campus-web Bewertung: 3/5
   
Sptsommer 1943: In einem kleinen weirussischen Dorf haben sich deutsche Besatzer eingenistet und genieen scheinbar fernab vom deutsch-sowjetischen Kriegsgeschehen das idyllische Landleben. Zwischen dem SS-Soldaten Franz und dem Bauernmdchen Polina erwacht eine vorsichtige Zuneigung, die schon bald auf die Probe gestellt wird, als das Dorf von den Besatzern niedergebrannt und alle Bewohner liquidiert werden sollen. Franz verweigert sich dem Befehl und flieht mit Polina in die angrenzenden Wlder. Im berlebenskampf gegen Klte und Hunger geraten sie immer wieder zwischen die Fronten deutscher Truppen und weirussischer Partisanen.

Aufwendig inszenierte Kriegsschaupltze und direkte Gewalt kommen in der abseits des Mainstreams angesiedelten Produktion Franz + Polina nicht vor. Der Film konzentriert sich fast ausschlielich auf die persnliche Beziehung der beiden Protagonisten. Wortkarge, oft nur durch Gerusche und Musik untermalte Szenen schildern unaufdringlich die schwierige Annherung des deutschen Soldaten und der jungen Weirussin, die sich mit Worten nicht verstndigen knnen. Als dauerhafte Problematik steht Franz SS-Vergangenheit zwischen dem Paar. Glaubhaft gelingt es den beiden Jungschauspielern diese Konstellation umzusetzen, ohne in Sentimentalitt oder Kitsch zu verfallen. Trotz langer Einstellungen und handlungsarmer Abschnitte behlt der zweistndige Film dadurch bis zum Schluss eine eigentmliche Intensitt.
Franz + Polina, (RUS 2006)
Verleih: Sunfilm
Genre: Kriegsdrama
Filmlaufzeit: 119 min
Regie: Michael Segal
Darsteller: Adrian Topol, Svetlana Ivanova,
Andrej Merzlikin, Tamara Mironowa


Gegenber den Kriegsbeteiligten bleibt der Debtfilm des russischen Regisseurs Michael Segal berraschend positionslos. uerst ambivalent werden die deutschen Besatzer inszeniert, deren Verhalten gegenber den Einheimischen zwischen wohlwollend und grausam schwankt. Auch die Partisanen stellen nicht ausnahmslos Helden im Kampf gegen die deutschen Angreifer dar. Selbst die weirussische Zivilbevlkerung tritt im Film mehrfach aus ihrer Opfer- in eine Tterrolle. Neben der detaillierten Schilderung des Paares und dessen Flucht deutet der Film die Komplexitt der am Krieg beteiligten Akteure allerdings nur oberflchlich an. So vermag es Segal letztlich nicht, einen Beitrag zum historischen Diskurs zu leisten: Der Film bleibt ein Liebesdrama mit verwaschenem Kriegshintergrund.

Das auf der DVD mitgelieferte Bonusmaterial bietet neben einigen verzichtbaren Trailern ein etwa 40-mintiges Making Of mit Aufnahmen der Dreharbeiten und ausfhrlichen Interviews der Hauptdarsteller. Whrend der Film durch groe farbliche Kontraste und wenig Tiefenschrfe oft den Eindruck unwirklicher, kulissenartiger Hintergrnde erzeugt, kann der Zuschauer sich im Making Of davon berzeugen, dass tatschlich alle Szenen vor realen Settings gedreht wurden.

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