campus-web Bewertung: 3,5/5
   
 

   
Der Anfang gibt das Tempo vor: Bewegung, diffuses Licht, Unschärfen. Stärker als im Original, einer TV-Serie der BBC, baut die Neuverfilmung von State of Play auf schnelle Schnitte, eine komprimierte Handlung und akzentuierte Vertonung. Im Ergebnis ist der Film von Kevin Macdonald (Der letzte König von Schottland) ein moderner Polit-Thriller mit Dogma-Ambitionen. Warum der Stoff ein weiteres Mal auf die Leinwand gebracht wird, bleibt jedoch unklar. Es wurde gekonnt kopiert, statt neu interpretiert.

Die ersten Szenen werfen nichts als Fragen auf. 122 Minuten Spieldauer sollen Antworten erbringen. Szene für Szene, mit jedem neuen Charakter, jedem Hinweis, wird in State of Play eine weitreichende Verschwörung aufdeckt. Matthew Michael Carnahan hat das Drehbuch geschickt übernommen - nie wird zuviel verraten, der Aha-Effekt lässt bis zur letzten Minute auf sich warten. Als Zuschauer ist man ebenso schnüffelnder Journalist wie Enthüllungsjournalist Cal McAffrey (Russel Crowe), seine Partnerin Della (Rachel McAdams) und die Zeitungs-Chefin Cameron (Helen Mirren).

Vom Mord zum Regierungskomplott

Ein versuchter Mord und zwei Todesfälle eröffnen den Plot. Dem Anschein nach drei voneinander völlig unabhängige Gewalttaten. Doch bei einem derOpfer handelt es sich um die Assistentin und Geliebte des aufstrebenden Politikers Stephen Collins (Ben Affleck). Stephen, ein alter Freund Cals, ist nicht nur der Hoffnungsträger seiner Partei, er ist auch in die Untersuchung des einflussreichen Unternehmens Point Corps verwickelt. Ein Unternehmen, das selbst vor Morden nicht zurückschreckt, wenn es darum geht, die eigenen Interessen zu schützen.

Vertuschungsversuche, Lügen und Geheimnisse werden durch Recherche und journalistische Kniffe ans Licht gebracht. Die Wahrheit gibt der Film erst am Ende preis. Es lohnt sich, dabei zu bleiben. Der Plot ist schlüssig und der Spannungsbogen wurde gekonnt aufgebaut. Eine gute Story, der dieses Remake nichts anhaben konnte. In der optischen Umsetzung überzeugt die Handkamera, Beleuchtung und Einstellungen vermitteln Realitätsnähe.
State of play - Stand der Dinge
(State of play), USA 2009

Verleih: Universal
Genre: Polit-Thriller
Filmlaufzeit: 127 Minuten
Regie: Kevin Macdonald
Darsteller: Russell Crowe, Ben Affleck, Helen
Mirren, Rachel McAdams, Robin Wright-Penn
DVD-VÖ: 12.11.2009


Charaktere mit Charakter?

Mit Bauchansatz und zerzaustem Haarschopf mimt Russell Crowe den unkonventionellen, lockeren und lebensbejahenden Journalisten. Sowohl diese Charakterzüge als auch die volle Konzentration und Ernsthaftigkeit bei der Arbeit sowie Sensibilität und Emotionalität gegenüber Freunden und Kollegen stellt er überzeugend dar. Ben Affleck übernimmt die Rolle des korrekten Politikers. In seiner Rolle permanent in die Ecke gedrängt, hat er wenig Möglichkeiten spielerisch daraus auszubrechen. Affleck entwickelt sein Spiel so intensiv wie möglich und zeigt, dass er mehr ist als "nur" der beste Freund von Matt Damon.

Helen Mirren als abgebrühte Chefin gibt sich in State of Play weniger königlich als zuletzt in ihrer Rolle als Queen of England. Statt in Tweed gekleidet ein Königreich zu führen, lenkt sie entschlossen die Geschicke ihrer Zeitung. Erfrischend, dass sie außerdem - in Anlehnung an Bill Nighy im Original - einen bestechenden Humor an den Tag legt. Einzig Rachel McAdams sieht blutleer aus. Einfallslos durchläuft sie die typischen Stadien einer weiblichen Nebenrolle: Cal McAffrey ist ihr ein Dorn im Auge, sie sieht sich gezwungen mit ihm zusammen zu arbeiten, sie respektiert ihn widerwillig.Erst, als sie in Gefahr gerät, respektiert sie ihn ohne Widerwille.

State of Play ist ein gekonnter Aufguss. Neu eingebaute Storylines gehen jedoch baden, wie der Running Gag, dass Della nie einen Stift zur Hand hat. Seine traurige Pointe erlebt der Witz in Form einer selbstgefertigten Kette aus Stiften. Eine Randgeschichte, die Kevin MacDonald sich hätte sparen können.

Alle weiteren Pointen sind aber treffsicher und wirkungsvoll. Cast, Look und Story machen aus State of Play eine runde Geschichte. Anschauen lohnt sich unter zwei Bedingungen: man hat nicht bereits die TV-Serie gesehen oder einer der Schauspieler zählt zu seinen persönlichen Favoriten.


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