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Vermutlich übertreffen sie sogar die Anzahl der Titanic-Verfilmungen: Katastrophenfilme, die Tornados als dankbares Mittel für möglichst spannungsreiche Unterhaltung nutzen. Viele Regisseure scheinen der Ansicht zu sein, dass die Koppelung "Unwetterdramatik" mit "emotionalen Verstrickungen der Hauptdarsteller" die Garantie für einen Blockbuster ist, der die Zuschauer in den Sitzen hält. Das Ergebnis hingegen lässt sich vielmehr als "gute N24-Dokumentation meets Daily Soap" beschreiben. Tornado von Steven R. Monroe bedient sich vieler Klischees und das geübte Auge erkennt die Strukturen bereits nach den ersten Minuten. Die Vorhersage des Filmes ist also im direkten Vergleich zur allgemeinen Wettervorhersage äußerst zuverlässig. Im ersten Akt, dem Prolog, werden die Grundsteine gelegt. Der Zuschauer erfährt von dem Unfalltod der Eltern von April Saunders (Mimi Rogers) und ihrem Bruder Sean (Robert Moloney), natürlich durch einen, große Überraschung, Tornado. Zeitsprung: die nun erwachsene und traumatisierte April hat sich der Tornadojagd und Wetterforschung verschrieben. Die Beziehung zu ihrer 17-jährigen Tochter Dana (Elyse Levesque) und zu Sean, inzwischen Polizist und verheiratet, ist durch ihre Obsession stark beeinträchtigt. Ein Besuch bei Sean soll sie einander wieder näher bringen, doch eine Sturmfront zieht über Seattle auf und beansprucht Aprils volle Aufmerksamkeit. Als Dana verärgert mit Ryan (Ryan Kennedy), einem Jungen aus dem Ort, fortläuft und sich unversehens im Auge des Sturmes wieder findet, scheint sich das Schicksal zu wiederholen: wird April ihre Tochter rechtzeitig retten können? Wenn es so etwas wie eine "Katastrophenfilm-Philosophie" gibt, dann hält sie sich an einige grundlegende Regeln: Die Familienverhältnisse sind schwierig, der Protagonist oder eine für ihn wichtige Person befindet sich mindestens ein Mal in akuter Lebensgefahr, diese Person trennt sich vorher im Streit von der Gruppe und wird am Ende des Filmes in letzter Sekunde gerettet. Ein Trauma aus Kindheitstagen wiederholt sich, das Auto springt nicht an, das Handysignal ist gestört und nicht selten muss ein Protagonist zudem vor einem unliebsamen Angreifer fliehen - hat man den einen gesehen, hat man sie alle gesehen. Tornado - Niemand wird ihm entkommen (Storm Cell), USA 2007 Verleih: Sunfilm Entertainment Genre: Klima-Thriller Filmlaufzeit: 88 min Regie: Steven R. Monroe Darsteller: Mimi Rogers, Robert Moloney, Andrew Airlie, Ryan Kennedy, Elyse Levesque DVD-Veröffentlichung: 26.09.2008 Manchmal braucht es eben mehr als eine Aussprache am Essenstisch, um geschädigte Familienbande zu reparieren und persönliche Traumata zu überwinden. Tornado bietet wenig Neues, wirklich schlecht ist er deshalb allerdings nicht. Regisseur Monroe versteht sich auf die Verwendung von Cliffhangern, dynamischer Parallelität im Schnitt und mit Mimi Rogers und Elyse Levesque hat er sich talentierte und überzeugende Schauspieler ins Boot geholt. Die Atmosphäre ist durchweg bedrohlich, düster und vor allem regenerisch. Der Score schwelgt in Dramatik und erinnert an ähnliche Filme wie Twister, Yellowstone Park, oder auch an Blockbuster wie Roland Emmerichs The Day after Tomorrow. Die Vorhersehbarkeit in Katastrophenfilmen dieses Formats hat ihren ganz eigenen Reiz: Der Anspruch an die Aufmerksamkeit des Zuschauers ist relativ gering und das gute Ende ist selbstverständlich. Außerdem zeigen sie auf, wie klein die eigenen Probleme im Vergleich zum Gesehenen sind. Für gemütliche Fernsehabende ist diese Relativierung ab und an durchaus angenehm - die nächsten Tornado-Verfilmungen können also kommen.
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