Campus-Web Bewertung: 4,5/5
   
Es ist ein ganz normaler Tag, an dem ein schwerer Schicksalsschlag die Familie Sandburg trifft. Bei einem ihrer regelmigen Besuche im Park verschwindet Julia Sandburgs Tochter spurlos. Auch in den folgenden sechzehn Jahren kann der Fall nicht endgltig aufgeklrt werden. Julia kann den Verlust nicht verarbeiten, die Ehe mit Doug (David Rasche) zerbricht unter dem emotionalen Druck, fr ihren Sohn Chris (Alessandro Nivola) kann sie keine Zuneigung empfinden. Zurck bleibt eine einsame, verletzliche und zurckgezogen lebende Frau, die jeglichen Kontakt zu Menschen aus Angst vor dem Verlassen werden scheut.

Die Hoffnung stirbt aber bekanntlich zuletzt, und so glaubt sie, in der jungen und hilfebedrftigen Louise (Kate Bosworth), auf die sie in einem Restaurant aufmerksam wird, ihre verlorene Tochter wiedergefunden zu haben. Sie lsst die obdachlose junge Frau bei sich wohnen, vertraut ihr und ffnet sich stetig mehr. Sie fngt wieder an zu leben und zu lieben. Was Julia jedoch nicht sehen kann und will ist, dass Louise notorisch lgt und die Situation zu ihren Gunsten ausnutzt. Ein emotionales Auf und Ab beginnt, geprgt von Abhngigkeit und Abwehr, Vertrauen und Argwohn, Liebe und Ablehnung.

Neben dem grandiosen Spiel von Weaver, Bosworth und Nivola kommt Girl in the Park mit ganz wenig dramaturgischen Effekten aus. Im Vordergrund steht die psychologische Charakterstudie einer Familie, in der jeder auf seine persnliche Art und Weise mit einem Verlust umgegangen ist, der ihn individuell geprgt hat. Lediglich wenn sich Weaver alias Julia Sandburg in Erinnerungen verliert oder ihre stille Verzweiflung wchst, verstrkt dezente Musik die Tiefe der Gefhle.

'Das haben Sie sehr gut gemacht, Frau Weaver' wrde nur ansatzweise die Leistung wrdigen, die diese Frau in Girl in the Park erbringt. Sie spielt die zerrissene Frau, die zwischen Hoffnung und panischer Angst wankt, hervorragend. Mal ist sie das beschtzende Muttertier, dann die besitzergreifende und kontrollierende Frau. Die in ihr schlummernde Angst vor dem Verlassen werden und die Schuld am Verlust ihrer Tochter, die sie niemals dem Tter, sondern immer nur sich selbst zuweisen konnte, verzerren ihre Wahrnehmung und lassen sie unberechenbar werden. Sie sieht nicht die Bedrfnisse ihres Sohnes, der sich danach sehnt, von ihr wahrgenommen zu werden. Sie steckt in der Vergangenheit fest und kann nicht loslassen. Sie erlaubt sich nicht zu leben und ihren Kollegen Raymond (Elias Koteas) zu lieben.
Girl in the park, USA 2007
Verleih: Sunfilm Entertainment
Genre: Drama
Filmlaufzeit: 105 min
Regie: David Auburn
Darsteller: Sigourney Weaver, Kate Bosworth,
Alessandro Nivola, David Rasche, Keri Russel
DVD-Verffentlichung: 12.09.2008 (Verleih),
24.10.2008 (Verkauf)


Sie krallt sich statt dessen blind an Louise fest, die mit Kate Bosworth toll besetzt ist. Die Mischung aus manipulierendem Charme und kindlicher Unschuld bringt sie unbeschwert auf die Leinwand. Die ganze Zeit ist der Zuschauer in Atem gehalten, ebenso wie Julia hin und her gerissen zwischen Hoffnung und Unsicherheit. Ist Louise ihre Tochter oder ist sie es nicht? Die Frage wird bis zum Ende nicht beantwortet.

Girl in the Park ist ein stiller, unaufdringlicher und beobachtender Film, der lange nachwirkt und einen noch Tage spter beschftigt.

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