Campus-Web Bewertung: 2,5/5
   
 

   
2005 feierte der 1936 geborene Manga-Zeichner Kazuo Umezz sein 50-jhriges Jubilum als Knstler. Umezz gilt als wahrscheinlich einflussreichster Horror-Manga-Artist, sein wichtigstes Werk stellt wohl Orochi dar, allerdings war er auch in anderen Genres ttig. Zu seinen Ehren entstand 2005 die Filmreihe Kazuo Umezzs Horror Theater. Sechs mehr oder weniger bekannte japanische Regisseure nahmen sich jeweils einer von Umezzs Manga-Vorlagen an und setzten sie filmisch nach ihren Vorstellungen um. In Deutschland ist die Reihe auf drei DVDs erschienen, die jeweils zwei der Filme enthalten.

Horror Theater I macht den Anfang: The Present ist ein unterhaltsamer Slasherfilm, in dem Santa Claus Jagd auf eine Gruppe Jugendlicher macht, die eine Weihnachts-Party veranstaltet haben. Regisseur Yudai Yamaguchi, der auch schon den abgedrehten Cyberpunk-Splatterfilm Meatball Machine prsentierte, bleibt dem Splattergenre mit seinem Beitrag zu dieser Reihe absolut treu und serviert den Fans einige sehenswerte Gore-Szenen. Auch optisch ist der Film sehr ansprechend inszeniert, die farbenfrohe und irreale Ausleuchtung erinnert zuweilen an die Filme des italienischen Kult-Regisseurs Dario Argento (Suspiria, Horror Inferno), die Story ist allerdings, wie fr einen Slasher im Grunde fast schon blich, fr die Tonne.
Deathmake erzhlt von einer Filmcrew, die in einem verlassenen Warenhaus, in dem schon zuvor ein paar Mdchen verschwunden sein sollen, einen Film drehen wollen. Natrlich spukt es dort und der Ursprung des mysterisen Treibens scheint einer seltsamen Maske zu entspringen.
Der Film ist leider ziemlich langweilig, blutarm, die Schauspieler sind untalentiert und die CGI-Effekte erinnern bestenfalls an mittelmige PS1-Spiele. Mehr gibt es ber Taichi Itos "Haunted House" - Beitrag im Grunde nicht zu berichten.

Weiter geht die Reise durch die Welt des J-Horrors mit Horror Theater II: House of Bugs schildert ein Ehedrama der etwas anderen Art: Der verheiratete Koji bittet seine Geliebte, mit ihm zusammen seine Ehefrau aufzusuchen, damit sie das Scheitern seiner Beziehung nachvollziehen kann. Auerdem frchtet Koji, er knnte eventuell verrckt geworden sein, da er glaubt, seine Frau habe sich in ein Insekt verwandelt. Der Beitrag von Pulse - Regisseur Kiyoshi Kurosawa ist ein solider, wenn auch ausgesprochen seichter, Vertreter des J-Horrors, der allzu deutlich von Franz Kafkas "Die Verwandlung" inspiriert wurde. Ein Film fr Intellektuelle, bei dem blo die CGI-Effekte (mal wieder!) nicht zu berzeugen wissen.
In Diet versucht ein korpulentes Mdchen verzweifelt abzunehmen, um ihrem Schwarm zu gefallen. Obwohl dieser bisher nur Spott fr sie brig hatte, hat sie ihn doch zum Fressen gern.
Der sehr harmlose Debt-Film von Tadafumi Ito fllt vor allem durch seinen sehr billigen Video-Look auf und erreicht auch ansonsten bestenfalls Amateur-Niveau. "Und was hat das jetzt mit Horror zu tun?" - die Frage werden sich wohl die meisten nach diesem Film stellen. Vielleicht besteht der Horror dieses Teenie-Dramas ganz einfach darin, dass es schrecklich langweilig ist?

Horror Theater III bildet den Abschluss der Reihe: In The Wish bastelt sich ein kleiner und einsamer Junge aus einem gefundenen Holzstck eine lebensgroe Puppe, die fortan seinen besten Freund darstellt. Der Junge wnscht sich nichts sehnlicher, als dass die Puppe sich selbststndig bewegen knnte. Als es fr die Puppe pltzlich einen Anlass zur Eifersucht gibt, bewegt sie sich schlielich. Noboru Iguchi prsentiert hiermit schablonenhaften J-Horror der unspektakulreren Sorte. Atmosphrisch ist der Film durchaus gelungen, allerdings gibt die Story nicht besonders viel her und fr die Laufzeit von fast einer Stunde passiert einfach zu wenig.

Der letzte Beitrag der Reihe ist Snake Girl, der von einem Mdchen Namens Yumiko erzhlt, das die Sommerferien in einem kleinen Kaff verbringen muss, dessen Einwohner sie stndig "Schlangenmdchen" nennen. Dabei war Yumiko noch nie zuvor an diesem Ort. Weshalb haben also die Bewohner Angst vor ihr? Atsushi Shimizus Film ist leider ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei. Snake Girl beginnt wie eine japanische "Backwood"-Variante, die das urbane Leben gekonnt mit dem lndlichen in Kontrast setzt, verliert sich danach aber wieder in Belanglosigkeiten. Am Ende bekommt der Zuschauer dann auch noch ein richtig schn trashiges Latexmonster zu Gesicht, das aussieht wie Screaming Mad Georges Kreationen aus The Bite.
Horror Theater I-III (The Present+Deathmake, House of Bugs+Diet, The Wish+Snake Girl), Japan 2005
Verleih: Sunfilm Entertainment
Genre: Horror
Filmlaufzeiten: 96, 118 und 105 min
Regie: Taichi Ito / Yudai Yamaguchi
Kiyoshi Kurosawa / Tadafumi Ito
Atsushi Shimizu / Noboru Iguchi
DVD-Verffentlichung: 09.05.2008


Kazuo Umezzs Horror Theater hinterlsst einen durchaus zwiespltigen Eindruck. So wirklich berzeugen kann keiner der sechs Beitrge, fr Horrorfans am interessantesten drfte The Present sein, der auch technisch am besten umgesetzt wurde. Die anderen Beitrge leiden unter ihren teilweise unterdurchschnittlichen Schauspielleistungen, billigen Computereffekten und im Allgemeinen unter Spannungslosigkeit und Blutarmut. Leider sieht man fast jedem Film sein offensichtlich sehr geringes Budget an, was im Grunde nicht weiter stren wrde, wenn es sich bei den Vorlagen von Kazuo Umezz nicht um hochqualitative Manga-Werke handeln wrde, die eine angemessene Umsetzung verdient gehabt htten. Als japanisches Pendant zu anderen, gelungenen Horror-Anthologien wie z.B. die Masters of Horror - Reihe, versagt Horror Theater, dass man eher als "Suspense-Drama Theater" htte verffentlichen sollen. Warum die FSK alle drei DVDs erst ab 18 freigegeben hat, ist nicht wirklich verstndlich, da bis auf The Present alle Filme derart harmlos, unblutig und unspannend sind, dass man sie auch ohne weiteres mit einer Freigabe ab 12 htte bedenken knnen.

Fans des J-Horrors knnten einen Blick ins Horror Theater riskieren, alle anderen sollten die Finger davon lassen. Die DVDs enthalten jeweils Making Of - Features zu den Filmen, auerdem gibt Mr. Kazuo zu jedem Film sein persnliches Statement ab.

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