die bei seiner Hauptfigur offenbar nicht existieren. Der agiert regungslos, stoisch, gleichgültig. Er beobachtet, aber er wertet nicht. Nicht einmal eine nackte Frau im Bett kann ihn aus der Ruhe bringen. Die größte Gefühlswallung ruft ein verständnisloser Kellner hervor, der die gewünschten zwei Espresso in einer Tasse und nicht, wie vom Gast gewünscht, in zwei separaten Tassen serviert. Dabei fährt Jarmusch in den Nebenrollen ein großartiges Cast auf, wie Tilda Swinton (Michael Clayton, Burn after reading), Bill Murray (Lost in Translation, Broken Flowers oder John Hurt (Alien, Dead Man). Jarmusch baut ein feines Gerüst aus Metaphern und Anspielungen, Dopplungen und Spiegelungen, die viel Deutungsraum bieten, dem Zuschauer aber auch enorm viel Geduld und feines Gespür für Jarmuschs Detailverliebtheit abverlangen. Während er Anfangs noch mit westlichen Klischeevorstellungen spielt und dem Zuschauer die Illusion eines geplanten Anschlags implantiert, zieht er sich schon bald ganz von der Handlung zurück, konzentriert sich nur noch auf die Metaebene des Films. Seine Verweise bleiben häufig nur Insidern vorbehalten, wie Tilda Swintons Monolog über Orson Welles Film Noir The Lady from Shanghai, in dem eine Femme fatale ihr Ende in einem Spiegelkabinett findet. Spiegel sind nur ein wiederkehrendes Motiv in Limits of Control. Immer wieder zitiert der Film sich selbst. Worte, Gesten, winzige Handlungsstränge werden wiederholt, und das ist der Reiz an diesem Geduldsspiel - die eigene Deutung, die Suche nach dem Sinn dieses Films, der keinen Spannungsbogen hat und auf dramaturgische Höhen verzichtet, vielleicht aber doch für den einzelnen zur meditativen Entdeckungsreise wird. Lust auf Jarmuschs meditative Bilderflut? Dann macht mit bei unserem Gewinnspiel und gewinnt eine von zwei Blu-rays.
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