Campus-Web Bewertung: 4,5/5
   
Miami, Florida: Im Dadeland Einkaufszentrum sitzen die Rentner gemtlich im Caf, Passanten schlendern durch die Boutiquen und Mtter schieben ihre voll bepackten Kinderwgen durch die Gnge der Mall. Bis 14:28 Uhr unterscheidet sich dieser 11. Juli 1979 durch nichts von jedem anderen Tag. Doch pltzlich, wie aus dem Nichts, rattern Schsse aus einer Maschinenpistole. Glas splittert, Menschen geraten in Panik und zwei Lateinamerikaner werden brutal hingerichtet. Von unzhligen Kugeln durchbohrt sind sie Opfer und gleichzeitig Beteiligte des Miami beherrschenden Drogenkrieges zwischen der kubanischen und kolumbianischen Mafia.

Billy Corben erzhlt in seinem Action-Dokumentarfilm Cocaine Cowboys, der von Kennern bereits als Kultfilm gehandelt wird und bei uns seit dem 17. Juli auf DVD erhltlich ist, die Geschichte einer Stadt, die nur durch den Kokainhandel zu dem werden konnte, was sie heute ist.

Hrt man an Miami, so denkt man an Sonne, Strand, Palmen und an ein pulsierendes Nachtleben. Genau diesen Vorstellungen vom Sunshine-State entsprach die Metropole am Atlantik vor allem in den 60er Jahren und lockte damit unzhlige Sonnen- und Feierhungrige aus der ganzen Welt. Schnell entdeckten auch die ersten Drogenkartelle die Vorteile der Stadt fr sich. Nahe an Sdamerika gelegen, wurden vor allem Kokain und Marihuana ber Miami in die USA importiert. Die Bedingungen dazu htten nicht schner sein knnen: Kilometerlange unbewachte Strnde, offene Grenzen und korrupte Polizisten machten das Geschft mit dem weien Gold zum Sonntagsausflug. Mick Munday, der dort im Drogenimport Fu fasste, berichtet im Film, wie er einst mit seinem Boot, beladen mit hunderten Kilos Kokain, ein Boot der Kstenwache abschleppte, ohne dass diese die prekre Ladung entdeckten. Und auch Drogenboss Jon Roberts berichtet, wie leicht es ihm fiel, nachdem es ihm in New York zu hei wurde, in Miami ins "cocaine business" einzusteigen: Schnell wurde Miami von einer Welle des Drogentourismus berschwemmt und vor allem die Kolumbianer versorgten vom einfachen Supermarktangestellten bis hin zum Anwalt beinahe jeden. Kokain war sozusagen in "aller Nase" und mit dem weien Gold berschwemmten Milliarden von Dollars die Stadt. Die Wirtschaft florierte und die Drogen-Dollars trugen mageblich zum Bauboom der 70er und 80er Jahre bei, denn irgendwo mussten die Drogengelder schlielich investiert werden. Dies ging sogar so weit, dass Jon Roberts beschreibt, wie er eines Tages mehrere Millionen einfach im Garten vergrub, weil er nicht wusste wohin damit. Doch ohne die Geldwsche ber die Banken und die Investitionen der Dealer wre die Skyline von Miami nicht die, die sie heute ist.
Cocaine Cowboys, USA 2006
Verleih: Ascot Elite
Genre: Action-Doku
Laufzeit: 119 min
Regie: Billy Corben
Darsteller: Jon Roberts, Al Sunshine, Sam Burstyn, Mickey Munday
DVD-Verffentlichung: 17.07.2008


Doch der wirtschaftliche Aufschwung erforderte einen groen Preis. Denn als auch die Kubaner den fruchtbaren Boden zum Drogenimport nutzen wollen, brach ein erbitterter kubanisch-kolumbianischer Drogenkrieg aus. In keiner Stadt gab es mehr Morde pro Jahr als in Miami. Im Zentrum der Auseinandersetzungen stand vor allem die macht- und mordbesessene Griselda Blanco, die Godmother Of Cocaine. Scheinbar geisteskrank lie sie jeden umbringen, der ihr nicht ins Bild passte und schreckte dabei selbst vor Kindern nicht zurck. Verurteilt zu dreimal lebenslanger Haft, berichtet der "Chef-Vollstrecker" der Patin, Jorge "Rivi" Ayala , von seinen unzhligen Auftragsmorden. Die Genugtuung und das Grinsen, welches seine Lippen umspielt whrend er erzhlt, jagen einem eine echte Gnsehaut ein.

Doch alarmiert durch Griseldas skrupelloses und unverblmtes Vorgehen geriet Miami schnell ins Visier der amerikanischen Regierung. Unzhlige Polizisten und Spezialeinheiten wurden rekrutiert und der Niedergang der Drogenkartelle, aber damit auch der vorlufige Niedergang der Wirtschaft war bereitet. So standen nun in der Stadt, in der selbst zu Zeiten der Rezession goldene Rolex-Uhren ber den Ladentisch gingen, die Nachtklubs und Diskotheken auf einmal leer. Doch Miami bekam eine zweite Chance und blht nun, als eine der groen Filmmetropole im Stile Hollywoods wieder in vollem Glanze.

Voll brutaler Bilder und gespickt mit den fesselnden und erschreckend ehrlichen Berichten von Dealern, Auftragskillern, aber auch von Ermittlern und Journalisten, prsentiert Corben den blutigen Aufstieg Miamis zur gefhrlichsten Stadt der 80er Jahre. Dieser Film zeigt, dass die Realitt hrter sein kann, als jeder Actionfilm. Altes Filmmaterial, schnelle Schnitte und der Kontrast zwischen sonnigen Strnden und schonungslosen, schmutzigen Details verleihen dem Film eine unglaubliche Dynamik und Authentizitt. Einziger Negativpunkt sind die teilweise etwas zu lang geratenen Augenzeugenberichte, so dass sich vor allem zum Ende hin die zwei Stunden Filmdauer ein wenig in die Lnge ziehen. Dennoch kann man, hat man den Film erst gesehen, den Hype und die Begeisterung gut nachvollziehen. Cocaine Cowboys ist ein Film, der hinter die Kulissen von Miami Vice und Scarface blicken lsst und um Objektivitt bemht, versucht beide Seiten der Medaille aufzuzeigen. Die Fortsetzung Cocaine Cowboys II - Hustlin with Godmother ist bereits in Arbeit und soll noch 2008 in die amerikanischen Kinos kommen. Und auch Jerry Bruckheimer, Michael Bay und sogar Paramount planen Adaptionen dieses brisanten Stoffes.

Als Bonusmaterial der DVD gibts mit Deleted Scenes, einem Special Feature zur "Patin", einem Trailer und einer Trailershow weitere Infos zum Drogensumpf Miami.

Fazit: Die Realitt ist manchmal einfach hrter als jede Fiktion! Schonungslos und authentisch, braucht es nicht immer einen Helden wie "Sonny Crockett" (Miami Vice), um einen guten Film zu bekommen!

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