Das Leben des George W. Bush wertneutral zu verfilmen ist eine schwere Brde. Aber wer, wenn nicht der Meister des politischen Dramas Oliver Stone htte sich dieser Aufgabe annehmen sollen? Der Mann, der mit seinen Werken ber JFK und Nixon fr Kontroversen gesorgt hat, setzt George Bush II. als eine Person in Szene, die wenigen Europern bekannt ist. Er bleibt dabei eng an der realen Biografie und verzichtet auf den mutwilligen Versuch, Lacher zu erzeugen.

Einige "Bushisms" wurden zwar eingestreut und die Hilflosigkeit, mit der der Politiker Bush zeitweise agierte, wird nicht verschwiegen, das alles geschieht aber nicht, um ihn durch den Kakao zu ziehen, sondern um die Realitt abzubilden.

Der Haupthandlungsstrang des Films fhrt von der Entscheidungsfindung, den Irak anzugreifen und der Vorbereitung des Feldzugs bis zur erstaunlichen Erkenntnis, dass Sadam Hussein keine Massenvernichtungswaffen besa. All dies erlebt der Zuschauer in diversen Sitzungen des Beraterstabs inklusive Cheney, Rice und Rumsfeld. Daneben wird das Leben des 43. Prsidenten der Vereinigten Staaten in episodenhaften Rckblenden nacherzhlt: Von seiner wilden Zeit als "Fratboy" in Yale und den alkoholgeschwngerten Jahren als erfolgloser Unternehmer, bis zur Luterung und dem Wandel zum (extrem) glubigen Christen. Was danach folgte, ist weitgehend bekannt: W. wird erst Gouverneur von Texas und zieht im Jahr 2000 ins Weie Haus ein.
W. - Ein missverstandenes Leben
(W.), USA 2008

Verleih: Ascot Elite
Genre: Satire
Filmlaufzeit: 124 min
Regie: Oliver Stone
Darsteller: Josh Brolin, Elizabeth Banks,
Ellen Burstyn, Richard Dreyfuss, Scott Glen
DVD-Verffentlichung: 20.01.2009


Oliver Stones Film vermittelt uns, dass der Protagonist weder fr seine Erfolge noch seine Misserfolge in vollem Umfang selbst verantwortlich ist. Stets spielt er den selbstbewussten Macher, ist aber doch nur Produkt seiner Umgebung. Ob er sich nun mit voller Leidenschaft der Bruderschaft hingibt und dadurch zum Trinker wird oder fr das Amt des Gouverneurs kandidiert und zur sprechenden Puppe seines Beraters Karl Rove mutiert. Alle Entscheidungen seiner Prsidentschaft werden ihm mehr oder weniger von auen diktiert. Daneben wird am Ende des Films klar: Patriot Act, Krieg im Irak, wirtschaftlicher Niedergang all das verdanken die USA nur dem verzweifelten Versuch eines Sohnes, die Liebe seines "Poppy" zu bekommen. So ist W. die schn erzhlte Geschichte eines Mannes der auszog, um Anerkennung zu finden, dabei aber an den falschen Helfern scheitert.

Schade, dass Hauptdarsteller Josh Brolin scheinbar kein besonders guter Stimmenimitator ist, so dass der auf der DVD mitgelieferte Originalton relativ verzichtbar ist. Das Bonusmaterial ist etwas dnn und hat auer ein paar Trailern, Biografien und Interviews nichts zu bieten. Die Interviews mit den Darstellern sind in Teilen aber doch interessant, da hier auch Fragen zur realen Persnlichkeit ihres Charakters beantwortet werden.

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