Campus-Web Bewertung: 3/5
   
 

   
 

   
"Es geht mir gut!" betont Frank (Ben Kingsley, Lucky Number Slevin, Schindlers Liste). Mit stoischer Trauermine und Strickmütze auf dem Kopf schiebt er den Schnee beiseite und wärmt sich dabei regelmäßig mit einem Schluck Wodka auf. Frank ist Profikiller im beschaulichen Buffalo und eigentlich richtig gut. Doch in letzter Zeit gingen einige Aufträge daneben. Als er auch noch die Ankunft des irischen Mafia-Bosses O´Leary im Wodka-Rausch verschläft, ist das Maß voll. Die "Familie" macht sich Sorgen und beschließt. Frank für eine Weile nach San Francisco zu verfrachten. Dort soll er regelmäßig Treffen der Anonymen Alkoholiker besuchen und damit er sich nicht allzusehr langweilt, auch noch einen Job bei einem Bestattungsunternehmen übernehmen.

Kaum in Frisco angekommen, hat Frank aber schon wieder die Flasche am Hals. Doch dann taucht der zwielichtige Immobilienmakler Dave (Bill Pullman, Independence Day, Während du schliefst) auf, den die "Familie" als Babysitter verpflichtet hat. Sonderlich angsteinflößend wirkt Dave zwar nicht gerade, aber die regelmäßigen Androhungen, bei der Familie zu petzen, machen dann doch Eindruck auf Frank. Also geht er brav zu den AAs und findet auch langsam Gefallen an seinem Job als "Leichenkosmetiker". Als er dann auch noch die aparte Laurel (Téa Leonie, Jurassic Park III, Dick und Jane) kennenlernt, scheint das Glück perfekt. Schließlich will Frank so schnell wie möglich trocken werden, um "Leute wieder Vollzeit umbringen zu können".

Doch ganz so leicht ist es dann doch nicht, mit dem Trinken aufzuhören und da ist dann ja auch noch die "Familie"...

Gangsterkomödien sind in den letzten Jahren groß in Mode gekommen. Die Zutaten sind recht simpel: ein abgehalfterter, meist lakonischer Killer, der über den Sinn des Lebens nachdenkt, ein paar skurille Figuren drumherum und jede Menge zynische Endlos-Dialoge. Dieses Rezept hat Regisseur John Dahl nun auch für You kill me angewandt und konnte eine ganze Reihe namhafter Darsteller verpflichten. Ben Kingsleys charismatisches, kantiges Köpfchen empfiehlt sich ja spätestens seit Sexy Beast für die Rolle des Gangsters in der Krise und amüsiert auch hier wieder mit seinem zurückhaltenden Spiel, in der er seine Figur permanent zwischen tragischer Verzweiflung und komischer Tolpatschigkeit schwanken läßt. Seine eindringliche, mitleiderregende Mimik in Verbindung mit der Vorstellung des eiskalten Präzisionskillers lassen ihn noch zynischer und makabrer erscheinen, als es die Thematik ohnehin schon gebietet.
You kill me, USA 2007
Verleih: Koch Media
Genre: Gangsterkomödie
Filmlaufzeit: 93 min
Regie: John Dahl
Darsteller: Ben Kingsley, Téa Leonie,
Luke Wilson, Bill Pullman
DVD-Veröffentlichung: 21.11.2008


Luke Wilson (Todeszug nach Yuma, Familie Stone - Verloben verboten) überzeugt als homosexueller Alkoholiker, der für Frank zum guten Freund wird und ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. Das Ensemble wird durch die smarte Théa Leonie ergänzt. Ihre Figur der Laurel passt selbstverständlich auch haargenau ins Schema F der Gangsterkomödien-Frauentypen. Zunächst ahnungslos verliebt sie sich in den Berufskiller, reagiert fast ungerührt, als sie die Wahrheit erfährt und wird zum Schluss selbst zum Waffenprofi.

Trotz der tollen Darsteller und der vielversprechend klingenden Story kommt You kill me nicht über das gesunde Mittelmaß hinaus: Die Story wird schleppend erzählt und will einfach nicht in Schwung kommen. Die Dialoge sind zwar witzig, spröde und schön zynisch, haben aber zu wenig Tempo, um wirklich zu zünden. Guten Unterhaltungswert haben hingegen die AA-Treffen, die eher an eine Sitzung der Wohnungsbaugenossenschaft erinnern. So unemotional komisch wirkende Selbsthilfegruppen-Reden gab es seit Fight Club nicht mehr. Achja, und Ben Kingsley als Superkiller in Feinripp-Unterwäsche gibt noch mal einen Punkt mehr auf der Lacherskala.

Alles in allem ist You kill me eine durchschnittliche Gangsterkomödie geworden, die nicht ganz an so große Vorbilder wie Pulp Fiction oder das grandiose Brügge sehen...und sterben? heranreicht. Dafür wartet der Film mit einem außergewöhnlichen Soundtrack und einer Top-Darstellerriege auf.

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