campus-web Bewertung: 2/5
   
 

   
 

   
Die USA Anfang der 30er Jahre: die Wirtschaftskrise hat das Land im Griff, die Wut der Bürger auf die sie abzockenden Banken wächst. Genau in diesem Moment taucht der Profi-Bankräuber John Dillinger (Johnny Depp) auf, befreit seine Bande aus dem Staatsgefängnis in Indiana, und begibt sich mit ihnen auf einen Raubzug durch mehrere Banken und Staaten. Schnell gelangt er zu medialem Ruhm, man stilisiert ihn als eine Art modernen "Robin Hood".

Die Regierung vertraut dem sich im Aufbau befindlichen FBI den Fall an, welches Dillinger zum ersten "Staatsfeind Nummer Eins" erklärt und den Sonderermittler Melvin Purvis (Christian Bale) auf ihn ansetzt. Eine mehrere Monate dauernde Jagd beginnt, erst als ihn die Zimmernachbarin seiner Freundin Billie Frechette (Marion Cotillard) verrät, kommt es zum endgültigen Showdown.

Die auf wahren Tatsachen beruhende Story um John Dillinger bietet an sich eine gute Grundlage für die Verfilmung eines typischen Gangsterepos, jedoch gelingt es den Drehbuchautoren nicht, diese entsprechend zu fassen. Die Story bleibt unspektakulär, rechte Spannung will nicht aufkommen, und zieht sich dadurch teilweise enorm in die Länge. Die Dialoge bleiben ebenfalls oberflächlich, teils sogar nichtssagend. Der Höhepunkt des Textes ist mit Dillingers locker-flockigem Einwurf "Ich raube Banken aus" erreicht, womit denn auch die Story um ihn schon zusammengefasst wäre. Die Aussagen bleiben flach, eine wirkliche Vertiefung der Gespräche und Kommentare bleibt aus, obwohl es sich an mancher Stelle angeboten hätte, dem Zuschauer mehr Hintergrund-Informationen zu geben oder mit Hilfe einiger handfester Schlagabtausche zumindest etwas Spannung aufkommen zu lassen.

Mit Johnny Depp und Christian Bale holte sich der Regisseur Michael Mann (Collateral, Insider) zwar zwei von Hollywoods "Großen" ans Set, es zeigt sich hier wieder einmal deutlich, dass Namen allein einen schlechten Film auch nicht unbedingt gut werden lassen können. Die bessere Figur gibt dabei noch Johnny Depp ab: in seinem einschlägig bekannten, ganz eigenem Schurken-Stil spielt er den kühlen und dadurch lässig wirkenden Bankräuber John Dillinger, der durch seinen Darsteller zumindest etwas Charisma und Persönlichkeit verliehen bekommt. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt er dadurch trotzdem nicht, denn auch wenn Depp eine gewohnt exzellente Schauspielleistung abliefert, fehlt ihm einfach die richtige Textgrundlage, um die Rolle wirklich ansprechend gestalten zu können.
Public Enemies
(Public Enemies), USA 2009

Verleih: Universal
Genre: Action/Gangsterfilm
Filmlaufzeit: 134 min
Regie: Michael Mann
Darsteller: Johnny Depp, Christian Bale,
Marion Cotillard
DVD-VÖ: 10.12.2009


Noch bedeutungsloser wirkt die Figur des FBI-Agenten Melvin Purvis (Christian Bale). Überzeugt der erste Auftritt noch mit ausdrucksstarkem Mantelwehen, düsterem Blick und angedeuteter Durchsetzungskraft, flaut dieses Bild danach beständig ab. Schließlich verliert es sich in einem elendigen Dahin-Schleppen des Charakters, der immer deplatzierter wirkt. Die Nebendarsteller versinken völlig in der Versenkung.

Das, was an Text und zeitweiliger Schauspielleistung fehlt, sollte wohl durch Gewalt- oder Schußszenen wett gemacht werden, mit denen man im Gegensatz zu den anderen Aspekten nicht geknausert hat. Für einen reinen Actionfilm sind wieder zu viele langatmige Pausen zwischen den Konfrontationsszenen, die man erst einmal überbrücken muss. So gelingt es letztlich nicht einmal, die typische Schnelligkeit eines klassischen Gangsterfilmes zu kreieren. Der einzige Pluspunkt findet sich in einem glasklaren Bild, welches der HD-Digicam des Kameramannes zu verdanken ist. So gelingen zumindest die dominierenden Nachtszenen trotz Dunkelheit messerscharf und verleihen dem Film wenigstens optisch eine anständige Qualität.

Darüberhinaus bleibt der Regisseur einem gradlinigen Stil treu, indem er die Bilder konsequent in dunkle Farbtöne in grau und braun taucht und so zumindest ein wenig der Atmosphäre eines alten Schwarz-Weiß-Klassikers aufkommt. Wenigstens der verbrecherische Untergrund der 30er Jahre und seine kalte Stimmung kommen recht authentisch daher.

Die Extras der DVD bieten mit diversen Dokumentationen über den historischen Hintergrund oder die Original-Drehorte zumindest einmal einen Einblick in die im Film vernachlässigten Hintergründe über die wahre Story, warten ansonsten jedoch auch nicht mit irgendwelchen Besonderheiten auf.

Alles in allem stellt der Film eine herbe Enttäuschung dar. Viele Szenen wirken sehr gestellt, wodurch kein flüssiger Handlungsablauf entstehen kann. Er zieht sich unglaublich in die Länge, ohne dass dabei ein großartiger Inhalt präsentiert werden würde. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass die meisten Entwicklungen und Geschehnisse vorhersehbar sind. So fehlen Überraschungseffekte, die eine gewisse Spannung aufkommen lassen könnten. Empfohlen werden kann der Film somit höchstens den Dozenten einer Filmhochschule, damit sie ihren Schülern einmal anschaulich vor Augen führen können, wie man es eben nicht machen sollte.



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