campus-web Bewertung: 3,5/5
   
 

   
Rund zwei Monate nach dem Tod der Schauspielerin Ruth Drexel und somit dem endgltigen Ende der bavarophonen Kultserie trstet der Verleih polyband die nicht geringe Schar an Bullen-Jngern mit der Verffentlichung der Staffeln 11 und 12 auf DVD.

Vor etwa 14 Jahren traten Ottfried Fischer, Katerina Jacob und eben Ruht Drexel an, die Bundesrepublik und sterreich wissen zu lassen, dass es in der oberbayrischen Provinz alles andere als langweilig zugeht. Im Gegenteil: Im Bad Tlz des 'Bullen' tun sich regelmig menschliche Abgrnde auf, Korruption steht an der Tagesordnung und es wird ehegebrochen, betrogen und gemordet was das Zeug hlt.

Schwergewichtiger Kern dieses Kosmos war Ottfried Fischer als Hauptkommissar Benno Berghammer, den man beleibe nicht mgen muss, dem seine Fhigkeiten als charismatischer Darsteller aber nicht abzusprechen sind. Tatschlich trug Fischers Status als Unsympath wohl zum Erfolg der Serie mageblich bei, da neben Mord und Totschlag vor allem das persnliche Verhltnis der einzelnen Figuren immer eine wichtige Rolle spielte.

Hierbei gewinnt 'der Benno' nicht zuletzt dadurch Profil, da er mit Kollegin Sabrina Lorenz (Jacob) und seiner Mutter Resi (Drexel) von zwei sehr starken Frauenpersnlichkeiten eingerahmt wird, deren Sticheleien zuweilen Mitleid erzeugen knnen, auch wenn Berghammer durch seinen Zynismus, seine offene Frauenfeindlichkeit und als Stammgast im 'Hotel Mama' zu nicht geringem Anteil daran selbst schuld ist. So darf Benno sich von seiner Sabrina anhren er habe "den Charme einer Kchenschabe" oder wird wegen der Bemerkung: "I bin Bayer, i bin Kultur", mit einem trockenen "Armes Bayern!" abgekanzelt.

Der Bulle von Tlz - Staffeln 11+12, (D 2008)
Verleih: polyband
Genre: Heimat-Krimiserie
Gesamtlaufzeit: ca. 1080 min (6 DVDs)
Regie: Euros Lyn, Ciaran Donnelly
Darsteller: Ottfried Fischer, Katerina Jacob, Ruth Drexel,
Gerd Anthoff, Michael Lerchenberg, Udo Thomer
und viele Gaststars
DVD-V: 24.04.2009


Als flliger Anti-Held stapft der Protagonist daher mit herabhngenden Schultern von Tatort zu Tatort, stets mit dem fr ihn typischen, schiefem Grinsen ber Bsewichter, zwielichtige Politiker, aber auch andere feste, den fetten Loser fast immer unterschtzende 'Tlzer Gren' wie den Baulwen Anton Rambold oder den Kirchenmann Prlat Hinter triumphierend, die es daher zumeist kalt erwischt, was seine lustige Wirkung nie verfehlt. berhaupt lebt der Bulle vom schwarzen, nicht immer politisch korrekten Humor und von einem augenzwinkernden Blick auf alltgliches - oftmals auch Kritikwrdiges.

Die Staffeln 11 und 12 bieten in diesem Sinn gewohnte Kost auf gewohnt hohem Niveau:
Die Darsteller sind allesamt gut in Form, wobei 'in der zweiten Reihe' Gerd Anthoff als charismatisch-durchtriebener Lokalkapitalist Toni Rambold besonders brilliert und die Bcher sind (wie beim Bullen eigentlich immer) gut und phantasievoll geschrieben. So ist man sich doch bei den meist sehr anspruchsvoll gesponnenen Netzen aus Verdchtigen und Dritten, die aus politischen, wirtschaftlichen oder katholischen Grnden 'irgendwie mit drin hngen' bis zum Schlu nie ganz sicher, wer jetzt eigentlich der Tter ist.

Gesellschaftliches, wie etwa eine Kundgebung gegen ein Bauvorhaben 'vom Toni' im Naturschutzgebiet oder eine Veranstaltung zur 'Frderung der moralischen Sauberkeit' werden wiederum nur sehr stilisiert dargestellt, was zunchst ein wenig naiv daherkommt, vor dem Hintergrund, da beim 'Bullen' so einiges von der alten Mnchner Satire-Zeitung Simplicissimus inspiriert ist, jedoch Sinn macht und eigentlich ziemlich cool ist. Auch die CSU bekommt ihr Fett weg, namentlich zwar nie genannt, aber wenn Benno von der "alleinseligmachenden bayrischen Eineitspartei" spricht, ist klar, wen er meint.

An der DVD-Box wirklich nervttend ist die Titelmusik, mit der man im Menu wieder und wieder als Endlosschleife beschallt wird. Auerdem mag sich die Tatsache, da alle 11 Folgen in Spielfilmlnge zu bewundern sind, fr Fans nach einer tollen Sache anhren. Fr Normalsterbliche sind ca. 90 Minuten pro Folge ohne Werbung aber einfach zu viel. Besonders in der zweiten Hlfte entstehen mitunter doch unntige Lngen entstehen.

Unterm Strich bleibt zu sagen, dass Ottfried Fischer nun wahrlich nicht jedermanns Sache sein mag und trotzdem nicht bestritten werden kann, dass es sich hier um wirklich gute Fernsehunterhaltung handelt. An sprachlichen Exotismen wie: "Hoam sie den Toten kennt?" hat man wirklich seinen Spa. Fr Fans sicherlich ein Muss, allen anderen sei zumindest empfohlen, bei Gelegenheit mal im TV oder Netz hineinzuschnuppern.

Habe die Ehre Benno

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