Campus-Web Bewertung: 3/5
   
Es gibt zwei Mglichkeiten den Film 1 Mord fr 2 anzusehen: entweder man sieht sich das Original von Joseph L. Mankiewicz aus dem Jahr 1972 im Vorfeld an oder greift direkt zum Remake von 2007. Schwer zu sagen, welche Methode besser ist. Ohne das Original gesehen zu haben, kann das Remake um den "Sleuth" (dt. Detektiv oder Sprhund) so der Originaltitel unvoreingenommen erlebt werden. Hat man es hingegen gesehen, wird der Zuschauer so einiges in der Neuverfilmung von Kenneth Branagh vermissen.

Milo Tindle (Jude Law) und Andrew Wyke (Michael Caine) haben eines gemeinsam: dieselbe Frau. Maggie, die Ehefrau des Krimiautoren Andrew, hat eine Affre mit dem arbeitslosen Schauspieler Milo und verlangt die Scheidung. Um Andrew Wyke zur Zustimmung zu drngen, stattet Milo Tindle ihm einen Besuch ab. Damit beginnt die Geschichte um zwei Konkurrenten, eine Charakterstudie auf engstem Raum, mit allerlei berraschenden Wendungen.

Als ob sich Kenneth Branagh Gedanken dazu gemacht hat, wie er den grtmglichen Kontrast zum Film aus den Siebzigern erreichen kann, unterscheidet sich das Design grundlegend. Wo es im Original urig, charmant und auch humorvoll zuging, das Haus einem Kuriosittenkabinett glich und die Hauptdarsteller sich mit gewieften detektivischen Finessen gegenseitig versuchen auszuspielen, dominiert im Remake das khle, aalglatte Interieur und die Bilder spiegeln eine verzerrte Wahrnehmung und bedrohliche Unruhe wieder.
1 Mord fr 2 (Sleuth), USA 2007
Verleih: Concorde Video
Genre: Psychothriller
Filmlaufzeiten: 85 min
Regie: Kenneth Branagh
Darsteller: Jude Law, Michael Caine
DVD-Verffentlichung: 05.06.2008


Mit distanzierten Kamerablickwinkeln und ungewhnlichen Perspektiven wie Top Shots, Unschrfen, verstelltem Blick und spter beklemmenden Detailaufnahmen sowie einer komplexen Lichtstimmung, regiert die technische Kunstfertigkeit ber die schauspielerischen Qualitten. Vor allem zu Beginn wirkt die Darbietung von Law und Caine nebenschlich in Relation zur Wirkung des Schauplatzes. Sobald der Handlungsrahmen vorgestellt ist, rcken sie allerdings berechtigterweise in den Vordergrund.

Die Entwicklung von respektablen Mnnern, die um die Liebe einer Frau kmpfen, geht rasch hin zu verbissenen Feinden in einem persnlichen, psychologischen Machtkampf auf einer ganz anderen Ebene. Eine sexuelle Nuance tritt im Verlauf des Schlagabtausches zwischen den beiden Mnnern immer deutlicher hervor ob es gefllt, ist Geschmackssache. Die schauspielerische Leitung ist in jedem Fall nicht zu unterschtzen. Law macht vor allem in seiner Doppelrolle eine gute Figur - in der Originalfassung ist seine sprachliche Wandelbarkeit zu bewundern und Caine besticht wie immer mit seiner unglaublichen Ausstrahlung.

Ein besonderer Clou fr alle Cineasten: Michael Caine spielte schon im Original des auf dem Theaterstck von Anthony Shaffer aus dem Jahr 1970 basierenden Filmes mit. Allerdings nahm er sich damals des jungen Milo Tindles an und spielte Detektiv mit und gegen Laurence Olivier.

Ein Vergleich der beiden Versionen lohnt sich in jedem Fall, wobei Sleuth von 1972 weit mehr Wert auf eine genaue Charakterstudie und nachvollziehbare Handlungsmotive legt, als das Remake von Branagh. Das Zusammenspiel von Tindle und Wyke fllt niemals aus dem Rahmen und berzeugt mehr als das stellenweise doch sehr berspitzte Agieren von Jude Law und die drftige Plausibilitt. Kenneth Branaghs Werk ist dafr ein Highlight der Filmkunst und vor allem fr die technisch Interessierten ein wahrer Augenschmaus. Jedem das Seine vielleicht darf es ja auch das Theaterstck sein.

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