Campus-Web Bewertung: 3,5/5
   
 

   
 

   
Großbritannien 1966. Eine neue Epidemie ist auf dem Vormarsch. Die Regierung sorgt sich um das Wohl der Jugend, um Moral und Tugend. Doch die Ausbreitung der Epidemie ist nicht mehr aufzuhalten: es ist der Rock´n´Roll! Während die BBC diesem Phänomen gerade mal zwei Stunden Spielzeit pro Woche einräumt, haben es sich einige mutige Rebellen zur Aufgabe gemacht, den Rock´n´Roll in die Welt hinaus zu tragen. "Radio Rock" sendet rund um die Uhr und das mitten aus der kalten Nordsee. Die schräge Truppe um Kult-Moderator "The Count" (Phillip Seymour Hoffman) und Oberhaupt Quentin (Bill Nighy) lebt nur für eins - die Musik. Millionen Menschen teilen diese Leidenschaft mit ihnen und hängen Tag für Tag und vor allem nachts gebannt am Radio. Nur einem ist das ein Dorn im Auge: Regierungsminister Dormandy (Kenneth Branagh) befürchtet den großen Sittenverfall und tut alles, um diesem wilden Treiben Einhalt zu gebieten.

Als ob es damit nicht genug wäre, haben die Radio-DJs mit Eifersüchteleien, Fans und Schiffbruch zu kämpfen. Inmitten dieser Turbulenzen steckt Carl (Tom Sturridge), der ein paar Lebensweisheiten von seinem Patenonkel Quentin (Bill Nighy) - Boss von "Radio Rock" - lernen soll. Ob Sex, Drugs & Rock´n´Roll die richtigen Lektionen sind? Aber immerhin ist Carls Mutter (Emma Thompson) eine "Sex-Legende".

Drehbuchautor und Regisseur Richard Curtis hatte als Produzent ja schon immer ein Händchen für Romantik - armer Buchhändler trifft Schauspielerin (Notting Hill), leicht übergewichtige und frustrierte Durchschnittsfrau findet die große Liebe (Bridget Jones). Nach Tatsächlich...Liebe führt Curtis nun zum zweiten Mal selbst Regie und zeigt diesmal eine ganz andere Form von Romantik: die Liebe zum Rock´n´Roll und die einzig wahre Liebe, die es ohnehin nur unter Männern gibt. Die DJ-Crew an Bord von "Radio Rock" besteht nämlich ausschließlich aus Männern. Einzige Frau an Bord ist die lesbische Köchin Felicity (Katherine Parkinson). Ansonsten wird das weibliche Geschlecht nur zu besonderen Anlässen geduldet - schließlich gehört die Fleischeslust zum Rock´n´Roll wie Mick Jagger zu den Rolling Stones. Die Frauen sind in Radio Rock Revolution zwar eher Nebensache, dafür scheinen sie aber wie einer ausschweifenden Männerfantasie entsprungen: sie sind stets willig, kennen keine Hemmungen, reden eher wenig und sind dabei völlig unkompliziert - Intelligenz ist unwichtig. Und wenn mal eine aus der Reihe tanzt, dann ist sie entweder eine Lesbe oder eine gemeine, berechnende Herzensbrecherin.
Radio Rock Revolution
(The Boat that rocked), GB 2008

Verleih: Universal Home
Genre: Musik-Komödie
DVD-Laufzeit: 129 min
Regie: Richard Curtis
Darsteller: Bill Nighy, Phillip Seymour Hoffman,
Rhys Ifans, Nick Frost, Kenneth Branagh,
Emma Thompson, Katherine Parkinson
DVD-VÖ: 27.08.2009


Über das hier gezeigte Frauenbild kann man sicher streiten, doch das tut dem Spaß keinen Abbruch, den dieser schräge Ensemblefilm bietet. Die "Radio Rock"-DJs sind skurill, einzigartig, knallbunt und schrullig. Allein ihre Outfits sind ein absoluter Hingucker. Phillip Seymour Hoffman glänzt als mürrischer Brummbär "The Count", der für die Liebe zum Rock sogar seine Höhenangst überwindet und wirkt sogar sexy. Nick Frost beweist als Womanizer Dave, dass man nicht unbeding gut aussehen muss, um Frauen reihenweise flachzulegen und Bill Nighy darf nach Tatsächlich...Liebe endlich mal wieder sein Talent als Tänzer beweisen. Seine unnachahmlichen Verrenkungen und wellenförmigen Bewegungen sind einfach zum Brüllen komisch. Wenn er mit todernster Miene von vergangenen Zeiten und der Zukunft von "Radio Rock" spricht oder seinem Patensohn den Ernst des Lebens erklärt, kann man sich nur still ins Fäustchen lachen. Nighy hat eben das große Talent, besonders komisch zu sein, wenn er ernst ist. Abgerundet wird das großartige Schauspielerensemble durch Kenneth Branagh, der den konservativen Regierungsminister mit so viel Steifheit und Verbohrtheit darstellt, dass man ihn erst auf den zweiten Blick erkennt und jedem halbwegs liberalen Menschen das Blut in den Adern gefriert.

Eine weitere Hauptrolle spielt die Musik. Curtis selbst war als Kind begeisterter Hörer von "Piratensendern" und sorgte dafür, das viele seiner Lieblingssongs im Film ihren Platz finden. Ob Dusty Springfield, The Who, Mimi Hendrix oder Cat Stevens - der Soundtrack liest sich wie ein "Best of the 60ies"-Album.

Richard Curtis ist mit Radio Rock Revolution eine bunte Musikkomödie mit einer gut aufgelegten Schauspielerriege gelungen. Wer die Musik und den Lebensstil der 60er Jahre mag, wird diesen Film lieben. Aber Vorsicht für alle mit Anspruch: Handlung ist reine Nebensache und irgendwann verliert man angesichts der Vielzahl an Charakteren den Durchblick. Das große Finale erinnert an Titanic und scheint in seiner Dramatik ziemlich überkonstruiert und irgendwie an den Haaren herbeigezogen. Wenn man daürber hinwegsehen kann, erwarten den Zuschauer aber zwei Stunden gute Unterhaltung mit einem tollen Soundtrack.

Die DVD-Extras sind kaum der Rede wert - lediglich ein paar magere unveröffentlichte Szenen und ein paar Audiokommentare sind enthalten, doch das "rockende Boot" steht auch gut für sich - ohne großartige Making ofs.

***Trailer******Homepage***

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